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Wenn 51.902 Zuschauer im National Stadium von Kingston kollektiv den Atem anhalten, dann hat das in der Regel zwei Gründe: Entweder Bob Marley ist wieder auferstanden - oder die Police Nationals spielen. Am 25. Spieltag der 1. Liga Jamaica lieferten sich die Gastgeber ein intensives Duell mit Clarendon Sporting, das sie am Ende knapp, aber verdient, mit 2:1 (1:0) für sich entschieden. Von Beginn an war klar, dass Coach Walter Steger seine Jungs auf Attacke eingestellt hatte. "Wir wollten zeigen, dass Polizei nicht nur Strafzettel, sondern auch Punkte verteilt", grinste Steger später. Tatsächlich pressten die Nationals früh, schossen aus allen Lagen (insgesamt 17 Mal aufs Tor!) und ließen Clarendon kaum Luft holen. Schon nach zwei Minuten prüfte Mittelfeldmotor Morgan Doyle den gegnerischen Keeper Marc McGowan mit einem satten Distanzschuss - ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Doyle war der unsichtbare Taktgeber des Abends: zweikampfstark, passsicher und bei beiden Treffern der entscheidende Mann. Das 1:0 fiel in der 39. Minute, als Doyle den Ball mit chirurgischer Präzision in die Schnittstelle der Abwehr steckte. Fernando Deco, der flinke Rechtsaußen, nahm das Leder mit der Brust an und jagte es humorlos ins rechte Eck. "Ich hab ihn einfach gespürt", sagte Deco hinterher und deutete auf seinen rechten Fuß. "Der wollte heute Tore schießen." Clarendon Sporting, unter der Leitung von Biggi Kulisch, hatte derweil Mühe, Ordnung in das eigene Spiel zu bringen. Zwar hatten sie mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch das war eher statistischer Trost. Ihre Defensive blieb wacklig, und nach der Gelben Karte für Innenverteidiger Stanimir Jankow (31.) wirkte das Team noch nervöser. "Wir waren in der ersten Halbzeit geistig auf dem Parkplatz", knurrte Kulisch später. Nach der Pause änderte sich das Bild nur wenig. Clarendon kam zwar etwas mutiger aus der Kabine, aber die Nationals blieben gefährlicher. In der 61. Minute dann das 2:0: Wieder Doyle, diesmal mit einem flachen Pass auf Hermann Hanke, der von links in den Strafraum zog und eiskalt vollstreckte. Ein Tor aus dem Lehrbuch. Hanke jubelte mit ausgestreckten Armen Richtung Trainerbank - "Das war für Walter, weil er mir gestern beim Training den Ball geklaut hat", lachte der Torschütze. Erst danach wachte Clarendon wirklich auf. Coach Kulisch brachte frische Kräfte, unter anderem den bulligen Stürmer Finlay Payne. Dessen Einsatz sollte sich in der 89. Minute auszahlen: Nach Vorarbeit von Pascal Boissieu drückte Payne den Ball zum 2:1 über die Linie. Plötzlich wurde es wieder laut im Stadion - aber nicht wegen der Clarendon-Fans, sondern wegen der Polizei, die ihre Mannschaft nach vorne brüllte. In den letzten Minuten verteidigten die Nationals mit allem, was sie hatten - inklusive Torwart Leon Featherstone, der zweimal spektakulär abtauchte. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mir Handschellen hole für Payne", witzelte Featherstone später. Statistisch gesehen war das Spiel beinahe ausgeglichen: 49 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 51 für Clarendon, doch die Police Nationals hatten fast doppelt so viele Abschlüsse (17:9) und gewannen mehr Zweikämpfe (53 Prozent). Am Ende waren das die entscheidenden Details. Coach Steger zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber hinten raus zu viel zugelassen. Meine Jungs müssen lernen, dass 90 Minuten auch wirklich 90 Minuten dauern." Sein Gegenüber Kulisch hingegen suchte Trost in Ironie: "Wir haben wenigstens das letzte Tor geschossen - das ist ja auch was." Als die Flutlichter langsam erloschen, standen die Spieler der Police Nationals noch immer jubelnd vor der Fankurve, während Clarendons Akteure schweigend Richtung Kabine trotteten. Doyle, der heimliche Held des Abends, fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "Manchmal ist Fußball wie Polizeiarbeit - man muss einfach schneller am Tatort sein." Und so bleibt als Fazit: Die Police Nationals bewiesen, dass Disziplin, Pressing und ein cleverer Mittelfeldstratege auch gegen leicht favorisierte Gegner reichen können. Clarendon Sporting hingegen wird sich fragen müssen, warum man erst in der Schlussphase anfing, wirklich zu spielen. Vielleicht, so sagte ein Fan der Gäste auf der Tribüne, "weil sie dachten, das Spiel dauert 95 Minuten." Tat es - aber nur eine Mannschaft nutzte die Zeit sinnvoll. 04.11.643987 10:32 |
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Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
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