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Ein lauer Abend in Hütteldorf, Flutlicht, 45.298 Zuschauer - und am Ende ein 2:2, das sich für Rapid Wien anfühlt wie eine Niederlage und für den SV Hallwang wie ein kleiner Pokalsieg. Die Zahlen sagen alles: 13 Torschüsse zu 3, 57 Prozent Ballbesitz, ein Platzverweis gegen die Hausherren - und trotzdem kein Sieg. "Wenn man so ein Spiel nicht gewinnt, darf man sich über Pfiffe am Ende nicht wundern", knurrte Rapid-Trainer Robert Lechner nach dem Schlusspfiff. Dabei hatte alles so begonnen, wie man es von Rapid erwartet: stürmisch, forsch, leicht übermotiviert. Schon in der dritten Minute prüfte Hanns Lehmann den Hallwanger Keeper Yaniv Greenberg mit einem satten Schuss, der mehr ein Warnschuss als eine echte Gefahr war. Kurz darauf zirkelte Erik Seidel den Ball über die Latte - und Rapid spielte sich fest im gegnerischen Strafraum. Hallwang verteidigte mit allem, was Beine hatte, und manchmal auch mit den Armen - was Schiedsrichter Berger in der 42. Minute zu einer Gelben Karte für Davide Delfino veranlasste. Dann kam die Szene, die das Spiel kippte. In der 50. Minute ging Lehmann, vielleicht noch beflügelt von seinem frühen Torschuss, in einen Zweikampf, der eher an Ringen als an Fußball erinnerte. Rot. Direkt. Ohne Diskussion. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte Lehmann später mit hochrotem Kopf. Trainer Lechner kommentierte trocken: "Er hat ihn ja auch getroffen - nur leider nicht den richtigen." Trotz Unterzahl blieb Rapid das aktivere Team. In der 62. Minute der verdiente Lohn: Dennis Hagen zog nach schöner Vorarbeit von Ernesto Aznar ab - 1:0. Das Stadion bebte, die Rapid-Viertelstunde schien diesmal 30 Minuten lang zu dauern. Aber Hallwang hatte andere Pläne. Trainer Mario Kasztner brachte in der 75. Minute frische Beine - Jan Berre und Cesc Zapatero kamen ins Spiel - und plötzlich kippte die Partie. Nur zwei Minuten später donnerte Adriano Rodrigo aus der zweiten Reihe den Ball ins Netz, nachdem Berre zuvor klug ablegte. 1:1. "Da dachte ich kurz, ich träume", sagte Rodrigo grinsend. Zwei Minuten später dann der nächste Schock für Rapid: Lubomir Zabavnik stach im Strafraum zu, Ewan Carsley hatte ihn herrlich bedient. 1:2 - ausgerechnet in Unterzahl. Die Rapid-Fans rieben sich ungläubig die Augen. Doch Rapid wäre nicht Rapid, wenn sie nicht noch einmal zurückkämen. Und tatsächlich: In der 82. Minute köpfte Ernesto Aznar nach einer Flanke von Innenverteidiger Mert Karan das 2:2. Ein Tor der Willenskraft, ein Tor des Stolzes. "Ich hab einfach gehofft, dass jemand in der Mitte steht - und Ernesto stand da", lachte Karan später. Die letzten Minuten waren ein offener Schlagabtausch - Rapid mit Wut im Bauch, Hallwang mit dem Mut der Verzweiflung. Seidel hatte in der 85. Minute noch die große Chance auf den Sieg, scheiterte aber an Greenberg, der sich mit einer Glanzparade unsterblich machte. "Ich hab einfach gehofft, dass er mich anschießt - und er hat’s getan", scherzte der Torhüter nach dem Spiel. So blieb es beim 2:2, einem Ergebnis, das keiner der beiden Trainer so richtig einordnen konnte. "Wir haben Moral gezeigt", meinte Lechner, "aber wir müssen auch mal clever sein." Kasztner grinste nur: "Wir waren heute clever genug." Statistisch gesehen war Rapid klar überlegen: 57 Prozent Ballbesitz, fast fünfmal so viele Torschüsse - aber Fußball wird bekanntlich nicht auf Excel gewonnen. Hallwang nutzte seine drei Gelegenheiten gnadenlos, Rapid dagegen spielte schön, aber oft zu verspielt. Als die Spieler schließlich Richtung Kabine gingen, rief ein Fan von der Tribüne: "Rapid, ihr seid zu nett!" - vielleicht war das die treffendste Analyse des Abends. Ein 2:2, das beiden Teams etwas bringt: Rapid behält immerhin einen Punkt und ein paar Nerven, Hallwang den Glauben, dass auch Außenseiter manchmal Heldennächte erleben dürfen. Und irgendwo in der Mixed Zone murmelte ein Rapid-Spieler beim Rausgehen: "Vielleicht sollten wir nächste Woche einfach mal mit zehn anfangen - scheint ja zu funktionieren." So ist Fußball in Wien: ein bisschen Drama, ein bisschen Komödie - und am Ende bleibt, wie so oft, die Pointe beim Gegner. 03.09.643993 03:20 |
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Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
Rudi Völler