De Standaard
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RCS Vise verwandelt Rückstand in Torfestival

Es gibt Fußballabende, die in die Vereinschronik gehören, und der 22. Januar 2026 dürfte für RCS Vise genau so einer gewesen sein. Vor 22.863 begeisterten Zuschauern im heimischen Stadion verwandelten die Mannen von Trainer Fonsi Glover einen 0:2‑Rückstand gegen St. Truiden in ein atemloses 5:2‑Spektakel. Wer zur Pause noch grummelte, bekam in Halbzeit zwei eine Gratislektion in Sachen Comeback‑Mentalität.

Dabei hatte alles ganz harmlos begonnen - zumindest aus Sicht der Gäste. Bereits in der 9. Minute traf Traianos Galakos nach einer butterweichen Vorlage von Niklas Hauser zum 0:1. Der Grieche grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn der Ball reinfällt, beschwert sich ja keiner." St. Truiden blieb am Drücker, und Marko Vogel erhöhte in der 37. Minute nach mustergültigem Zuspiel von Galakos auf 0:2. Zu diesem Zeitpunkt wähnten sich die Anhänger der Kanarienvögel schon auf der Siegerstraße.

RCS Vise hingegen wirkte fahrig, die Offensivbemühungen endeten meist im Niemandsland zwischen Strafraumkante und Eckfahne. Trainer Glover gestand später: "In der Halbzeit habe ich meinen Jungs gesagt, sie sollen so tun, als ob’s noch 0:0 steht - offenbar haben sie mich wörtlich genommen."

Was dann folgte, war eine zweite Halbzeit, die man besser im Geschichtsbuch mit rotem Stift markiert. In der 54. Minute zündete Nick Van Linden, der bis dahin eher unauffällige Zentralmotor im Mittelfeld, einen Distanzschuss, der unter die Latte krachte - 1:2, Anschluss hergestellt. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn du 0:2 hinten liegst, denkst du nicht mehr viel", sagte Van Linden mit einem Schulterzucken.

Kaum zehn Minuten später drehte sich das Spiel komplett: Harrison Caviness (65.) und Davib Winfield (67.) trafen innerhalb von zwei Minuten und ließen die Tribünen beben. Caviness’ Schuss aus spitzem Winkel war ebenso sehenswert wie Winfields trockener Abschluss nach Vorarbeit von Luke Warriner. "Wir haben uns einfach gegenseitig angeschrien: ’Noch eins!’", lachte Winfield hinterher.

Für St. Truiden lief da schon alles schief, was schieflaufen konnte. Rechtsverteidiger Ake Sundström hatte sich zuvor in der 51. Minute nach Gelb‑Rot verabschiedet - "unglücklich, aber konsequent", nannte es sein Trainer mit stoischer Miene. Dabei hatte Sundström bereits in der ersten Hälfte Gelb gesehen; sein rustikales Einsteigen kurz nach der Pause besiegelte das Unterzahl‑Drama der Gäste.

Und RCS Vise roch Blut. In der 73. Minute krönte Luke Warriner seine starke Leistung mit dem 4:2, diesmal auf Vorlage seines Sturmpartners Winfield. Das Duo spielte Katz und Maus mit der dezimierten Truidener Abwehr. "Wir haben uns gegenseitig gesagt: ’Du zuerst.’ - ’Nein, du!’ - Am Ende war’s egal, Hauptsache drin", grinste Warriner nach dem Abpfiff.

Den Schlusspunkt setzte Samuel Debeule in der 87. Minute, der nach Pass von Ward Speeck das Leder humorlos ins lange Eck drosch. Die Fans tobten, Trainer Glover hüpfte an der Seitenlinie, als habe er gerade das Lotto gewonnen. "Fünf Tore nach 0:2 - das nennt man wohl Reaktion. Ich bin stolz wie Bolle", sagte der Coach, während ihm ein Becher Bier über die Schulter schwappte.

Statistisch war das Spiel enger, als es das Ergebnis vermuten lässt: 50,3 % Ballbesitz für Vise, 49,7 % für St. Truiden - aber 17 Torschüsse gegenüber nur 6 der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. Nach dem Platzverweis brachen die Truidener völlig ein. Ihr Trainer murmelte später: "Nach dem 3:2 war die Luft raus - und die Zuordnung wohl auch."

Dass Vise in der Schlussphase sogar noch Chancen auf ein halbes Dutzend Treffer hatte, passte zum Bild eines Spiels, das sich vom verpassten Debakel zur Gala verwandelte. Selbst der Stadionsprecher soll, so berichtet man, nach dem fünften Tor kurz vergessen haben, den Namen des Torschützen zu nennen - zu laut war das Jubelgebrüll.

Am Ende blieb ein Abend, der zeigte, warum man im Fußball nie zu früh abschalten sollte. "Das war eine Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel", sagte ein Fan mit heiserer Stimme, während hinter ihm jemand grinste: "Zum Glück sitzen wir auf der richtigen Seite."

RCS Vise klettert mit diesem Sieg weiter in der Tabelle der 1. Liga Belgien, während St. Truiden nach dem Blitz‑Zusammenbruch dringend einen Seelsorger für die Defensive suchen dürfte. Aber, um es mit Trainer Glover zu sagen: "Manchmal muss man erst zwei Tore kassieren, um zu merken, dass man eigentlich fünf schießen kann."

Und genau das taten sie.

19.09.643987 04:42
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Fußball spielt sich zwischen den Ohren ab. Da war teilweise Brachland, das neu bepflanzt werden musste.
Rainer Bonhof
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