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Es war ein kalter Februarsamstag im Sportpark Husterhöhe, aber die rund 3556 Zuschauer hatten schnell warmen Puls. Der FK Pirmasens empfing Eintracht Lollar zum 18. Spieltag der Oberliga C - und schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier die Musik spielt. Während Trainerin Gudrun Schweitzer an der Seitenlinie noch mit dem Kaffeebecher rang, rannte ihre Elf bereits in Dauerschleife auf das Tor der Gäste zu. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir hier nicht zum Tee trinken eingeladen sind", grinste Kapitän Alex Coviello nach dem Spiel. Und tatsächlich: Schon in der dritten Minute prüfte er Lollars Torwart Stephan Fritsch mit einem strammen Schuss, den der Keeper nur mit Mühe über die Latte lenken konnte. Ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Pirmasens spielte offensiv, kurzpassstark, und immer wieder flitzte der quirlige Dani Tabenkin über die linke Seite, als wolle er den Rasen aufreißen. Lollar dagegen stand tief, beinahe zu tief, und wirkte, als sei man noch im Bus. Zwar kam Kutlu Derelioglu in der 10. Minute zu einem ersten zarten Versuch, aber der Ball landete irgendwo zwischen Eckfahne und Parkplatz. In der 26. Minute platzte der Knoten: Kornej Babinow steckte den Ball klug in die Schnittstelle, Coviello nahm ihn im Lauf mit und schob abgeklärt zum 1:0 ein. Die Fans jubelten, und Trainerin Schweitzer klatschte so heftig, dass ihr Notizblock auf die Laufbahn segelte. "Das war genau das, was wir trainiert hatten - nur ohne dass er mir den Ball direkt in die Kamera schießt", sagte sie später lachend. Die Gäste fanden kaum Mittel gegen die spielfreudigen Gastgeber. Zwar hatte Lollar leicht mehr Ballbesitz (50,5 Prozent), aber das war wohl eher der Statistik geschuldet, nicht der Realität. Pirmasens kombinierte sich leichtfüßig durchs Mittelfeld, und in der 38. Minute schlug Hugo Alves zu: Nach einem herrlichen Flankenlauf von Nikolai Dotschew rauschte Alves heran und traf volley ins Eck - 2:0. Sahne, pure Sahne. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Alves hinterher, während er sich das Trikot über den Kopf zog. "Wenn der Ball so kommt, musst du gar nicht denken. Denken ist was für Verteidiger." Mit diesem trockenen Kommentar dürfte er Trainerin Schweitzer kurz die Stirn runzeln lassen haben, aber sie konnte sich das Lächeln nicht verkneifen. "Wenn’s immer so endet, darf er auch weiter nicht denken", sagte sie augenzwinkernd. Nach der Pause wurde das Spiel zerfahrener. Lollar mühte sich redlich, blieb aber harmlos. Vier Torschüsse standen am Ende auf dem Konto der Gäste - keiner davon wirklich gefährlich. Pirmasens dagegen hatte 16 Abschlüsse, und hätte man einen davon in der zweiten Halbzeit noch genutzt, das Ergebnis wäre deutlicher ausgefallen. In der 64. Minute versuchte es erneut Tabenkin, später kam der 17-jährige Stefan Keller für Doppeltorschütze Coviello und schnupperte erstmals Oberliga-Luft. "Ich hatte weiche Knie, aber Alex hat mir gesagt: ’Mach einfach, als wär’s die B-Jugend’", erzählte der Debütant nach Abpfiff und grinste breit. Lollars Coach Dennis Renner hingegen suchte nach Worten. "Wir haben uns bemüht", begann er, "aber das war heute wie Schach mit Holzfiguren - hübsch anzusehen, aber völlig ohne Bewegung." Man spürte seinen Frust. Kein Pressing, kein Zugriff, keine zündende Idee. Pirmasens blieb bis zum Schluss spielbestimmend, auch wenn es keine weiteren Tore gab. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen, während Renner seine Spieler wortlos in Richtung Kabine schickte. "Wir haben vieles richtig gemacht, aber das Schönste war, dass wir nichts aus der Hand gegeben haben", resümierte Schweitzer. In der Tat: Die Heimmannschaft zeigte eine reife Leistung - strukturiert, konzentriert und mit einer Prise Spielfreude, die man in dieser Liga nicht allzu oft sieht. Eintracht Lollar dagegen wirkte, als habe man das Navi falsch programmiert. Der Ballbesitz mag leicht höher gewesen sein, aber die Ideen fehlten. Vielleicht lag’s an der Kälte, vielleicht am Respekt - oder vielleicht daran, dass Pirmasens an diesem Abend einfach eine Nummer zu clever war. Als die Stadionlichter erloschen und die letzten Fans ihre Würstchenreste in den Mülleimer warfen, hörte man einen älteren Zuschauer murmeln: "So spielt man Fußball, wenn man weiß, wo das Tor steht." Und das, liebe Freunde der gepflegten Oberliga-Unterhaltung, fasst den Abend ziemlich gut zusammen. Endstand: FK Pirmasens - Eintracht Lollar 2:0 (2:0). Tore: Coviello (26.), Alves (38.). Zuschauer: 3556. Ein Ergebnis, das so klar war, dass selbst der Linienrichter am Ende zufrieden nickte. 24.12.643990 05:12 |
Sprücheklopfer
Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man dann weitermacht. Aber ich lasse mir da Zeit, ich denke da kurzfristig.
Rudi Völler nach dem 1:5 gegen England