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Es war ein Abend, an dem 59.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion der Liverpool Reds alle Emotionen des Fußballs serviert bekamen — von Verzweiflung über Staunen bis zu jener unbändigen Euphorie, die nur ein Derbysieg gegen die Manchester Devils auslösen kann. Am Ende stand ein 3:2 auf der Anzeigetafel, doch bis dahin war es ein wilder Ritt durch Fehler, Finesse und ein paar wundersame Wendungen. Schon nach acht Minuten sah alles nach einem rabenschwarzen Abend für die Reds aus. Asen Christow, der rechte Flügelstürmer der Devils, schlich sich wie ein Dieb in der Nacht in den Strafraum und drosch den Ball nach Vorlage von Jean-Pierre Bettencourt unter die Latte. "Ich schwöre, ich wollte flanken", grinste Christow später mit einem Augenzwinkern. Sein Trainer Ronnie Ekström lachte nur trocken: "Wenn das eine Flanke war, dann male ich ab morgen Taktiktafeln mit Wasserfarben." Liverpool schüttelte sich kurz, dann legte Lucas Ward los. Der 22-jährige Mittelstürmer traf in der 20. Minute nach mustergültiger Vorarbeit von Ryan Winston - ein Treffer wie aus dem Lehrbuch: flach ins Eck, Torwart chancenlos. "Ich habe einfach mal instinktiv draufgehalten", sagte Ward, "und gehofft, dass der Ball nicht auf die Tribüne fliegt." Doch die Freude währte nur bis Minute 39. Da bewies Devils-Innenverteidiger Timofej Tertyschny, dass er nicht nur grätschen, sondern auch treffen kann. Nach einer Ecke von Christopher Bancroft köpfte er wuchtig zum 2:1 für Manchester ein. In der Pause wirkte Reds-Coach Kurt Kaiser erstaunlich ruhig. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr weiter so verteidigt, bin ich bald Philosoph - weil ich dann nur noch über Fußball reden darf, aber keinen mehr spielen sehe." Die zweite Halbzeit begann mit einem Feuerwerk der Gastgeber. 16 Torschüsse feuerten die Reds insgesamt ab, und in Minute 61 zappelte der Ball erneut im Netz. Ryan Winston, der schon das erste Tor vorbereitet hatte, traf nach Zuspiel von Thomas Lester zum 2:2. "Ich hab den Ball gesehen und mir gedacht: Der hat’s verdient, mal gestreichelt zu werden - mit dem Spann", erklärte Winston später lachend. Kurt Kaiser wechselte klug: Lester ging kurz danach raus, für ihn kam der erfahrene Tristan Apers, und vorne ersetzte der alte Fuchs Giulio Lorusso den jungen Ward. Und dann kam die 78. Minute - der Moment, in dem das Stadion explodierte. Robert Warriner, 22 Jahre jung, nahm eine Flanke von Filipe Arias direkt und donnerte sie ins rechte Eck. 3:2! Die Bank der Reds jubelte, die Fans sangen, und Kaisers Kaffeetasse flog in hohem Bogen Richtung Ersatzbank. "Ich wollte sie eigentlich abstellen, ehrlich", beteuerte er später. Manchester warf in der Schlussphase alles nach vorne, änderte Taktik und Pressing auf maximalen Sturm. Die Gäste hatten mit 50,4 Prozent sogar leicht mehr Ballbesitz, aber Liverpool verteidigte mit Herz und Humor. In der 90. Minute hätte Tertyschny fast erneut getroffen, doch Keeper Charlie Leachman fischte den Ball aus dem Winkel - und brüllte danach: "Heute nicht, mein Freund!" Die Statistik spricht für ein ausgeglichenes Spiel, doch das Ergebnis erzählt eine andere Geschichte: 3:2 für Liverpool, 16:11 Torschüsse für die Reds, und ein Publikum, das nach Schlusspfiff noch minutenlang tanzte. Ronnie Ekström nahm die Niederlage mit Fassung. "Wir haben in der ersten Halbzeit viel investiert, aber Fußball dauert bekanntlich länger als 45 Minuten", sagte er, während er den Reporterblicken auswich. Und was sagte Kaiser? "Ich bin stolz auf die Jungs. Wenn sie jetzt noch lernen, dass man keine Gegentore braucht, um wach zu werden, schreibe ich ein Buch über sie." So endete ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Taktik - und diesen typisch britischen Wahnsinn, der selbst den neutralen Zuschauer zum Fan macht. Und irgendwo in der Kabine summte wohl noch jemand: "You’ll never walk alone" - aber natürlich nur ganz leise, wegen der Copyrights. 22.08.643993 12:53 |
Sprücheklopfer
Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic