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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 42.033 Zuschauer - und ein Pokalspiel, das alles hatte, was man an einem Montagabend nicht unbedingt braucht: Kälte, Nervenkitzel und eine ordentliche Portion Chaos im Mittelfeld. Am Ende jubelte der SK Pruszkow über ein 1:0 gegen GKS Tychy, das knapper war, als es die Statistik vermuten lässt. Trainer Stefan Petruck hatte sein Team "ausgewogen" eingestellt, wie er später mit einem Grinsen erklärte. "Wir wollten nicht Hurra-Fußball spielen, sondern eher einen gepflegten Dienstabend abliefern." Das tat seine Mannschaft dann auch - gepflegt, diszipliniert, manchmal etwas zu höflich im Abschluss. Ganze 19 Schüsse aufs Tor feuerten die Gastgeber ab, aber nur einer fand den Weg ins Netz. Der entscheidende Moment kam in der 52. Minute. Constantin Furtok, der flinke Linksfuß, zog nach einem feinen Zuspiel von Jerzy Zurawski von der Seite in die Mitte und schob den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck. Tychys Keeper Joshua Hamlin flog zwar spektakulär, aber mehr zur Zierde. "Ich hab den Ball gesehen, aber er war schneller als mein Kaffee am Morgen", murmelte Hamlin später mit einem gequälten Lächeln. Bis dahin hatte Tychy, unter der Leitung von Trainer Christian Reuss, durchaus mitgespielt. In der ersten Halbzeit wirkte das Team offensiv, suchte mutig den Weg nach vorn - aber ohne Fortune. Igor Melis hatte in der 16. Minute die beste Gelegenheit, doch Pruszkows Torwart Pedro Sousa entschied sich, an diesem Abend keine Geschenke zu verteilen. Sousa, sonst eher unauffällig, avancierte mit zwei spektakulären Paraden in der Schlussphase zum stillen Helden. Tychy wechselte früh: Schon in der 52. Minute kam John Ross für Mason Millington, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte - eine Maßnahme der Vernunft, wie Reuss nach dem Spiel erklärte. "Mason war heiß, vielleicht zu heiß. Ich wollte keine Pyrotechnik auf dem Platz", sagte der Trainer trocken. Kurz darauf ersetzte Brandon Prentiss den glücklosen Hiliard im Sturm, doch auch das brachte keinen Durchbruch. Auf der Gegenseite reagierte Petruck ebenfalls. In der 57. Minute brachte er den jungen Christopher Preston für Dario Poggi, später folgte Philip Szamotulski für den erfahrenen Zurawski. Eine Mischung aus Frische und Erfahrung, die den knappen Vorsprung über die Zeit rettete. Das Spiel selbst war ein Lehrstück in Sachen Geduld. Pruszkow hatte mit 54 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von 56 Prozent die Nase leicht vorn, aber die Gäste blieben mit ihren 5 Schüssen stets gefährlich. Besonders in der Schlussphase, als Melis in der 89. Minute noch einmal frei vor Sousa auftauchte, hielt der Atem im Stadion kurz an. Sousa blieb cool - und der Ball landete in seinen Armen. "Ich hab einfach gehofft, dass er ihn direkt auf mich schießt", gestand Sousa später lachend. "Und er hat mich nicht enttäuscht." Die Gelben Karten passten zum rauen Rhythmus: Millington auf Seiten von Tychy in der 39. Minute, Mascarenhas bei Pruszkow in der 62., und in der Nachspielzeit erwischte es auch noch Adam Malfoy. "Das war kein Foul, das war ein Liebesgruß an den Ball", verteidigte sich Malfoy mit einem Augenzwinkern. Nach dem Abpfiff tanzten die Pruszkower Spieler ausgelassen vor ihrer Fankurve. Trainer Petruck schüttelte derweil den Kopf, halb erleichtert, halb unzufrieden: "Wir hätten den Sack früher zumachen müssen. Aber Pokal ist Pokal - da zählt am Ende nur weiterkommen." Christian Reuss nahm die Niederlage sportlich. "Wenn man fünfmal aufs Tor schießt und keinen reinmacht, kann man keine Gedichte schreiben. Wir haben’s versucht, aber Pruszkow war heute einfach ein bisschen cleverer." So zieht der SK Pruszkow mit einem knappen, aber verdienten 1:0 ins Viertelfinale ein. Die Fans werden den Abend so schnell nicht vergessen - nicht wegen eines Fußball-Feuerwerks, sondern wegen eines dieser Spiele, bei denen der einzige Treffer genügte, um 42.000 Menschen aus dem Sitz zu reißen. Und irgendwo im Kabinentrakt soll Furtok später noch gesungen haben - nicht vor Freude, sondern, wie er angeblich sagte, "um die Kälte aus den Knochen zu kriegen". Pokalromantik eben, made in Pruszkow. 04.06.643987 17:08 |
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