Außenseiter
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Pirmasens stürzt Dynamo ins Grübeln - 2:1-Auswärtssieg mit Ansage

Wenn 3687 Zuschauer an einem frostigen Februarabend ins Berliner Dynamo-Stadion pilgern, dann hoffen sie auf Fußballwärme fürs Herz. Bekommen haben sie am 14. Spieltag der Oberliga C einen Abend, der eher an eine grimmige Theatervorstellung erinnerte: Drama, Spannung, Emotionen - und am Ende die falschen Helden aus Sicht der Berliner. FK Pirmasens siegte mit 2:1, nicht unverdient, aber durchaus mit der Portion Glück, die man auswärts braucht.

Schon die Anfangsphase verriet, dass die Gäste aus der Pfalz nicht zum Sightseeing gekommen waren. In der 11. Minute traf Dani Tabenkin, der linke Wirbelwind der Pirmasenser, nach Vorarbeit von Marcel Fuhl zum 0:1. Ein Treffer, der so trocken war, dass selbst der Schiedsrichter kurz das Einfrieren seiner Pfeife überprüfte. "Dani hat das eiskalt gemacht, wie ein alter Hase", lobte Gästecoach Gudrun Schweitzer später. "Und ich meine das im besten Sinne - nicht so wie ein alter Hase, der im Schnee stecken bleibt."

Dynamo wirkte kurz geschockt, fand aber schnell seine Berliner Frechheit wieder. Nur elf Minuten später antwortete Raphael Fuchs mit einem Treffer, der an jugendliche Unbekümmertheit erinnerte. Leonidas Papaioannou, der junge Grieche im Mittelfeld, hatte den Pass in die Gasse gespielt, Fuchs nahm Maß - und aus dem Nichts stand es 1:1. Die Tribüne vibrierte, als Trainer Tim Ancelotti wild gestikulierend am Spielfeldrand rief: "So will ich das sehen! Tempo, Mut, Chaos!".

Doch Berlin wäre nicht Berlin, wenn es nicht auch ein bisschen Selbstzerstörung gäbe. Kurz vor der Pause sah Matthias Klose Gelb, weil er offenbar dachte, dass ein Trikotzupfer als freundliche Geste durchgeht. "Ich wollte nur wissen, ob der Stoff echt ist", grinste er später, aber Schiedsrichterin Weber fand das weniger charmant.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum: Pirmasens blieb ruhig, ließ den Ball laufen, während Dynamo Anlauf um Anlauf startete - stets begleitet von einem kollektiven "Ach, schade!" aus den Rängen. In der 60. Minute dann der Stich ins Berliner Herz: Alex Coviello, gerade erst in der 49. Minute eingewechselt, verwertete eine butterweiche Flanke von Rechtsverteidiger Marcel Baer zum 1:2. "Ich hab ihm einfach zugerufen: ’Mach was draus!’ - und das hat er", lachte Baer.

Von da an war es ein offener Schlagabtausch. Dynamo drückte, Fuchs hatte noch mehrere Chancen (81., 83., 88., 94. Minute), doch Gästekeeper Dennis Frei wuchs über sich hinaus. Einmal rief ein Fan hinter mir: "Der hat doch Magneten in den Handschuhen!" - und ehrlich gesagt, es hätte mich nicht gewundert.

Trainer Tim Ancelotti wechselte, fluchte, und wechselte wieder: Fontàs für Eder, Meireles für den blassen Jursinow - doch die Ideen blieben Stückwerk. In der 87. Minute sah auch noch Richard May Gelb, und man spürte: Der Abend würde nicht mehr kippen.

Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: 9:12 Torschüsse, 47 zu 52 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die ein Unentschieden verdient hätten. Aber Fußball ist nun mal kein Statistikseminar. "Wir waren heute reifer", erklärte FK-Coach Schweitzer mit einem zufriedenen Nicken. "Und reifer heißt in unserem Fall: Wir haben weniger Blödsinn gemacht."

Bei Dynamo dagegen herrschte Ernüchterung. "Wir haben’s zu schön versucht", murmelte Torschütze Fuchs. "Manchmal muss man einfach mal draufhauen, anstatt noch einen Haken zu schlagen." Sein Trainer nickte, halb resigniert, halb stolz: "Wenn wir irgendwann lernen, unsere Chancen zu nutzen, werden wir uns fragen, warum wir überhaupt mal verloren haben."

Pirmasens hingegen feierte ausgelassen - zumindest so ausgelassen, wie man das auf einem Berliner Kunstrasenplatz im Februar kann. Coviello wurde von seinen Mitspielern mit Wasserflaschen geduscht; Trainerin Schweitzer kommentierte trocken: "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen warten, bis wir in der Kabine sind. Jetzt ist mein Mantel hinüber."

So endete ein Spiel, das mehr versprach als es hielt und dennoch vieles bot: Tempo, Emotion, einen Hauch Wahnsinn. Dynamo Berlin bleibt auf der Suche nach Konstanz, FK Pirmasens dagegen schleicht sich mit cleverem Fußball und kaltem Kopf in die Spitzengruppe der Oberliga C.

Und irgendwo zwischen den Flutlichtmasten hallte noch lange ein Satz nach, den ein Berliner Fan beim Abpfiff rief: "Wir waren nicht schlechter - nur höflicher!" Vielleicht fasst das den Abend besser zusammen als jede Statistik.

27.10.643990 10:29
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Mann hat Stallgeruch.
Rainer Calmund über Dragoslav Stepanovic
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager