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Ein eiskalter Februarabend, Flutlicht über Radom, 43.500 Zuschauer, die sich mit dicken Schals und heißen Getränken bewaffnet hatten - und sie wurden belohnt. RKS Radomiak besiegte den SK Pruszkow mit 3:2 (1:2) nach einem Spiel, das alles hatte: frühe Tore, eine Verletzung, Gelbe Karten, und ein Tiago Martins, der sich an diesem Abend unsterblich machte. "Ich hab ihm gesagt, Tiago, heute machst du zwei!", grinste Radomiak-Trainer Lukas Breer nach Abpfiff. "Er hat wohl gedacht, ich meine das ernst." Martins nickte verschmitzt, noch immer mit Rasenkrümeln im Haar: "Wenn der Trainer’s sagt, dann muss man halt liefern." Dabei begann das Spiel zunächst nach Plan für die Gäste aus Pruszkow, die ihre spielerische Überlegenheit früh andeuteten. Schon in der zweiten Minute prüfte Amadeus Kowalik den Radomiak-Keeper Henry Staunton - noch ohne Erfolg, aber das sollte sich ändern. Zunächst traf jedoch ein Mann, den man nicht unbedingt auf dem Zettel hatte: Innenverteidiger Sigurd Vidarsson. In der 9. Minute stieg der Isländer nach einer butterweichen Flanke von Bartilomiej Wojcicki am höchsten und köpfte zur Führung ein. Der Jubel hallte durchs Stadion, aber Radomiak jubelte zu früh. Denn dann übernahm Kowalik die Bühne. Der bullige Rechtsaußen von SK Pruszkow traf in der 28. und 36. Minute - beide Male nach Traumpässen von Jerzy Zurawski, der an diesem Abend die Fäden im Mittelfeld zog. "Wir dachten, wir hätten ihn unter Kontrolle", stöhnte Radomiak-Verteidiger Samuel Douglas später, "aber er war überall. Wie ein Schatten, nur schneller." Zur Pause führte Pruszkow also verdient. 50 Prozent Ballbesitz standen praktisch 50 Prozent Gegenwehr gegenüber, allerdings mit klarem Chancenplus für die Gäste: 17 Schüsse auf das Tor, gegen magere sieben der Hausherren. Doch Fußball ist eben kein Statistikspiel, sondern ein Launenwesen. Und Tiago Martins hatte an diesem Abend einfach bessere Laune. Kurz nach Wiederanpfiff, 50. Minute: Severin Piechniczek legt den Ball im Strafraum uneigennützig quer, Martins zieht ab - 2:2. Nur eine Minute später wiederholt sich das Schauspiel, diesmal nach Zuspiel von Ricardo Vidigal. Zwei Tore in 60 Sekunden, und das Stadion verwandelte sich in eine grün-weiße Ekstase. Gästecoach Stefan Petruck sah aus, als hätte jemand seine Taktiktafel in den Schnee geworfen. "Wir waren für fünf Minuten nicht da", knurrte er später. "Und gegen solche Gegner, da bestraft dich das sofort." Es half auch nichts, dass Pruszkow danach alles nach vorn warf. Kowalik schoss in der 55., 66. und 80. Minute noch dreimal aufs Tor, aber Staunton hielt, was zu halten war. Als ob er persönlich beleidigt gewesen wäre, dass man ihm zwei Dinger eingeschenkt hatte. Zwischendurch wurde’s ruppig: Der eingewechselte Charles Fraser sah in der 65. Minute Gelb, Kamil Niedzielan folgte zehn Minuten später. Fraser hatte zuvor den unglücklichen Adam Malfoy ersetzt, der nach 33 Minuten verletzt raus musste. "Ein Muskelfaserriss, nichts Dramatisches", sagte Petruck. "Aber er hat gleich gemerkt, dass’s zieht - leider nicht am Gegenspieler." Radomiak hingegen spielte die Führung mit erstaunlicher Ruhe herunter. Kein Pressing, kein übertriebenes Risiko - einfach solides Ballhalten, ein bisschen Theatralik hier, ein bisschen Zeitspiel da. "Wir haben gelernt, erwachsen zu spielen", sagte Trainer Breer mit einem Augenzwinkern. "Und manchmal heißt erwachsen, den Ball in die Ecke zu stellen und so zu tun, als sei er aus Gold." Als Schiedsrichter Nowicki schließlich abpfiff, lagen sich Spieler und Fans in den Armen. 3:2, ein Sieg aus der Kategorie "nicht schön, aber effektiv". Die Statistik sprach zwar für Pruszkow, aber das Ergebnis sprach Radomiak-isch. Der Held des Abends, Tiago Martins, verabschiedete sich mit einem breiten Grinsen von den Journalisten: "Zwei Tore sind gut, drei wären besser. Aber ich will ja nicht unhöflich sein." Vielleicht der Satz des Abends. Denn höflich war Radomiak wirklich nicht - zumindest nicht zum Gegner. Und so bleibt die Erkenntnis: Wer 17 Mal aufs Tor schießt, aber verliert, sollte vielleicht mal über Zielwasser nachdenken. Radomiak hingegen darf träumen - nicht vom Ballbesitz, sondern vom Aufstieg. Ein sarkastisches Schlusswort gefällig? Gut, bitte: Fußball ist eben wie das Leben - manchmal gewinnt nicht der Fleißige, sondern der Glückliche mit dem besseren Timing und einem Tiago Martins in Galaform. 31.03.643990 17:49 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme