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Ein lauer Sommerabend in Quilmes, 59.000 Zuschauer im Estadio Centenario, und der lokale FC wählte den klassischen Weg, um die Nerven seiner Fans zu strapazieren: Rückstand aufholen, Chancen liegen lassen, zwei Gelbe in der Nachspielzeit kassieren - und am Ende trotzdem mit stolzgeschwellter Brust den Rasen verlassen. Das 1:1 gegen Estudiantes La Plata war kein fußballerisches Feuerwerk, aber ein Spiel voller kleiner Dramen, die das Herz des argentinischen Fußballs ausmachen. Die ersten Minuten gehörten den Gästen aus La Plata, die mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Leichtfüßigkeit auftraten. Besonders Tove Fischer, der flinke Linksaußen, sorgte mit seinen frühen Abschlüssen (5., 7., 16. Minute) für Unruhe in der Quilmes-Abwehr. "Ich dachte, er hat Magnetsohlen", schnaufte Innenverteidiger Jelle Vischspoel später, "der Ball klebte an ihm, bis er dann doch wieder weg war - glücklicherweise." In der 36. Minute allerdings klebte der Ball nicht mehr, sondern zappelte im Netz. Tove Fischer legte quer, Adrian Gurendez bedankte sich artig und schob zum 0:1 ein. Ein Lehrbuchangriff, der den Heimfans kurzzeitig die Sprache verschlug. Trainer Edgardo Szyszkowski schüttelte an der Seitenlinie den Kopf, warf seine Kappe auf den Boden und murmelte etwas, das wohl nicht druckreif ist. "Wir haben einfach zugesehen. Das war kein Gegentor, das war eine Einladung zum Abendessen", meinte er später mit einem bitteren Grinsen. Kurz darauf musste Szyszkowski reagieren: Tiago Beto raus, der junge Jose Xavier kam - und verletzte sich prompt (39.). "Jose wollte gleich zeigen, dass er bereit ist", sagte der Coach nachdenklich. "Leider war sein Oberschenkel anderer Meinung." Zur Pause war das Publikum unruhig, die Choruse auf den Rängen klangen weniger nach Unterstützung, mehr nach Aufforderung. In der Kabine muss es laut geworden sein, denn Quilmes kam verwandelt zurück aufs Feld. Pressing, Einsatz, plötzlich war Feuer drin. Schon in der 48. Minute donnerte Ricardo Arrieta den Ball aufs Tor, in der 53. dann die Belohnung: Arrieta schob nach Vorlage von Afanasi Trefilow den Ball an Estudiantes-Keeper Agustin Roy vorbei - 1:1, Stadion explodiert. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Arrieta später. "Wenn du zu viel nachdenkst, ist der Ball schon wieder weg. Heute hab ich mal weniger nachgedacht." Danach wogte das Spiel hin und her. Estudiantes blieb gefährlich - Paulo Galindo und Fischer mit weiteren Abschlüssen, doch Torwart Sergio Coelho fischte fast alles weg. Auf der anderen Seite hatte der 19-jährige Juanito de Freitas nach seiner Einwechslung zwei glänzende Möglichkeiten (67., 86.), scheiterte aber knapp. "Ich wollte zu schön treffen", gab er zu, "nächstes Mal hau ich einfach drauf." Taktisch blieb es interessant: Während Roman Pilgrams Estudiantes im Schlussabschnitt auf Kurzpassspiel und aggressives Pressing setzten, blieb Quilmes dem ausgewogenen Stil treu - mit viel Laufarbeit, aber wenig Fortune. Beide Teams verzeichneten nahezu gleich viel Ballbesitz (48,7 % zu 51,2 %), und auch die Zweikampfquote (50:50) las sich wie aus einem Lehrbuch der Gerechtigkeit. Die letzten Minuten gerieten dann zu einer kleinen Gelb-Orgie. Tiago Beto, der schon ausgewechselt war, sah in Minute 90 von der Bank Gelb, Jelle Vischspoel legte in der Nachspielzeit nach - eine Szene, die den Schlusspunkt unter ein intensives, manchmal fahriges, aber nie langweiliges Spiel setzte. "Wir hätten gewinnen können, vielleicht sogar müssen", sagte Pilgram nach Abpfiff, während er mit den Händen gestikulierte, als würde er unsichtbare Bälle verteilen. "Aber so ist Fußball. Heute spielst du Schach, morgen Domino." Szyszkowski konterte trocken: "Ein Punkt ist ein Punkt. Wir haben Moral gezeigt - und wenn meine Jungs jetzt auch noch wissen, wo das Tor steht, wird’s richtig gefährlich." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Applaus, der mehr nach Erleichterung als nach Begeisterung klang. Quilmes bleibt damit weiter im Mittelfeld der 1. Liga Argentinien, Estudiantes festigt seine Rolle als unangenehmer Gast. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan, Zigarette in der Hand, zu seinem Enkel: "Siehst du, Junge, das war kein schönes Spiel - aber ein ehrliches." Vielleicht war das das treffendste Fazit des Abends. 18.06.643987 18:07 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: