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Was für ein Fußballabend in Eindhoven! Vor 43.500 enthusiastischen Zuschauern verwandelte sich die Gruppenrunden-Partie der Europaliga zwischen PVC Eindhoven und den Margate Reds in ein emotionales Wechselbad. Fünf Tore, ein Platzverweis, jede Menge gelbe Karten und ein Trainer, der nach Schlusspfiff fast auf dem Rasen tanzte - das 3:2 (2:0) für die Niederländer war nichts für schwache Nerven. Von Beginn an machte die Mannschaft von Markus Frey klar, dass sie zuhause nichts verschenken würde. Schon in den ersten Minuten flogen die Bälle gefährlich in den Strafraum der Engländer, während PVC mit langen Pässen und viel Wucht das Spiel diktierte. Nach sechs Minuten sah allerdings Harold Putnam Gelb, weil er wohl dachte, Grätschen sei eine olympische Disziplin. "Der Rasen war glatt, ehrlich!", verteidigte er sich später mit einem schiefen Grinsen. In der 24. Minute explodierte das Stadion zum ersten Mal: Harold Coeyman schickte Gregor Houghtailing mit einem perfekten Pass über links, und der drosch den Ball eiskalt ins lange Eck - 1:0! Trainer Frey nahm den Treffer mit einem energischen Faustschlag in die Luft zur Kenntnis. "So haben wir’s geübt. Na ja, fast so", schmunzelte er nach dem Spiel. Nur 15 Minuten später legte Giuseppe Romagnoli nach. Linksverteidiger Pedro Maniche hatte sich frech nach vorne geschlichen, flankte präzise, und Romagnoli nickte zum 2:0 ein. Die Margate Reds wirkten konsterniert - zumindest für britische Verhältnisse, wo man selbst beim Rückstand noch höflich applaudiert. Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag - allerdings für die Engländer. Verteidiger Atilay Demirel, bereits mit Gelb vorbelastet, sah nach einem rustikalen Einsteigen in der 51. Minute Gelb-Rot. "Ich habe den Ball gespielt", rief er noch, während der Schiedsrichter den Karton zückte. Der Ball grinste vermutlich leise aus der Ferne. Trotz Unterzahl zeigten die Reds Moral. In der 61. Minute schlug Armandos Ardizoglou zu, nach Vorarbeit von Danijel Turina. Der Treffer zum 2:1 brachte plötzlich wieder Leben in die Partie. Doch die Freude währte kurz: Nur zwei Minuten später stellte Niclas Siebert mit einem trockenen Abschluss auf 3:1 - Vorlage von Robert Ashton, der den Ball zuvor so elegant mit der Hacke weiterleitete, dass selbst der Linienrichter kurz aufhörte zu winken. "Das war mein Lieblingsmoment", grinste Siebert später. "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte andere Pläne." Doch Margate wäre nicht Margate, wenn sie nicht bis zum Schluss kämpfen würden. In der 69. Minute kombinierten sich Didier Marceau und Noah Eliot durch die Eidhovener Defensive, ehe Eliot den Ball flach ins Netz schob - 3:2! Trainer Ata Lameck raufte sich die Haare, stellte um und warf alles nach vorne. "Mit zehn Mann musst du halt doppelt laufen", sagte er später und klang dabei erstaunlich fröhlich. In den letzten zwanzig Minuten entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch. Eindhoven, mit 52 Prozent Ballbesitz leicht überlegen, suchte die Entscheidung mit langen Bällen, während Margate auf den Lucky Punch über die Flügel hoffte. Doch Torwart Samuel Poe hielt, was zu halten war. Besonders in der 86. Minute, als Noah Eliot erneut abzog - Poe hechtete und riss den Ball aus dem Winkel, als ginge es um seinen Hauskredit. Kurz darauf gab’s nochmal Gelb für den jungen Lars Cure, der sich in seinem ersten Europapokalspiel wohl dachte: Wenn schon auffallen, dann richtig. "Ich hab den Gegner kaum berührt", beteuerte er - und grinste, als sein Trainer ihm auf die Schulter klopfte. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Frey seinem Kapitän in die Arme, während die Fans "Eindhoven, Eindhoven!" skandierten. Die Statistik sprach Bände: 17 Torschüsse für die Hausherren, 13 für die Gäste - ein offener Schlagabtausch, bei dem PVC am Ende das glücklichere Händchen hatte. "Wir haben’s uns selbst schwer gemacht", gab Frey zu. "Aber Fußball ohne Drama ist wie Pommes ohne Mayo." Ata Lameck nickte anerkennend und fügte hinzu: "Mit elf Mann hätten wir sie vielleicht gekriegt. Aber hey - wir haben’s spannend gemacht." Ein treffendes Fazit für einen Abend, an dem Leidenschaft, Chaos und brillante Momente in perfekter Unordnung zusammenfanden. Eindhoven jubelt, Margate flucht - und die Zuschauer wissen: Dafür liebt man diesen Sport. 13.05.643987 12:51 |
Sprücheklopfer
Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund