Marca
+++ Sportzeitung für Spanien +++

Racing Santander zerlegt Lanzarote CF - ein Inselabend zum Vergessen

Was als lauer Fußballabend unter mildem Atlantikwetter begann, endete für Lanzarote CF in einem Sturm der Ernüchterung. Vor 38.234 Zuschauern im Estadio de Arrecife zerlegte Racing Santander den Gastgeber in seine Einzelteile - Endstand 0:5 (0:4). Und das war noch schmeichelhaft.

Schon nach acht Minuten war klar, dass das kein gemütlicher Heimabend würde. César Godo, Santanders linker Mittelfeldmann mit der Ruhe eines Schachspielers und der Präzision eines Uhrmachers, traf nach einem schnellen Doppelpass mit Pierre Hamlin zum 0:1. Trainer Meister Leverkusen stand da noch lässig an der Seitenlinie, rief "Ruhig bleiben, Jungs!" - doch die Ruhe hielt exakt sechs Minuten.

Denn Hamlin, 34 Jahre alt und offenbar mit einem zweiten Frühling im linken Fuß, erhöhte nach 14 Minuten auf 0:2. Emilio Urrutia hatte ihm den Ball serviert, und Hamlin drosch ihn, als wollte er seinem Schuhvertrag etwas beweisen, unhaltbar ins rechte Eck.

Wer dachte, schlimmer könne es nicht kommen, irrte. Nur eine Minute später war Vicente Bermúdez zur Stelle. Nach feiner Vorarbeit - natürlich wieder von Hamlin - schob der Mittelfeldmotor den Ball flach ins Netz. 0:3 nach einer Viertelstunde. Da hatte so mancher Zuschauer gerade erst das zweite Bier geöffnet.

Santander spielte in dieser Phase wie aus einem Guss: 54 Prozent Ballbesitz, 23 Torschüsse, Passspiel aus einem Guss - und Lanzarote? Kam mit langen Bällen und viel gutem Willen. "Wir wollten eigentlich kontern, aber dafür braucht man ja den Ball", murmelte Lanzarote-Kapitän Ignacio Mendivil später mit einem gequälten Lächeln.

Das 0:4 in der 33. Minute war fast schon Kunst: Bermúdez steckte durch auf David Niguez, der aus spitzem Winkel einschob. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Niguez nach dem Spiel, "und diesmal ging’s halt rein."

Die Halbzeitpause brachte dann gleich drei Wechsel bei Lanzarote - vermutlich, um weiteren Schaden zu begrenzen. Der 17-jährige Ruben Mantecon, zuvor mit Gelb verwarnt, durfte duschen; Trainer Leverkusen brachte frische Kräfte und eine Portion Verzweiflung.

Immerhin: In der zweiten Hälfte hielt Lanzarote besser dagegen. Torwart Xabier Xuarez, der in der ersten Halbzeit eher Statist gewesen war, zeigte mehrere starke Paraden. Der junge César Roy brachte nach seiner Einwechslung etwas Schwung über rechts, hatte sogar zwei halbwegs gefährliche Abschlüsse (52. und 58. Minute). Doch mehr als ein Achtungszeichen war das nicht.

Auf der anderen Seite blieb Santander gierig. Nach etlichen vergebenen Chancen - Urrutia, Niguez und sogar Innenverteidiger Albert Vega versuchten sich - war es wieder Hamlin, der in der 69. Minute das 0:5 markierte. Nach schöner Vorarbeit des 21-jährigen Linksverteidigers Juanito Ruiz schob der Oldie cool ein und grinste, als hätte er gerade den Lottojackpot geknackt.

"Pierre war heute überall - ich glaube, er hat sogar den Pausentee serviert", witzelte Racing-Coach Florian Kappels nach dem Spiel und fügte an: "Aber im Ernst: So eine erste Halbzeit sieht man selten. Wir haben alles umgesetzt, was wir trainiert haben - und einiges, was wir gar nicht trainiert haben."

Lanzarote-Trainer Meister Leverkusen dagegen wirkte wie ein Mann, dem jemand den Urlaub gestrichen hat. "Wir waren heute Zuschauer im eigenen Stadion", gab er zu. "Aber gut, manchmal muss man Lehrgeld zahlen. In unserem Fall waren’s gleich fünf Tore."

Die Zahlen sprachen eine klare Sprache: 23:7 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Santander, dazu eine Ballsicherheit, die Lanzarote nie fand. Selbst die Sonne schien in der zweiten Hälfte nur noch auf die Gäste.

Als Schiedsrichter Galvez das Spiel abpfiff, waren die Zuschauer längst auf dem Weg zu den Strandbars - dort, wo man die Niederlage mit einem Glas Rum und einem Schulterzucken hinnehmen kann.

"Ich hoffe, die Jungs lernen daraus", sagte Leverkusen beim Hinausgehen, "und wenn nicht, dann spielen sie nächste Woche wenigstens später, damit die Sonne schon untergegangen ist."

Ein bitterer Abend für Lanzarote, ein Fest für Santander. Und irgendwo zwischen den Palmen dürfte Pierre Hamlin noch immer grinsen - als ältester Spieler auf dem Platz, aber ganz sicher der lebendigste.

Schlusswort:
Manche Spiele vergisst man nie - die einen wegen der Freude, die anderen, weil man sie so schnell wie möglich vergessen will. Für Lanzarote CF war dieser 24. Spieltag eindeutig Kategorie zwei.

23.10.643987 22:04
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen.
Erich Ribbeck
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager