Noticiero VeneVision
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Real Caracas siegt spät in Maracaibo - Pauleta trifft und tanzt

CF Maracaibo gegen Real Caracas - das klingt nach venezolanischem Fußball pur: Sonne, Leidenschaft und gelegentlich ein leicht übermotivierter Zweikampf. Am 20. Spieltag der 1. Liga Venezuela lieferten sich beide Teams im Estadio José Encarnación "Pachencho" Romero ein Duell, das die 36.852 Zuschauer bestens unterhielt: Real Caracas siegte am Ende mit 2:1, obwohl Maracaibo über weite Strecken den Ball und - so schien es - auch das Geschehen kontrollierte.

Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Maracaibo das Spiel ernst nahm. Trainer Sprego Boss hatte seine Elf defensiv eingestellt, aber mit gefährlichen Konterflügeln. "Wir wollten Caracas ein bisschen locken - und dann zustechen", erklärte er später mit einem Grinsen, das deutlich machte, dass der Plan zumindest bis zur 74. Minute ganz ordentlich funktionierte.

Doch zunächst jubelten die Gäste. In der 20. Minute zirkelte Felipe Da Cru nach Vorarbeit von Nevio Oliveira den Ball humorlos ins Eck - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", gestand der Mittelfeldmann später, "der Ball wollte wohl auch mal ins Netz." Zwei Minuten später konterte Maracaibo - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Verteidiger Kamuran Kurtulus, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, nutzte einen Abpraller und traf nach Vorlage von James Robinson zum 1:1. Das Stadion bebte. Robinson erzählte hinterher lachend: "Ich hab ihn einfach angeschrien: ’Schieß!’ - und er hat tatsächlich getroffen. Ich sollte öfter schreien."

Maracaibo hatte danach Oberwasser. 55 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, und immer wieder tauchten Claverias und Caloveto im Strafraum auf. Doch der junge Torhüter Asier Veloso von Caracas hielt, als hätte er am Morgen Koffein intravenös bekommen. In der 34. Minute lenkte er einen Kopfball von Kurtulus über die Latte - und klatschte danach in Richtung Tribüne, als wolle er sagen: "Nicht mit mir, Freunde."

Caracas hingegen blieb seiner offensiven Flügelstrategie treu. Trainer King Lui, dessen Name allein schon königliche Erwartungen weckt, schickte seine Mannschaft mit breitem Grinsen und breiten Außenbahnen aufs Feld. "Wir spielen lieber nach vorne als nachzudenken", sagte er vor dem Spiel - und seine Spieler hielten Wort. Besonders über links wirbelte der junge Marcio Galvez, der Marc Celine mehrfach alt aussehen ließ.

Nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Maracaibo kassierte gleich drei Gelbe Karten - Galitsios (62.), Jakobsen (71.) und schließlich Kurtulus (90.) trugen sich ins Notizbuch des Schiedsrichters ein. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", verteidigte Kapitän Jakobsen die rustikale Gangart. "Vielleicht waren wir ein bisschen zu sehr da."

In der 74. Minute kam dann der Moment des Abends: Der frisch eingewechselte Silvestre Pauleta, gerade 21 Jahre jung, sprintete nach einem feinen Pass von Joaquin Domingos in den Strafraum, nahm Maß - und versenkte den Ball eiskalt. 2:1 für Real Caracas. Pauleta riss die Arme hoch, drehte sich, und tanzte eine improvisierte Samba, die selbst die Heimfans kurz zum Mitwippen brachte. "Ich hab gar nicht gewusst, dass ich das kann", lachte er später im Interview.

Maracaibo drängte danach verzweifelt auf den Ausgleich. In der 86. Minute hatte Pedro Claverias die große Chance, doch sein Schuss strich knapp am Pfosten vorbei. Sprego Boss schlug daraufhin entnervt die Wasserflasche auf den Boden. "Wenn der Ball da reingeht, reden wir heute anders", murmelte er später und fügte mit trockenem Humor hinzu: "Aber er ging nicht rein, also reden wir so."

Statistisch gesehen war Maracaibo das aktivere Team - mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote. Doch Real Caracas nutzte, was Maracaibo liegen ließ. "Effizienz ist auch eine Kunst", philosophierte King Lui nach Abpfiff und lächelte, als hätte er gerade ein Schachspiel gewonnen.

Für Maracaibo bleibt die Erkenntnis, dass Leidenschaft nicht immer Punkte bringt. Für Caracas dagegen war es ein Sieg, der mehr als nur drei Zähler wert ist - ein Statement im Titelkampf. Und für die Zuschauer war es ein Abend, an dem alles dabei war: Tore, Karten, Emotionen - und ein junger Held namens Pauleta, der tanzte, als hätte er das Stadion erfunden.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen der Tribüne sagte: "Wir haben verloren, aber wenigstens war’s schön." Und das, im venezolanischen Fußball, ist manchmal schon ein Punktgewinn.

07.09.643987 15:16
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer
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