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Ein lauer Februarabend in Ramat Gan, 69.218 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln und dieses vibrierende Gefühl, dass sich in der Luft etwas Großes anbahnt. Am Ende aber war es aus Sicht der Ramat Gan Reds ein bitterer Abend: 1:2 (1:0) hieß es nach 90 aufreibenden Minuten gegen Hapoel Ramat PKI, das Derby der 1. Liga Israel ging an die Gäste - trotz eines starken Beginns der Hausherren. Dabei sah in der ersten Halbzeit alles nach einem Festtag für die Reds aus. Trainer John Porno hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, aggressiv im Zweikampf, mutig in den Abschlüssen. Schon in den ersten 20 Minuten prüften Lecjaks, Scharanski und Probst mehrfach den jungen Gästekeeper Santiago Pero - vergeblich. "Ich dachte irgendwann, der Typ ist aus Gummi", schnaufte Lecjaks nach dem Spiel. In der 39. Minute brandete dann endlich Jubel auf: Awigdor Ariav, der flinke Linksfuß, traf nach feiner Vorarbeit von Tim Kolb zum 1:0. Der Ball zappelte im Netz, das Stadion bebte, und Coach Porno brüllte sich an der Seitenlinie fast heiser. "Endlich belohnen wir uns!", rief er Richtung Ersatzbank, während Ariav in die Kurve sprang. Hapoel Ramat PKI, bis dahin eher im Verwaltungsmodus, kam nach der Pause wie ausgewechselt aus der Kabine. Trainer Marco Maciadi hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon Derby spielt, dann benehmt euch auch so", grinste der Coach später. In der 63. Minute fiel der Ausgleich, und der war durchaus sehenswert: Alfonso Djalo setzte sich auf der rechten Seite durch, legte quer, und Jose Enrique Antunes schob überlegt zum 1:1 ein. Der Jubelblock der Gäste hinter dem Tor explodierte förmlich - Bengalos, Trommeln, pure Ekstase. Nur zwölf Minuten später war die Partie komplett gedreht. Diesmal war Antunes der Passgeber, Eyal Mordechai der Taktgeber im Mittelfeld, und wieder Djalo der Vollstrecker. 75. Minute, 1:2 - und plötzlich herrschte im Stadion eine Lautstärke, die irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und Fluchsturm lag. Die Reds versuchten noch einmal alles, doch das Spiel kippte endgültig mit der Gelb-Roten für Ghalib Cohen in der 88. Minute - pardon, es war glatt Rot, nach einem rustikalen Einsteigen gegen Di Paolo. Selbst in Unterzahl verteidigte Hapoel aber leidenschaftlich. "Ich glaube, wir hätten auch mit neun Mann noch gebissen", sagte Antunes lachend, während ihm ein Reporter das Schweißband reichte. Statistisch gesehen war die Partie fast ausgeglichen: 10:9 Torschüsse für Ramat Gan, 54,6 Prozent Ballbesitz für die Heimelf, aber eben zwei Tore für die Gäste. Und das ist bekanntlich die Statistik, die am Ende zählt. Trainer Porno wirkte nach Abpfiff erstaunlich gefasst. "Wir haben stark begonnen, dann den Rhythmus verloren. Vielleicht waren wir zu sicher. Aber hey - wenn man so spielt, kommt der Erfolg zurück." Neben ihm schüttelte Ariav den Kopf: "Ich wünschte, ich hätte in der zweiten Halbzeit noch einen Schuss gehabt. Aber irgendwie war der Ball plötzlich immer bei denen." Auf der anderen Seite konnte Maciadi kaum aufhören zu grinsen. "Das war Charakterfußball. Wir sind ruhig geblieben, auch als es laut wurde. Und Alfonso? Der Junge hat das Herz eines Löwen." Djalo selbst zuckte bescheiden mit den Schultern: "Ich schieße lieber Tore als Selfies." In der Mixed Zone diskutierten die Fans, ob der späte Wechsel von Scharanski für den 17-jährigen Deniz Undav in der 90. Minute vielleicht zu spät kam. "Lass den Jungen früher rein, der rennt wie ein Gepard!", rief ein älterer Herr im roten Schal, während sein Enkel begeistert nickte. Als die Lichter im Stadion langsam ausgingen, blieb die Erkenntnis: Ramat Gan hatte eigentlich alles richtig gemacht - bis Hapoel anfing, alles besser zu machen. Es war kein Glückssieg, sondern das Resultat von Nervenstärke, präzisem Passspiel und einem Trainer, der offenbar weiß, wann er den richtigen Knopf drücken muss. Und so ging das Derby an Hapoel Ramat PKI. Während die Gäste jubelnd in Richtung Fanblock winkten, stapfte John Porno mit einem ironischen Lächeln vom Platz. "Schönes Spiel", murmelte er, "wenn man es nicht verliert." Ein Abend voller Leidenschaft, Emotionen und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal wie das Leben ist - du kannst führen, dominieren und trotzdem verlieren. Aber wer weiß, vielleicht schießt Ariav im Rückspiel wieder ein frühes Tor. Und dann? Dann könnte die Geschichte anders ausgehen. 22.09.643990 18:38 |
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