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Manchmal entscheidet sich ein Fußballspiel, bevor der Schiedsrichter überhaupt richtig seine Pfeife eingespielt hat. Am 32. Spieltag der 1. Liga Brasilien war genau das der Fall: UD Santos besiegte AD Santo Andre mit 2:1 (2:0) - und nach sechs Minuten war die Messe eigentlich schon gelesen. 34.577 Zuschauer im Estádio Municipal rieben sich verwundert die Augen, als Rafael Silva gleich doppelt zuschlug. Fünfte Minute, erste echte Aktion: Antonio Bischoff legt den Ball clever quer, Silva zieht ab - Tor. Sechste Minute, kaum hatte sich der Stadionsprecher vom ersten Jubel erholt, kommt ein Pass von Youngster Fabio Bosingwa, und Silva trifft erneut. Zwei Schüsse, zwei Treffer, zwei Mal Ekstase in den Rängen. "Ich dachte, das wird heute ein langer Abend", grinste Santos-Trainerin Brasilia Santos später, "aber Rafael hatte andere Pläne." Danach nahm das Spiel einen eigenartigen Verlauf. AD Santo Andre, eigentlich offensiv eingestellt, wirkte wie vom Blitz getroffen. Ihr Trainer Alexander Pachmann brüllte früh von der Seitenlinie: "Wach werden, Männer!", doch seine Worte verhallten in der warmen Abendluft. UD Santos, taktisch ausgewogen und mit erstaunlich viel Ruhe im Aufbau, ließ den Ball laufen - trotz nur 48 Prozent Ballbesitz. Ihre Pässe fanden häufiger das Ziel, und die 10:4 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Ab der 20. Minute begann Santo Andre, langsam wieder am Spiel teilzunehmen. Caio Custodio prüfte den Santos-Keeper Arkadiusz Dziekanowski mit einem Schuss aus 20 Metern (22.), Paulo Garcia verfehlte kurz nach der Pause das Tor nur knapp (48.). Doch so recht wollte nichts gelingen - bis zur 61. Minute. Da traf Leandro de Almeida nach einem feinen Solo über links zum 2:1-Anschluss. Plötzlich war wieder Spannung im Spiel, zumindest für ein paar Minuten. "Das war der Moment, in dem wir kurz gezittert haben", gab Santos-Kapitän Ernst Jacob zu, der später selbst Gelb sah. "Aber ehrlich: Wir wussten, dass wir das über die Zeit bringen." Und das taten sie auch. Santo Andre rannte an, aber ohne Plan und ohne Durchschlagskraft. Pachmanns Team blieb offensiv, laut Statistik bis zum Schlusspfiff, doch die Ideen gingen aus. Stattdessen häuften sich die kleinen Nickeligkeiten: Gelb für Amit Tamuz (75.), Gelb für Jacob (76.), und die Emotionen kochten. Kurios wurde es in der 72. Minute, als Julian Derlei nach einem Zusammenprall verletzt liegen blieb. Während die Betreuer eilig herbeieilten, rief Santos-Coach Brasilia Santos halb im Scherz Richtung Bank: "Wer hat eigentlich das Glückskraut gegossen?" - und tatsächlich, Derlei stand wenig später wieder. Die Schlussphase bot dann mehr Theatralik als Torchancen. Antonio Bischoff versuchte es in der 88. Minute noch einmal mit einem satten Schuss, doch Santo Andres Keeper Caio Santos parierte glänzend. Trainer Pachmann warf die Arme hoch, als wolle er sagen: "Seht ihr, geht doch!" - aber das Aufbäumen kam zu spät. "Wir haben das Spiel in den ersten sechs Minuten verloren", gab Pachmann nach dem Abpfiff zu. "Danach war es wie Schach gegen jemanden, der schon zwei Damen mehr auf dem Brett hat." Sein Gegenüber Brasilia Santos konterte charmant: "Ich habe meine Jungs davor gewarnt, zu früh feiern zu wollen. Aber wenn man nach sechs Minuten 2:0 führt, darf man schon mal innerlich tanzen." Statistisch gesehen war Santo Andre sogar leicht überlegen im Ballbesitz (51,6 Prozent). Doch UD Santos verteidigte clever, gewann 53,7 Prozent der Zweikämpfe und ließ kaum klare Chancen zu. Die Einwechslungen zur Halbzeit - Maniche, Frechaut und Devereux - brachten Stabilität, auch wenn es auf der Tribüne leichte Verwirrung gab. "Ich konnte nicht mehr zählen, wer jetzt Linksverteidiger ist", lachte ein Zuschauer. So blieb es beim 2:1 - ein Ergebnis, das knapper klingt, als das Spiel war. UD Santos festigt damit seine Position im oberen Tabellendrittel, während AD Santo Andre die Rückfahrt mit hängenden Köpfen antrat. Oder, wie es Doppeltorschütze Rafael Silva mit einem Augenzwinkern sagte: "Manchmal braucht man nur sechs Minuten, um den Abend perfekt zu machen." Und wer weiß - vielleicht hätte der Linienrichter auch gleich nach dem zweiten Tor abpfeifen können. Aber das hätte dem Publikum 84 Minuten purer brasilianischer Fußball-Unterhaltung genommen. 14.09.643993 16:37 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: