De Standaard
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RCS Vise fegt Mouscron vom Platz - Lindemann doppelt, Caviness krönt den Abend

Ein Freitagabend in Vise, Flutlicht, 20.804 Zuschauer und das Gefühl, dass hier gleich etwas passieren würde. Und tatsächlich: Nach fünf Minuten war allen klar, dass dieser 19. Spieltag der 1. Liga Belgien kein Abend für Feinschmecker des Abwartens werden würde. RCS Vise, von Trainer Fonsi Glover auf Offensive getrimmt, legte los wie ein Schnellzug - und SV Mouscron stand auf dem Bahnsteig und winkte hinterher.

Thomas Lindemann, der 21-jährige Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Mannes, der seine Karriere gerade erst anzündet, brauchte keine Eingewöhnung. In der 5. Minute stand er nach Vorlage von Ivan Medved goldrichtig und schob eiskalt ein - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt. Ich dachte, der Ball wäre vielleicht schon draußen", grinste Lindemann nach dem Spiel, während er mit der Medaille des "Man of the Match" spielte.

Mouscron, das laut Statistik etwas mehr Ballbesitz hatte (51 Prozent), brachte in dieser Phase kaum einen Fuß auf den Boden. Der Ball lief zwar in den eigenen Reihen, aber nie dorthin, wo es weh tut. Nach 19 Minuten wieder Lindemann - diesmal nach feiner Vorarbeit von Sturmpartner Patrick Walter. 2:0, und im Stadion herrschte der Zustand zwischen Ekstase und Mitleid mit den Gästen.

"Wir haben sie einfach überrannt", sagte Vise-Coach Glover später, halb stolz, halb überrascht. "Ich hatte eigentlich vor, erstmal ruhig zu beginnen - aber die Jungs haben mich ignoriert. Zum Glück!"

Bis zur Pause hätte Vise sogar höher führen können. 25 Torschüsse notierte die Statistik am Ende, und gefühlt kamen die meisten davon schon in den ersten 45 Minuten. Walter, Caviness, Winfield - sie alle probierten sich aus, während Mouscron-Keeper Jean-Pierre Müller mehr zu tun hatte als ein Barkeeper im Derby-Wochenende.

Nach der Pause versuchte Mouscron, Ordnung ins Chaos zu bringen. Trainerstimmen klangen von außen: "Ruhig, Jungs, spielt euer Spiel!" Doch kaum hatte man den Satz ausgesprochen, war der Ball auch schon wieder im Netz. Patrick Walter erhöhte in der 51. Minute auf 3:0, wieder nach einem Zuspiel von Medved, der an diesem Abend mehr Linien durchbrach als ein Kunststudent im Abstrakt-Kurs.

Das Ehrentor für Mouscron war dann so etwas wie ein kleiner Trostpreis. Dylan Peters traf in der 60. Minute nach schöner Vorarbeit von Louis Cornet - ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: über links, Querpass, Abschluss. Peters riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Champions-League-Pokal geholt. "Man muss auch in schwierigen Spielen stolz sein, wenn man trifft", sagte er später, und man konnte ihm den Galgenhumor nicht verdenken.

Doch Vise hatte noch nicht genug. In der 83. Minute setzte Harrison Caviness mit dem 4:1 den Deckel drauf. Lindemann, inzwischen zum Publikumsliebling aufgestiegen, legte auf, Caviness vollendete - und das Stadion sang (ohne Textkenntnis, aber mit Begeisterung).

"Das war heute eine Demonstration dessen, was wir können, wenn wir mutig sind", meinte Trainer Glover nach dem Abpfiff, während er mit einem breiten Lächeln den Reportern Rede und Antwort stand. "Natürlich, wir hatten 25 Schüsse, aber das Wichtigste war die Energie. Die Jungs wollten einfach Spaß haben - und das hat man gesehen."

Mouscron-Coach wirkte da schon deutlich weniger heiter. "Wir hatten den Ball, ja, aber was hilft’s, wenn man ihn nur streichelt?", knurrte er in die Mikrofone. "Manchmal ist Fußball eben simpel: Der Gegner hat geschossen, wir haben zugeschaut."

Vise spielte offensiv, aber kontrolliert. Kein wildes Pressing, kein überdrehtes Gerenne - einfach zielstrebig, mit einer Effizienz, die einem Tabellenführer würdig ist. 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, klare Ideen im Passspiel, und vorne eine jugendliche Unbekümmertheit, die ansteckend wirkte.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans lange, als hätten sie gerade einem Theaterstück mit Happy End beigewohnt. Die Gesichter der Spieler sagten alles: Erleichterung, Stolz, und ein bisschen Verwunderung darüber, wie leicht Fußball manchmal aussehen kann.

"Ich hab heute einfach Spaß gehabt", sagte Patrick Walter, der mit einem Tor und einer Vorlage seinen Teil beitrug. "Wenn Thomas (Lindemann) so drauf ist, musst du nur noch mitlaufen."

Und Trainer Glover? Der hob zum Schluss noch einmal an: "Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Aber wenn die Jungs weiter so spielen, muss ich bald Eintritt zahlen, um zuzuschauen."

Ein Spiel, das zeigte, dass Zahlen manchmal lügen: Mouscron mehr Ballbesitz, Vise mehr Tore - und am Ende ein 4:1, das so eindeutig war wie das Lächeln der Fans auf der Heimfahrt.

04.01.643991 21:13
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Fußball spielt sich zwischen den Ohren ab. Da war teilweise Brachland, das neu bepflanzt werden musste.
Rainer Bonhof
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