Außenseiter
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Post Karlsruhe schießt OSC Bremerhaven aus dem Stadion - 5:2 im Torrausch

Wenn die Flutlichtanlage im Poststadion in Karlsruhe angeht, riecht es dort nach Bratwurst, Bier und gelegentlich auch nach Fußball - am Dienstagabend jedoch nach purem Offensivfeuerwerk. Post Karlsruhe fegte den OSC Bremerhaven mit 5:2 vom Platz, und die 3449 Zuschauer bekamen für ihr Eintrittsgeld ein Spiel, das irgendwo zwischen Operette und Actionfilm pendelte.

Schon nach sieben Minuten bebte die Tribüne: Torsten Jahn, der linke Mittelfeldmotor mit der Frisur eines 90er-Rockstars, fasste sich ein Herz. Nach einem Eckball von Nevio Wolter wuchtete er den Ball aus 16 Metern ins Netz. "Ich dachte erst, der Ball sei zu hoch - aber dann kam ein Windstoß, und plötzlich war er drin", grinste Jahn nach Abpfiff.

Nur drei Minuten später legte Heinz Seidel nach. Der 33-Jährige, sonst eher als rustikaler Strafraumarbeiter bekannt, veredelte einen butterweichen Pass des 18-jährigen Justin Sonnenschein zum 2:0. Sonnenschein, der seinem Namen an diesem Abend alle Ehre machte, meinte später: "Ich wollte eigentlich querlegen - aber Heinz schrie so laut, dass ich Angst hatte, er frisst mich, wenn ich’s nicht mache."

OSC Bremerhaven, trainiert vom spanischen Altmeister Rafael Benítez, wirkte in der Anfangsphase wie ein Schiff ohne Kompass. Erst kurz vor der Pause fanden die Nordlichter den Kurs: In der 45. Minute verkürzte Horst Schade nach Zuspiel von Innenverteidiger Julius Heuer auf 2:1. Es war der Moment, in dem Bremerhaven kurz Hoffnung schöpfte - und im Gästeblock erstmals der Gedanke aufkam, dass das vielleicht doch kein Totalausfall wird. "Wir hatten eine gute Phase", sagte Benítez nach dem Spiel, "ungefähr fünf Minuten lang."

Nach dem Seitenwechsel drückte Post Karlsruhe weiter auf die Tube. 24 Torschüsse insgesamt, gegen 10 von Bremerhaven - das war kein Zufall, sondern Ausdruck eines Teams, das einfach mehr Lust auf Fußball hatte. Günter Bender, der unermüdliche Linksfuß, sorgte in der 66. Minute für das 3:1. Nach Vorarbeit von Maximilian Schütz zirkelte er den Ball mit der Innenseite in den Winkel, als wolle er beweisen, dass 33 kein Alter, sondern eine Einstellung ist.

Doch Bremerhaven wehrte sich - zumindest kurz. In der 70. Minute überraschte Rechtsverteidiger Ignacio Quintana alle, inklusive seiner eigenen Mitspieler, und traf nach Kombination mit Carl de Freitas zum 3:2. Der Treffer war so unerwartet, dass selbst die Karlsruher Fans kurz applaudierten. "Das war kein geplanter Angriff", gestand Quintana später lachend, "ich wollte eigentlich flanken."

Danach übernahm aber wieder die Post: Nevio Wolter, der junge Innenverteidiger mit Offensivdrang, traf gleich doppelt in der Schlussphase (84. und 89. Minute). Erst köpfte er eine Flanke von Schütz zum 4:2 ein, dann drückte er einen Abpraller nach Schuss von Bender zum 5:2 über die Linie. "Mir hat keiner gesagt, dass Innenverteidiger da vorne nichts zu suchen haben", witzelte der 23-Jährige nach dem Spiel.

Die Schlussminuten gehörten dem Schiedsrichter, der mit Gelben Karten um sich warf wie Konfetti: Erst sah Jakob Albers (82.) Gelb, dann Carl de Freitas (87.), dann Wolter selbst (88.) und schließlich Julius Behrendt (91.). "Das war wie ein Souvenir für alle", murmelte Benítez kopfschüttelnd.

Statistisch betrachtet war der Sieg verdient: 53 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe und vor allem die deutlich größere Zielstrebigkeit vor dem Tor. Post Karlsruhe spielte in einem ausgewogenen System, während Bremerhaven trotz offensiver Grundordnung selten gefährlich wurde. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Benítez, "aber anscheinend war die Abwehr anderer Meinung."

Trainer der Karlsruher - der sich nach dem Spiel demonstrativ entspannt zurücklehnte - sagte trocken: "Wenn du fünf Tore machst, darfst du sogar zweimal den Pfosten treffen." Und tatsächlich: Hätte Jamie Ross seine Chancen genutzt, das Ergebnis wäre noch höher ausgefallen.

Als die Flutlichter langsam erloschen und die letzten Fans sich auf den Heimweg machten, blieb die Erkenntnis: Post Karlsruhe hat nicht nur gewonnen, sondern auch begeistert. Bremerhaven dagegen wird die Heimfahrt über die A27 wohl schweigend verbringen - oder damit beschäftigt sein, herauszufinden, wie ein Rechtsverteidiger das einzige eigene Tor schießen konnte.

So oder so: Ein Abend, der bewies, dass Fußball in der Oberliga D manchmal schöner, ehrlicher und unterhaltsamer ist als in mancher Millionenliga. Oder, wie es Torsten Jahn mit einem Grinsen zusammenfasste: "Manchmal läuft’s halt einfach - und manchmal bist du eben Bremerhaven."

23.02.643994 17:12
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