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Wer am Samstagabend ins "Sunshine Dome" kam, bekam für sein Eintrittsgeld jede Menge Drama, Tempo und ein paar Tropfen Schweiß gratis dazu. 53.757 Zuschauer sahen beim 2:2 zwischen den Miami Strikers und den London Stars ein Spiel, das alles hatte - Tore, Emotionen und das gewisse Chaos, das man in dieser Liga so liebt. Die Partie begann, wie man es von den Stars aus London erwarten konnte: frech, direkt und mit Flügelspiel, das jede Abwehrreihe nervös macht. Schon in der 12. Minute klingelte es - Adam Reacock, der Mann mit der Präzision eines Uhrwerks, vollendete einen Pass von Callum Monroe zum 0:1. Trainerin Jacqueline Star sprang kurz auf, klatschte energisch und grinste später: "Ich hab Adam gesagt, er soll mal wieder was treffen. Er meinte: ’Welches Netz?’ - Zum Glück wusste er’s dann." Doch Miami wäre nicht Miami, wenn sie sich von einem frühen Rückstand beeindrucken ließen. Der erste Hurrikan zog in Minute 28 über die Londoner Defensive hinweg. Lorenzo Deluguerre, sonst eher als verlässlicher Außenverteidiger bekannt, schickte einen butterweichen Pass in den Strafraum, wo Jose Verdasco stand wie ein Fels in der Brandung - 1:1. Der Jubel? Laut, ekstatisch, leicht übertrieben. Verdasco danach: "Ich hab einfach gehofft, dass Lorenzo nicht wieder querlegt. Heute hat er’s mal richtig gemacht." Die Strikers bekamen nun Oberwasser, 54 Prozent Ballbesitz und das Publikum im Rücken. Als Danijel Dordevic kurz vor der Pause (42.) das 2:1 erzielte, nachdem Hugo Carvalho den Ball nach vorn gedroschen hatte, bebte das Stadion. Dordevic, sonst eher für technische Finesse bekannt, drosch das Leder diesmal kompromisslos ins Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später grinsend zu. "Aber jetzt tu ich einfach so, als wär’s geplant gewesen." In der Pause sprach Miamis Trainer Patrick Kontsch von "Kontrolle und Geduld", aber seine Mannschaft schien beides in der Kabine vergessen zu haben. London kam wütend zurück, angepeitscht von Jacqueline Stars markanter Halbzeitansprache ("Ich hab nur gefragt, ob sie noch Urlaub haben"). Und wieder war es Reacock, der in der 56. Minute nach einem blitzsauberen Zusammenspiel mit Monroe den Ausgleich schoss - 2:2, alles wieder offen. Danach wurde’s wild. London drückte, Miami konterte, und irgendwo dazwischen verlor Hugo Carvalho in der 73. Minute die Nerven und sah Gelb. "Er hat wohl gedacht, Gelb passt zu unseren Trikots", witzelte Kontsch später trocken. Die Engländer warfen alles nach vorn, Reacock hatte weitere Gelegenheiten (64., 65., 68.), doch Miamis Keeper Hans Göbel war auf dem Posten. "Ich hab nur noch Hände gesehen, irgendwo dazwischen war wohl der Ball", sagte er lachend. Auf der anderen Seite hätte Verdasco in der 85. Minute den Sieg klarmachen können, scheiterte aber an Benjamin Benett, der mit einer Glanzparade die Stars im Spiel hielt. Taktisch blieb es interessant: Beide Teams offensiv ausgerichtet, London etwas aggressiver, Miami mit gepflegtem Kurzpassspiel und leichtem Hang zur Selbstüberschätzung. 10:14 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - die Zahlen lesen sich, als hätte Miami das Spiel kontrolliert. Doch wer zusah, wusste: Das war ein offener Schlagabtausch mit offenem Visier. In der Schlussphase brachte Star gleich drei junge Spieler - Laimer (18), Goncalves (19) und Corey (20). "Wir wollten Frische bringen", erklärte sie. "Und wenn sie’s schon nicht gewinnen, sollen sie wenigstens rennen." Die Teenager rannten, kämpften, aber am Ergebnis änderte das nichts mehr. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete man beidseits tief durch. 2:2 - ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte, aber beide wohl akzeptieren mussten. Kontsch sagte später: "Wenn du zweimal führst und trotzdem nur einen Punkt holst, fühlt sich das an wie ein verlorener Sieg." Reacock hingegen grinste breit: "Doppeltorschützen fragt man nicht nach Punkten, nur nach Autogrammen." So endete ein Spiel, das in Sachen Unterhaltung locker Champions-League-Niveau hatte, auch wenn’s "nur" der 18. Spieltag der 1. Liga USA war. Beide Trainer dürften mit ihrer Offensive zufrieden, mit ihrer Defensive aber herzlich unglücklich sein. Und während die Fans das Stadion verließen, lief auf der Anzeigetafel noch einmal das Endergebnis: Miami Strikers - London Stars 2:2 (2:1). Man hätte drunter schreiben können: "Keiner gewinnt, aber alle hatten Spaß." Oder, wie ein älterer Herr beim Hinausgehen murmelte: "So ein Unentschieden guck ich mir gern wieder an - da war wenigstens was los." 24.12.643990 05:04 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts