Gazeta Sportowy
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Polonia Warschau rettet sich nach Fehlstart zu wildem 2:2 gegen Radomiak

Was für ein Abend im Stadion an der Konwiktorska! 25.612 Zuschauer kamen am 6. Spieltag der 1. Liga Polen, um Polonia Warschau gegen RKS Radomiak zu sehen - und sie bekamen ein Spiel, das man wahlweise "dramatisch", "verrückt" oder auch "leicht chaotisch" nennen konnte. Am Ende stand ein 2:2 (0:2), das beiden Trainern graue Haare, aber immerhin einen Punkt bescherte.

Die Gäste aus Radom erwischten den besseren Start. Schon in der 10. Minute klingelte es: Ricardo Vidigal, der quirlig-schnelle Portugiese auf der rechten Seite, traf nach Vorlage von Niklas Ziegler zum 0:1. Polonias Keeper Ruben Cabrera flog zwar artistisch durch den Warschauer Abendhimmel, aber der Ball war längst hinter der Linie. "Ich hab’ nur den Wind gespürt", grinste Cabrera später, "und dann den Pfiff."

Warschau wirkte danach nervös, spielte zwar mit leicht offensiverer Haltung, aber ohne Fortune. Pierre Martel prüfte den Radomiak-Schlussmann Marco Ibano gleich zweimal in den ersten Minuten, doch der blieb unüberwindbar. Stattdessen schlug Radomiak kurz vor der Pause noch einmal zu: Wieder Vidigal, diesmal nach einer butterweichen Flanke von Duarte de Almeida (45.). 0:2 - und in der Pause sah man Trainer Raimon Harwardt mit verschränkten Armen und einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen "innerem Vulkan" und "pädagogischer Geduld" lag.

"Ich hab’ den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Haltung", verriet Harwardt später mit einem Augenzwinkern. Offenbar hatten seine Spieler zugehört - oder einfach beschlossen, die zweite Halbzeit zu ihrer Bühne zu machen.

Nach einer Stunde kam Bewegung ins Spiel: Pierre Martel musste verletzt raus (54.), Stanislaw Wojciechowski kam - und wurde zur Initialzündung. Nur acht Minuten später traf er selbst (62.), nach klugem Pass von Diego Guerrero. Der Anschlusstreffer war wie eine Frischzellenkur für Polonia. Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Harwardt war plötzlich wieder der aktivste Mann an der Seitenlinie.

Sechs Minuten später belohnte sich das Team erneut. Guerrero, eben noch Vorbereiter, fasste sich nach einer unübersichtlichen Szene im Strafraum ein Herz und schweißte den Ball zum 2:2 ein (68.). Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich hab kurz vergessen, dass wir nur den Ausgleich gemacht haben", lachte Guerrero später. "Aber nach so einer ersten Halbzeit fühlt sich das wie ein Sieg an."

Radomiak wankte, fiel aber nicht. Vidigal blieb gefährlich, verpasste in der 69. Minute knapp seinen dritten Treffer. Polonia hatte durch Bosacki (77., 89.) und Wojciechowski (81.) noch Gelegenheiten zum Sieg, doch der Ball wollte nicht mehr über die Linie.

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: Polonia mit 14 Torschüssen, Radomiak mit 10; Ballbesitz nahezu ausgeglichen (49,7 zu 50,3 Prozent). Nur in der Zweikampfquote lag Polonia leicht vorn (52,5 Prozent) - vielleicht der kleine Unterschied, warum aus einer drohenden Niederlage noch ein Punkt wurde.

Radomiak-Coach Lukas Breer zeigte sich nach dem Spiel halb zufrieden, halb genervt: "Zwei Tore Vorsprung muss man cleverer verwalten. Wir haben Polonia wieder ins Spiel eingeladen - und die haben höflich angenommen."

Währenddessen feierte Harwardt sein Team mit einem verschmitzten Grinsen: "So ein Spiel schreibt man nicht auf dem Reißbrett. Aber man kann es fühlen. Und das haben die Jungs getan."

Ricardo Vidigal, der doppelte Torschütze des Abends, stand derweil mit hängenden Schultern an der Seitenlinie und murmelte: "Zwei Tore, kein Sieg. Fußball kann grausam sein."

So endete ein Abend, der alles hatte: frühe Dominanz, späte Emotion, ein verletzter Held, ein Joker-Tor und die Erkenntnis, dass 90 Minuten Fußball manchmal wie zwei verschiedene Spiele wirken können. Polonia Warschau bleibt mit diesem 2:2 zwar im Mittelfeld stecken, aber moralisch dürfte sich das Team wie ein Sieger fühlen.

Und wer weiß - vielleicht hat Harwardt seinen Matchplan ja künftig schon ab Minute 46 in der Tasche.

Denn eines steht fest: In Warschau kann man nie zu früh abschalten - aber sehr wohl zu spät wieder aufdrehen.

08.01.643994 09:50
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