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Es war einer dieser Abende, an denen 59.000 Zuschauer im ausverkauften Bristol Dome dachten, sie hätten sich im Wettbewerb vertan. Die "Pirates", zur Halbzeit mausetot, schlichen mit gesenkten Köpfen in die Kabine - 0:2, Hapoel Ramat PKI spielte sie an die Wand. Wer da noch an ein Comeback glaubte, musste entweder ein unerschütterlicher Optimist oder der Mannschaftskoch sein. Doch Fußball, dieser Launische, hatte andere Pläne: Am Ende hieß es 3:2 nach Verlängerung - und Bristol stemmte den Champions-League-Pokal in den Nachthimmel. Schon nach elf Minuten ging Hapoel in Führung. Mosche Ben, der flinkfüßige Rechtsaußen, verwertete eine punktgenaue Flanke von Emil Gruew. Trainer Marco Maciadi ballte an der Seitenlinie die Faust und brüllte etwas, das klang wie: "So spielt man Finalfußball!" Die Pirates? Wirkten eher wie Landratten, die vergessen hatten, wie man segelt. Ihre ersten Torschüsse von Taylan Karaman und Everhart Derrick waren eher freundliche Erinnerungen an den gegnerischen Keeper Simon Andresen. Kurz vor der Pause dann der zweite Nadelstich: Diego Travassos, Hapoels linke Rakete, drosch den Ball nach einer butterweichen Hereingabe von Shulamit Gurion in die Maschen (41.). 0:2 - und im Block der israelischen Fans begann man bereits, die Siegessongs einzuüben. "Wir waren schon mit einem Bein in der Kabine", gab Bristol-Coach Phi Ung später zu. "Ich weiß nicht genau, was ich in der Pause gesagt habe, aber es muss funktioniert haben - vielleicht war es das Wort ’Rum’." Denn nach dem Seitenwechsel kam eine andere Mannschaft aus dem Tunnel. Plötzlich stimmte das Pressing, die langen Bälle fanden Abnehmer, und Everhart Derrick, der bis dahin eher unauffällig geblieben war, drehte auf. In der 69. Minute schob er nach Zuspiel von Jerome Pilat zum 1:2 ein. Das Stadion explodierte - und noch ehe sich Hapoel sortieren konnte, klingelte es erneut: Hugo Assis traf drei Minuten später nach feinem Doppelpass mit Karaman (72.). 2:2, und die Pirates segelten wieder mit vollen Segeln. Während Bristol immer mutiger wurde, verlor Hapoel den Kopf - und schließlich auch einen Spieler. Innenverteidiger Vahap Bayraktar, bereits verwarnt, sah in der 91. Minute Gelb-Rot, nachdem er Everhart Derrick beim Sprintversuch am Trikot festhielt. "Ich wollte nur sein Autogramm", scherzte Bayraktar später bitter. Mit einem Mann mehr und tosendem Publikum im Rücken drückten die Pirates in der Verlängerung auf die Entscheidung. In der 98. Minute war es wieder Everhart Derrick, der nach Vorlage von Karaman vollstreckte - ein Schuss, so trocken, dass selbst der Rasen kurz raschelte. 3:2! Derrick riss das Trikot vom Leib, Coach Ung sprang ihm entgegen, und irgendwo im Hintergrund zerfloss Maciadi zu einer stummen Silhouette. "Wir haben einfach nicht aufgehört zu glauben", sagte Torschütze Derrick nach Abpfiff, während Konfetti in seinen Locken klebte. "In der Pause haben wir uns gefragt, ob wir lieber früh ins Bett gehen oder Geschichte schreiben wollen." Karaman, der zweimal vorbereitete, grinste: "Ich wollte Derrick eigentlich anspielen, damit er mal was Richtiges mit dem Ball macht - und siehe da, hat funktioniert." Statistisch war das Finale so ausgeglichen, wie es das Ergebnis vermuten lässt: 15 Torschüsse Bristol, 17 Hapoel, Ballbesitz 52 zu 48 Prozent. Doch die Zahlen erzählen nicht von den Emotionen, vom Zittern auf den Tribünen, von der Wucht, mit der Bristol das Spiel in den letzten 50 Minuten an sich riss. Trainer Maciadi, sichtlich gezeichnet, fasste es nach Schlusspfiff trocken zusammen: "Wir hatten das Spiel im Sack - aber offenbar war unten ein Loch drin." Sein Gegenüber Ung konterte mit einem Lächeln: "Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn ihr schon Piraten seid, dann entert gefälligst auch ein Schiff." Und so taten sie es. Die "Bristol Pirates" sind Champions-League-Sieger 2026 - nach einem Spiel, das in jeder Sportsbar noch Jahre später mit Bierdeckeln nacherzählt werden dürfte. Oder, wie ein euphorischer Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Ich wollte nur ein Wunder sehen - und bekam gleich drei Tore und ein Herzinfarkt gratis dazu." 25.04.643990 03:32 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath