// Startseite
| Sportwoche |
| +++ Sportzeitung für Österreich +++ |
|
|
|
Es war ein kalter Abend in Hütteldorf, aber Rapid Wien hatte beschlossen, das Flutlicht gleich auch als Wärmelampe zu benutzen. 40.797 Zuschauer sahen, wie die Hausherren beim 3:1 gegen Tirol Innsbruck nicht nur drei Punkte holten, sondern einen kleinen Fußballlehrgang für alle, die noch glaubten, Ballbesitz sei bloß eine Statistik. Von Beginn an war klar: Rapid wollte das Heft in der Hand behalten - und tat es mit 54,9 Prozent Ballbesitz und einem Feuerwerk von 18 Torschüssen. Tirol hingegen kam auf magere sieben Versuche, was allerdings mehr über Rapids Defensive aussagt als über Tirols Kreativität. Trainer Robert Lechner hatte seine Elf offensiv eingestellt, und schon nach sieben Minuten zahlte sich das aus. Walther Reuter, der 20-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, tanzte seinen Gegenspieler schwindlig und legte quer auf Andres Ortega. Der ließ sich nicht zweimal bitten, zog trocken ab - 1:0. Der Jubel im Stadion? Eine Mischung aus Erleichterung, Begeisterung und einem Hauch von "Das wird heute was". Ortega grinste später: "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn du in Wien triffst, brauchst du keine Heizung mehr." Tirols Trainerin Tamara Müller, die mit einer klar defensiven Konterstrategie angetreten war, schüttelte da schon früh den Kopf. "Wir wollten kompakt stehen. Aber wenn du gegen Rapid stehst, stehst du halt meistens nur", sagte sie später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Ironie und Resignation pendelte. Die Tiroler waren zwar bemüht, aber nach vorne ging wenig. Florian Krause mühte sich im Sturmzentrum redlich, bekam aber kaum verwertbare Bälle. Immerhin sorgte er in der 60. Minute kurz für einen Hoffnungsschimmer: Nach einem feinen Pass von Nelio Antunes spitzelte er den Ball am überraschten Rapid-Keeper Nestor Gonzalo vorbei - 1:1. Plötzlich war kurz Ruhe im Stadion. Doch nur kurz. Rapid reagierte, wie man eben reagiert, wenn man merkt, dass der Gegner aufmuckt: mit mehr Tempo und einem Schuss jugendlicher Frechheit. In der 73. Minute war es der erst 21-jährige Dirk Fuhrmann, der den Ball nach einer Bortolin-Flanke mit dem Spann ins Netz wuchtete. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er reingeht", sagte er später lachend. "Ich hab nur gemerkt, dass mich Sascha Lang fast erdrückt hat." Tirol versuchte noch einmal, ins Spiel zu finden, doch dann kam die endgültige Entscheidung. In der 84. Minute revanchierte sich Ortega bei Reuter für die Vorlage aus Halbzeit eins. Mit einem butterweichen Pass schickte er den jungen Flügelflitzer steil, der eiskalt blieb und zum 3:1 einschob. Die Südtribüne bebte, die Innsbrucker Abwehr nicht mehr. "Ich hab einfach Spaß am Spiel", sagte Reuter nach Abpfiff und grinste, als hätte er gerade auf dem Pausenhof gewonnen. Trainer Lechner klopfte ihm auf die Schulter: "Wenn er so weitermacht, muss ich ihm bald das Mikro verbieten - so viele Interviews wie der jetzt gibt." Tirols Pechvogel des Abends war Oscar MacArthur. Der Mittelfeldmann musste in der 49. Minute verletzt raus, gleich danach kam Rhys Locklear - ohne große Wirkung. Zu allem Überfluss kassierte das Team noch zwei Gelbe Karten (Marco in der 34., Krause in der 50. Minute), während Rapid mit Schmitz und Bortolin ebenfalls verwarnt wurde. Statistisch stand Rapid am Ende klar über den Dingen: mehr Ballbesitz, mehr Biss, mehr Tore. Innsbruck wirkte phasenweise so, als hätte man sich für ein Schachspiel angemeldet und wäre dann auf einem Boxring gelandet. Trainerin Müller nahm’s sportlich: "Wir wussten, dass Rapid heute heiß ist. Leider sind wir ein bisschen zu spät aufgetaut." Im Rapid-Dress dagegen nur zufriedene Gesichter. Torhüter Gonzalo, der kaum geprüft wurde, posierte nach dem Spiel mit Fans für Selfies. "Ich hab mehr Autogramme geschrieben als Bälle gehalten", witzelte er. So bleibt Rapid mit diesem 3:1-Sieg im Januar auf Kurs und Tirol mit der Erkenntnis, dass man auch mit einer defensiven Grundordnung ordentlich unter die Räder kommen kann. Und irgendwo in der Wiener Nacht wird Tamara Müller wohl gedacht haben: Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn man beim nächsten Mal ein bisschen offensiver denkt - oder wenigstens wärmere Handschuhe mitbringt. 17.06.643987 02:17 |
Sprücheklopfer
Da müssten wir uns aber lange unterhalten jetzt.
Oliver Kahn auf die Frage nach den Defiziten der deutschen Nationalmannschaft