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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 43.500 Zuschauer und sieben Tore - was will der geneigte Fußballromantiker mehr? PVC Eindhoven und die Herzliya Yellows lieferten sich am Samstagabend in der Gruppenrunde der Europaliga ein Spektakel, das irgendwo zwischen Slapstick, Drama und Hochglanzfußball pendelte. Am Ende jubelten die Gäste aus Israel mit 4:3, während die Niederländer ratlos in die winterliche Nacht starrten. Schon nach zwei Minuten schlug es das erste Mal ein - und zwar im Kasten von Samuel Poe. Herzliyas bulliger Mittelstürmer Wladimir Larionow drehte sich nach Zuspiel von Valentin Hreidarsson wie aus dem Lehrbuch und schob eiskalt ein. "Ich dachte, wir wollten erstmal den Ball laufen lassen", knurrte PVC-Trainer Markus Frey später. "Aber Herzliya wollte wohl gleich laufen - nur halt in Richtung unseres Tores." Doch Eindhoven wäre nicht Eindhoven, wenn sie sich davon beeindrucken ließen. Nur acht Minuten später stellte Giuseppe Romagnoli seine italienische Kaltschnäuzigkeit unter Beweis. Nach glänzender Vorarbeit von Robert Ashton zimmerte er den Ball ins lange Eck - 1:1. Und ehe man sich versah, drehte Garritt Van Buren die Partie. In der 14. Minute verwertete er eine butterweiche Flanke von Azmi Ramon mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der in der Jugend wohl nur auf Bolzplätzen mit kleineren Toren gespielt hat. Aber die Freude währte kurz. Keine 60 Sekunden später zeigte Herzliyas Pauel Cure, warum er trotz seiner 31 Jahre noch immer als "der Last-Minute-Mann" gilt. Nach einem Doppelpass mit Bruno Albinana netzte er zum 2:2 ein. "Ich hatte eigentlich gar nicht geschossen", grinste Cure nach Abpfiff, "aber der Ball hat beschlossen, dass es Zeit war, ins Tor zu gehen." Danach gönnte man sich eine kleine Verschnaufpause - zumindest was Tore anging. Dafür sammelten die Spieler fleißig Torschüsse: 23 insgesamt (11 zu 12 für Herzliya), dazu zwei Gelbe Karten - eine für Cures rustikale Grätsche kurz vor der Pause, eine für Eindhovens Innenverteidiger Nenad Paunovic, der in Minute 59 "den Verkehr regeln wollte", wie Frey es formulierte. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: mit offenem Visier. Azmi Ramon, der schon in der ersten Hälfte auffällig war, brachte Eindhoven in der 47. Minute wieder nach vorn - 3:2. Vorausgegangen war ein feiner Steckpass von Harold Coeyman, der danach kurzerhand den Arm hob, als wolle er sagen: "Ich hab’s euch gesagt." Frey jubelte verhalten, vermutlich ahnend, dass der Abend noch lang werden würde. Herzliya stellte um, Trainer Kula Shaker brachte frische Kräfte: Alexander Williamson kam für Oliveira, später folgte Tiago Antonio für den müden Ernst Ernst. Der taktische Kniff wirkte. Ab der 70. Minute rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Poe. In der 73. Minute war es dann so weit - Bruno Albinana traf nach Vorlage von Rechtsverteidiger Jose Peyroteo zum 3:3-Ausgleich. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte der 24-Jährige, "und gehofft, dass der Ball nicht wieder am Pfosten landet wie sonst." Eindhoven taumelte, Herzliya witterte Blut. Und tatsächlich: Nur sieben Minuten später wiederholte sich das Muster. Peyroteo flankte von rechts, Cure stieg am höchsten und köpfte den Ball zum 4:3 über die Linie. Der Gästeblock explodierte. Auf der PVC-Bank dagegen nur noch Fassungslosigkeit. "Das war kein Kopfball, das war eine Lektion in Sachen Schwerkraft", murmelte Frey später. In den Schlussminuten warfen die Niederländer alles nach vorn - inklusive Innenverteidiger Thomassen, der in der 90. Minute fast den Ausgleich erzielte, aber an Torwart Joao Antunez scheiterte. Herzliya rettete den Vorsprung mit Leidenschaft, einem Hauch Glück und - ja, man muss es sagen - etwas israelischem Pragmatismus. "Wir haben heute einfach mehr riskiert", sagte Kula Shaker nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. "Und wenn man siebenmal aufs Tor schießt, darf auch mal einer reingehen." Tatsächlich war Herzliyas Effizienz beeindruckend: vier Tore bei zwölf Schüssen, während Eindhoven trotz mehr Ballbesitz (fast 58 Prozent) und spielerischer Überlegenheit am Ende mit leeren Händen dastand. So bleibt das Fazit eines wilden Europaliga-Abends: Eindhoven spielte schön, Herzliya spielte schlau. Und irgendwo zwischen diesen beiden Polen fiel das Pendel - und zwar auf die Seite der Gäste. Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions trocken formulierte: "Wenn du vier Tore kassierst, brauchst du keine Statistik mehr. Nur einen Therapeuten." 23.07.643987 03:03 |
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath