Haaretz Sports
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Ramat Gan Reds drehen das Spiel - späte Wende in Tirat Carmel

Ein lauer Abend in Tirat Carmel, Flutlicht, 54.147 Zuschauer - und am Ende wieder diese Reds, die einfach nie aufgeben. Der 1:2-Auswärtssieg der Ramat Gan Reds beim Tirat Carmel FC am 17. Spieltag der 1. Liga Israel war kein fußballerisches Feuerwerk, aber eines dieser Spiele, die Trainer graue Haare und Reporter glänzende Augen bescheren.

Dabei hatte alles so gut begonnen für die Gastgeber. In der 29. Minute, als die Fans gerade das zweite Bier ansetzten, kombinierte sich Tirat Carmel sehenswert durch die Mitte. Ansgar Henriksson spielte einen dieser feinen Steckpässe, die nur er sieht, und Isidoro Oliveira blieb eiskalt - 1:0. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", grinste Oliveira später, "mehr war das nicht. Aber man muss ja auch mal was fürs Torverhältnis tun."

Trainerin Babsi Klemm sah da noch recht zufrieden aus. "Wir wollten offensiv bleiben, aber nicht zu wild werden", erklärte sie in der Pressekonferenz - was in der zweiten Halbzeit dann allerdings gründlich schiefging.

Denn Ramat Gan kam mit Wucht aus der Kabine. Coach John Porno (ja, der Name sorgt auch in Israel noch für hochgezogene Augenbrauen) hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon so viele Chancen habt, dürft ihr auch mal treffen", lachte er später. 17 Torschüsse seiner Mannschaft sprechen eine deutliche Sprache.

In der 63. Minute war es dann soweit: Massimiliano Di Paolo fasste sich ein Herz, zog aus gut 20 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Di Paolo zu, "aber der Ball hatte andere Pläne." 1:1, und das Stadion verstummte kurz, ehe die 500 mitgereisten Reds-Fans sich Gehör verschafften.

Tirat Carmel wirkte geschockt. Zwar versuchte Rasmus Clausen mit viel Laufarbeit, das Mittelfeld wieder zu ordnen, doch die Gäste hatten das Momentum. Awigdor Ariav, der schon das erste Tor vorbereitet hatte, schlug in der 75. Minute wieder eine perfekte Flanke. Diesmal stand Jigael Scharanski goldrichtig und nickte zum 1:2 ein. Eiskalt wie ein Nordsee-Windstoß.

"Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gerochen", witzelte Scharanski danach. "Aber wenn er kommt, dann kommt er."

Danach versuchte Tirat Carmel alles. Trainerin Klemm brachte frische Offensivkräfte - Joel Cantwell und Claude Gaudin kamen für neue Impulse, doch Ramat Gans Keeper Otto Uggla parierte, was es zu parieren gab. Besonders in der 83. Minute, als Robert Catalano nach einer Ecke per Kopf zum Ausgleich hätte treffen können, riss Uggla die Hände hoch und hielt den Ball spektakulär.

"Der Otto hat Hände wie aus Gummi", schwärmte Reds-Coach Porno, "der bringt uns Punkte, keine Diskussion."

Die Statistik sprach am Ende klar für die Gäste: 52,8 Prozent Ballbesitz, 17 Schüsse auf das Tor - Tirat Carmel kam auf 8. Und doch war es kein einseitiges Spiel. Es war ein Duell zweier Mannschaften, die sich nichts schenkten, beide offensiv ausgerichtet, beide mit starkem Willen.

Selbst als der Schiedsrichter fünf Minuten Nachspielzeit anzeigte, flogen die Bälle noch quer durch den Strafraum der Reds. Oliveira, der Torschütze, raufte sich nach einem vergebenen Kopfball die Haare. "Ich dachte wirklich, der geht rein", sagte er. "Aber Otto hatte wohl andere Pläne."

Nach dem Abpfiff rannte Ariav jubelnd zu den Fans, während Trainerin Klemm stoisch auf die Anzeigetafel blickte. "Fußball ist manchmal einfach ungerecht", murmelte sie - was neben ihr ein Fan mit einem resignierten "Immer!" quittierte.

So steht Tirat Carmel nach dieser bitteren Heimniederlage weiter im Mittelfeld, während die Reds oben anklopfen. Sie wirkten reifer, gieriger, und vor allem entschlossener.

"Wir glauben einfach immer dran", meinte Di Paolo zum Schluss, "egal, ob’s schön aussieht oder nicht." Ein Satz, der nach diesem Abend wohl als Motto durch Ramat Gan hallen wird.

Und irgendwo in Tirat Carmel, zwischen leeren Bechern und enttäuschten Gesichtern, seufzte ein Fan: "Wenn wir doch nur einen Otto im Tor hätten."

Ein bisschen Ironie, ein bisschen Tragik - und ein verdienter Sieger. Fußball eben.

12.12.643990 03:07
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Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
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