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Der Abend in Quilmes war einer jener, an denen das Stadion schon vor dem Anpfiff vibrierte. 59.000 Zuschauer, die Sonne langsam hinter den Tribünen versinkend, eine leichte Brise vom Río de la Plata - und zwei Teams, die offenbar beschlossen hatten, dass Verteidigung etwas für andere ist. Am Ende hieß es 5:2 für den FC Quilmes, und wer dabei war, wird noch eine Weile von diesem Torfestival reden. Schon nach acht Minuten eröffnete Trifon Georgiew den Torreigen. Der 21-jährige Mittelstürmer, dessen jugendlicher Übermut sonst eher an den Trainingsplatz erinnert, schob den Ball nach perfektem Zuspiel von Jozsef Radoki eiskalt ins lange Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Georgiew hinterher, "aber dann war er halt drin - warum auch nicht?" Lange durfte Quilmes nicht feiern. Zehn Minuten später schlug Humberto Veloso für die Gäste zurück, nach einem feinen Pass von Pal Berre. Trainer Stefan Liebe ballte an der Seitenlinie die Faust - endlich mal ein Spielzug, der so aussah, wie er ihn im Training einstudieren ließ. "Und dann", seufzte er nach dem Spiel, "kam die zweite Halbzeit." Denn die begann mit einem Paukenschlag. Radoki, der schon beim ersten Tor den Vorlagengeber gab, nahm in der 47. Minute Maß und traf selbst - ein Strich aus 20 Metern, der das Netz zappeln ließ. Zwei Minuten später antworteten die Newells Men nochmals: Alejandro Sa Pint nutzte eine kleine Unordnung in der Quilmes-Abwehr und stellte auf 2:2. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, dass das der letzte Treffer der Gäste bleiben würde. Was folgte, war eine Lehrstunde in Sachen Effizienz - und ein bisschen Glück. In der 63. Minute stieg Innenverteidiger Jelle Vischspoel nach einer Ecke am höchsten und köpfte zum 3:2 ein. "Ich wollte eigentlich nur den Torwart irritieren", sagte er schmunzelnd, "aber dann war der Ball plötzlich drin. Nehm ich." Kurz darauf wechselte Trainer Edgardo Szyszkowski doppelt: Der 19-jährige Antonee Robinson kam für den erfahrenen Derlei, und Tiago Beto ersetzte Mario Barros im Mittelfeld. Eine Entscheidung mit Folgen - Robinson sorgte mit einem satten Schuss in der 86. Minute für das 4:2. Wieder war es Enzo Piane, der den Assist lieferte, ein Dauerläufer auf der rechten Seite, der gefühlt mehr Kilometer machte als der Linienrichter. Den Schlusspunkt setzte Tiago Beto selbst, der in der Nachspielzeit aus der Distanz das 5:2 markierte - ein Treffer, der zugleich ein Statement war. "Ich wollte nur den Ball klären", behauptete Beto anschließend mit einem Grinsen, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: 20 Torschüsse für Quilmes, 14 für Newells Men. Der Ballbesitz lag leicht zugunsten der Gäste (51,8 Prozent), doch was half’s? Quilmes spielte zielstrebiger, mutiger - und vor allem mit einer offensive Wucht, die in der Liga selten zu sehen ist. Newells Men dagegen verloren in der Schlussphase die Ordnung und die Geduld. Zwei Gelbe Karten (Nael Pero in der 66., Fernando Agirre in der 67.) zeugten vom zunehmenden Frust, eine verletzungsbedingte Auswechslung von Connor Munro in der 80. Minute tat ihr Übriges. Trainer Liebe stand danach minutenlang allein im Mittelkreis, während Szyszkowski auf der Gegenseite mit verschränkten Armen lächelte - und wohl wusste, dass dieser Sieg mehr war als nur drei Punkte. "Wir haben heute gezeigt, was in uns steckt, wenn wir Spaß am Spiel haben", sagte Szyszkowski später auf der Pressekonferenz. "Und ein bisschen Glück gehört im Fußball ja auch dazu - oder, Herr Liebe?" Der Gasttrainer antwortete trocken: "Glück ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift, bevor der sechste fällt." So war es ein Abend, an dem die Zuschauer auf ihre Kosten kamen, die Statistikfreunde Freude an Zahlen fanden und die Neutralen sich fragten, ob man Fußball eigentlich besser unterhalten kann. Und irgendwo auf der Tribüne, so munkelt man, sagte ein älterer Quilmes-Fan beim fünften Tor leise: "So spielt man, wenn man verliebt ist." Ob er die Mannschaft meinte oder den Fußball selbst, blieb offen - aber die 59.000 im Stadion nickten zustimmend. 02.06.643993 10:40 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: