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Wer nur die erste Halbzeit gesehen hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben, als er später das Endergebnis las. 2:1 für PVC Eindhoven gegen SK Pruszkow - und das nach einer 0:1‑Rücklage! 43.500 Zuschauer im Philips‑Stadion erlebten am Dienstagabend eine Partie, die erst zäh begann, dann aber in eine emotionsgeladene Achterbahnfahrt mündete. Die ersten 45 Minuten erinnerten an eine Schachpartie zwischen zwei Spielern, die sich partout nicht trauen, die Figuren zu bewegen. Eindhoven versuchte es mit langen Bällen und offensiver Grundausrichtung, Pruszkow hielt mit diszipliniertem Flügelspiel dagegen. Das Ergebnis: viel Mittelfeldgeplänkel, wenig Ertrag. PVC‑Trainer Markus Frey sah das ähnlich: "Ich habe in der Pause gesagt: Wenn wir weiter so spielen, müssen wir wenigstens Eintritt zahlen, um das anzuschauen." Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel dann plötzlich Fahrt auf - und zwar in die falsche Richtung für Eindhoven. In der 48. Minute traf Constantín Furtok für SK Pruszkow, nach einem feinen Zuspiel von Grzegorz Chalaskiewicz. Der Pole nahm den Ball elegant mit der Innenseite mit, ließ zwei Verteidiger stehen und schob eiskalt an Keeper Samuel Poe vorbei. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er war einfach zu clever", murmelte Verteidiger Barend Scranton später selbstkritisch. Doch Eindhoven reagierte wie ein angeschlagener Boxer, der plötzlich merkt, dass er noch Kraft in den Beinen hat. Nur 15 Minuten später, in der 63. Minute, glich Jelle Landseer aus - vorbereitet von Azmi Ramon, der auf der linken Seite endlich einmal Platz bekam. Landseer drosch den Ball ins lange Eck, als wolle er all die verpassten Chancen der ersten Halbzeit auf einmal nachholen. "Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken - zum Glück", grinste der Torschütze. Der Treffer wirkte wie ein Koffeinschub. Die Gastgeber übernahmen das Kommando, obwohl sie insgesamt weniger Ballbesitz hatten (43 Prozent) und auch konditionell am Limit schienen. Doch sie schossen aus allen Lagen - 15 Mal insgesamt, doppelt so oft wie die Gäste. In der 70. Minute fiel schließlich der entscheidende Treffer: Giuseppe Romagnoli, der bis dahin oft glücklos geblieben war, drückte einen Eckball von - man höre und staune - Innenverteidiger Nenad Paunovic über die Linie. Paunovic hatte sich nach vorne geschlichen, "nur um mal zu sehen, wie’s da vorne aussieht", wie er später lachend erklärte. Dass derselbe Paunovic in der 81. Minute mit Gelb‑Rot vom Platz flog, passte perfekt zum Drehbuch dieses Abends. "Ich wollte einfach zu viel", gab der serbische Abwehrchef nach dem Spiel zu. Trainer Frey nahm’s sportlich: "Nenad ist wie ein Espresso - klein, stark, und manchmal zu viel des Guten." Pruszkow drückte in der Schlussphase, doch die Niederländer verteidigten ihr 2:1 mit Herz und Krampf. Die Gäste hatten am Ende mehr vom Ball (57 Prozent) und wirkten spielerisch reifer, fanden aber gegen den kompakten Zehnerblock der Hausherren kein Durchkommen. Zwei späte Gelbe Karten - eine für den jungen Charles Fraser (80.) und eine für Jerzy Zurawski (86.) - dokumentierten die wachsende Frustration der Polen. "Wir haben das Spiel in 15 Minuten verloren", bilanzierte Pruszkow‑Coach Stefan Petruck nüchtern. "Eindhoven war nicht besser, aber bissiger." Auf der Pressekonferenz ergänzte er sarkastisch: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal auch erst nach 45 Minuten anfangen zu spielen." Eindhoven hingegen feierte ausgelassen. Coach Frey, sonst eher der nüchterne Analytiker, ließ sich sogar zu einem Tanz mit den Ersatzspielern hinreißen. "Das war kein schönes, aber ein ehrliches Spiel", sagte er später. "Und ehrlich gesagt: So gewinne ich lieber als mit 70 Prozent Ballbesitz und Null Toren." Als der Schlusspfiff ertönte, stand ein erschöpftes, aber jubelndes Team auf dem Platz. Der junge Ersatzspieler Everhart Vanderzee, der in der 90. Minute noch kurz eingewechselt wurde, grinste: "Ich bin rein, hab einmal den Ball berührt - und schon war’s vorbei. Optimaler Arbeitstag!" So endete ein Abend, der alles bot, was Fußballfans lieben: Tore, Karten, Emotionen - und eine Prise Chaos. Und irgendwo in Eindhoven wird sich heute noch jemand fragen, wie ein Verteidiger zum Matchwinner werden konnte, bevor er vom Platz flog. Fazit: Eindhoven siegt 2:1, weil sie nach dem Rückstand endlich das taten, was Fußball so herrlich unberechenbar macht - sie spielten einfach drauflos. 06.06.643987 21:37 |
Sprücheklopfer
Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund