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Es gibt Abende, da scheint der Fußball die Physik außer Kraft zu setzen. 68.252 Zuschauer im Stadion von Ramat Gan rieben sich am Freitagabend die Augen, als die Reds nach einer wilden ersten Halbzeit die Herzliya Yellows mit 5:2 (2:2) vom Platz schossen. Und mittendrin: ein junger Mann namens Jigael Scharanski, der sich mit drei Treffern und einem Assist endgültig in die Herzen der Heimfans dribbelte - und wohl auch in die Albträume von Gästetorhüter Joao Antunez. Schon in der 16. Minute begann das Spektakel: Massimiliano Di Paolo, der den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers traf, versenkte nach Vorarbeit von Scharanski trocken ins rechte Eck. Trainer John Porno, sonst eher stoisch am Spielfeldrand, klatschte begeistert: "Das war wie aus dem Lehrbuch - und ich hab das Lehrbuch geschrieben", grinste er später. Doch wer glaubte, Herzliya würde sich in die Defensive retten, irrte. Nur sechs Minuten später konterte Tiago Antonio mit einem satten Schuss aus 20 Metern, nachdem Kamil Nawalka elegant durch die Mitte gepasst hatte. 1:1 - und plötzlich war Feuer drin. Die 22. Minute war noch nicht verklungen, da flogen die Plastikbecher schon durch die Luft, als Jason Probst die Reds wieder in Führung brachte (31.), ehe Carl Mendes nach einer Kombination mit Antonio (36.) erneut ausglich. 2:2 zur Halbzeit - und der Reporter notierte in sein Heft: "Abwehrarbeit? Heute fakultativ." In der Kabine muss John Porno dann wohl eine Motivationsrede gehalten haben, die man nur mit Untertiteln für Hochspannung ausstrahlen dürfte. Denn nach Wiederanpfiff gab es kein Halten mehr. Scharanski traf in der 51., 58. und 66. Minute - drei Tore, drei unterschiedliche Arten von Genie. Erst ein Konter mit Probst, dann ein Schlenzer nach Ariav-Flanke, schließlich ein Kopfball nach einem butterweichen Pass von Tim Kolb. "Ich dachte, der Ball sei zu hoch", sagte Scharanski später lachend. "Dann hab ich einfach höher gedacht." Die Yellows, deren Trainer Kula Shaker schon nach dem zweiten Treffer nervös an der Wasserflasche nuckelte, versuchten zwar, mit der Einwechslung von Miroslav Pacanda (66.) und später dem jungen Keeper Rafael Tal (89.) noch Akzente zu setzen, aber der Drops war da längst gelutscht. "Wir hatten eigentlich mehr Ballbesitz", knurrte Shaker in der Pressekonferenz, "aber die Reds hatten leider mehr Tore. Ein taktisches Missverständnis meinerseits, offenbar." Tatsächlich zeigten die Statistiken, dass die Gäste mit 51 Prozent Ballbesitz und elf Torschüssen keineswegs untergingen. Aber was Ramat Gan an diesem Abend machte, war schlicht effizient. 14 Schüsse aufs Tor, fünf Treffer - eine Quote, die in der 1. Liga Israels sonst nur auf der PlayStation vorkommt. In der 91. Minute gab’s noch Gelb für Awigdor Ariav, kurz darauf humpelte der 17-jährige Gal Aloni nach einem harten Zweikampf vom Platz. "Er wollte noch weiterspielen", erzählte Coach Porno, "aber ich hab ihm gesagt, er soll sich das Knie lieber für die Champions League aufheben." Ein Satz, der im Presseraum für Gelächter sorgte - und für ein paar hochgezogene Augenbrauen beim Ligapräsidenten, der zufällig anwesend war. Während die Reds jubelten, applaudierten die Fans minutenlang Scharanski, der mit einem breiten Grinsen und dem Spielball unter dem Arm seine Ehrenrunde drehte. "Ich hab ihn mir verdient", sagte er - und niemand widersprach. Selbst Herzliyas Abwehrchef Nawalka nickte resigniert: "Wenn einer heute drei macht, dann war das kein Zufall. Der Typ war überall." Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das mehr an Straßenfußball als an Taktikseminar erinnerte. Die Reds, offensiv eingestellt, aggressiv und mutig, pressten in der Schlussphase sogar noch nach, als das Ergebnis längst entschieden war. Die Yellows hingegen wirkten wie ein Team, das seine Defensive auf Urlaub geschickt hatte - und der Rückflug kam erst nach Abpfiff. "Wir wollten über Konter kommen", erklärte Shaker, "aber irgendwann konterst du halt ins Leere." Seine Spieler verließen das Feld mit hängenden Köpfen, während John Porno zur Kurve zeigte und schrie: "So spielt man Fußball! Nicht schön, aber göttlich!" Ein Abend, an dem Ramat Gan die Tabellenmitte verlässt und die Liga aufhorchen lässt. Und wer weiß - vielleicht sitzt irgendwo ein Talentscout und denkt sich: "Scharanski - den Namen sollte ich mir merken." Fußball kann grausam sein, aber manchmal ist er einfach nur Kunst mit Stollen. 18.07.643993 20:08 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts