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Ein kalter Januarabend, 27.000 fröstelnde, aber lautstarke Zuschauer und ein Spiel, das alles versprach - Spannung, Emotionen und eine Prise typisch polnisches Fußballchaos. Polonia Warschau und Jarota Jarocin trennten sich am 17. Spieltag der 1. Liga Polen mit 1:1, ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte, aber beide wohl verdient hatten. Von Beginn an zeigten die Hausherren, dass sie zu Hause nicht kuschen wollten. Trainer Raimon Harwardt hatte seine Elf offensiv eingestellt, und schon früh rollten die Angriffe in Richtung des Tores von Jarocin. Kacper Bosacki, der junge Linksaußen mit dem Hunger eines Stürmers, prüfte den gegnerischen Keeper mehrfach - und wurde in der 39. Minute belohnt: Nach einem perfekten Zuspiel von Ferenc Sarosi schob Bosacki eiskalt ein. Das Stadion explodierte, das Bier floss, und Harwardt riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Kacper war wie ein Pfeil - genau das, was wir trainiert haben", grinste der Coach später, während er an seinem Schal zog, als wolle er das Glück festhalten. Zur Halbzeit stand es 1:0, und die Stimmung in Warschau war prächtig. Jarota Jarocin hingegen wirkte, als hätten sie den Bus verpasst - defensiv, zögerlich, aber mit einem Plan. Trainer Henryk Kasperczak ließ sein Team tief stehen, aggressiv in den Zweikämpfen, aber ansonsten so zurückhaltend wie ein Gentleman im Porzellanladen. Ihre 50 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüsse sah man ihnen allerdings nicht an - viele davon endeten irgendwo zwischen Tribüne und Parkhaus. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn es nicht am Ende doch noch dramatisch würde. In der 68. Minute brachte Kasperczak frische Beine: Miguel Galindo kam für Michael Henderson - und kaum zehn Minuten später war der Joker zur Stelle. In der 78. Minute verwandelte Galindo nach Vorlage von Marcio Aldecoa eiskalt zum 1:1. Harwardt warf die Wasserflasche, Kasperczak jubelte, als hätte er den Pokal gewonnen. "Das war kein Zufall", sagte der Trainer später mit einem Lächeln, das so breit war wie seine Taktik defensiv. "Wir haben auf den Moment gewartet. Manchmal reicht ein Schuss." Das Spiel kippte danach in Richtung offener Schlagabtausch. Pierre Martel hatte in der 71. Minute und wenig später in der 74. gleich doppelt die Chance, Polonia wieder in Führung zu bringen, doch Jarotas Torwart Pol Viana hielt, was zu halten war - und einiges mehr. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft", lachte der Keeper nach dem Spiel. Die letzten Minuten waren dann ein Musterbeispiel für kontrolliertes Chaos: Gelbe Karten für Dennis Karwan (57.) und Luis Meireles (61.) ließen die Emotionen kochen, und in der Nachspielzeit holte sich Adam Millington ebenfalls Gelb - vermutlich für seine besonders interpretative Version des Abwehrspiels. Polonias Fans pfiffen, Jarocins Ersatzbank tanzte, und irgendwo dazwischen pfiff der Schiedsrichter ab. Statistisch war’s ein Spiel der feinen Nuancen: 10 Torschüsse für Warschau, 12 für Jarocin, Ballbesitz fast pari (49,5 zu 50,5 Prozent). Ein gerechtes Remis, auch wenn Harwardt nach dem Schlusspfiff anders klang. "Wenn man so viele Chancen hat, muss man das zweite Tor machen", knurrte er. Sarosi hingegen nahm’s mit Humor: "Vielleicht sparen wir uns die Tore für nächste Woche auf." Jarocin dagegen wird mit breiter Brust heimfahren. Ihr Punkt in Warschau war hart erarbeitet, und Galindo, der Matchwinner, fasste es schlicht zusammen: "Ich wollte nur spielen - und dann war der Ball plötzlich da." Am Ende blieb es beim 1:1, einem Ergebnis, das sich wie eine kalte Dusche anfühlte - vor allem für die Gastgeber. Doch wer an diesem Abend im Stadion war, wird ihn nicht so schnell vergessen: ein Spiel mit Tempo, Witz, Drama und einem Miguel Galindo, der zeigte, dass auch ein Einwechselspieler die Geschichte eines Abends schreiben kann. Raimon Harwardt verabschiedete sich mit einem müden Lächeln und den Worten: "Fußball ist manchmal grausam. Aber wenigstens frieren wir heute alle gemeinsam." Und die Fans von Polonia? Sie klatschten trotzdem - vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Liebe. Denn manchmal reicht ein 1:1, um zu wissen, dass der Fußball immer noch das schönste Ärgernis der Welt ist. 13.08.643987 12:18 |
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