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Ein lauer Frühlingsabend in Bristol, 56.552 Zuschauer im Stadion - und am Ende ein 1:1, das beiden Mannschaften so richtig weh und gleichzeitig gar nichts gebracht hat. Die Bristol Pirates bissen sich an der zähen Defensive des FC Southampton die Zähne aus, während die Gäste mit einem Mann weniger am Ende froh waren, dass sie überhaupt noch lebten. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, was dieser Abend bringen würde: viele Chancen, wenig Ertrag - und reichlich Emotion. Die Pirates starteten mit offensivem Feuer, als wollten sie ihre Heimfans mit einem Torregen beschenken. Anselm Uggla prüfte in der 3. Minute Gästekeeper Gabriel Clancy, der allerdings mit der Ruhe eines Yoga-Lehrers parierte. Doch dann schlugen die "Saints" aus dem Süden eiskalt zu. In der 14. Minute kombinierte sich Innenverteidiger Kai Peter weit nach vorne, flankte halb hoch, halb glücklich - und Gerritt Van Cortlandt drosch den Ball volley unter die Latte. 1:0 für Southampton, und Trainer Michael Böning ballte die Faust, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Wir wussten, dass Bristol anfällig ist, wenn man sie früh presst", grinste er später - nicht ohne Stolz, aber mit leichtem britischem Understatement. Die Pirates wirkten kurz geschockt, dann wütend. Und wenn sie eines können, dann ist es wütend Fußball spielen. Harry Satchmore, der junge Wirbelwind auf links, bereitete in der 37. Minute das Tor des Abends vor: Ein butterweicher Pass in die Tiefe, Javier Costinha nahm ihn mit der Brust, drehte sich um die eigene Achse und schob lässig ein. 1:1 - und das Stadion tobte. "Ich hab’ ihn gar nicht richtig gesehen, nur gehört, wie er ’Harry!’ rief", lachte Costinha nach dem Spiel. Bis zur Pause wogte die Partie hin und her, doch aus dem Chancenfeuerwerk der Pirates (21 Schüsse aufs Tor!) entstand nur jede Menge Frust. Southampton kam mit gerade einmal acht Abschlüssen aus, aber immerhin effektiv. "Wir wollten sicher schießen", erklärte Pirates-Trainer Phi Ung trocken. "Leider hat das mit dem ’Sicher’ nur bis zum Tor geklappt." Nach der Pause wurde die Partie zäher, fast britisch-nassgrau. Southampton zog sich zurück, lauerte auf Konter und lange Bälle - so stand’s jedenfalls im Taktikzettel - während Bristol weiter anlief, als würden sie gegen eine Backsteinmauer rennen. Everhart Derrick und Uggla versuchten es im Minutentakt, doch Clancy blieb der unbesungene Held des Abends. In der 60. Minute sorgte ein anderer Name für Aufregung: Silvestre Makukula sah Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass der Ball und nicht das Schienbein des Gegners das Ziel ist. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er später - was in etwa so glaubwürdig klang wie ein Seemann, der behauptet, er habe sich auf hoher See verlaufen. Die Schlussphase? Drama pur. Southampton verteidigte mit allem, was noch laufen konnte, und verlor in der 88. Minute tatsächlich noch einen Mann: Rechtsverteidiger Leo Broderick sah Rot, nachdem er Reece Claude mehr umarmte als foulte. "Das war kein Foul, das war Zuneigung", witzelte Claude nach Abpfiff, während Broderick kopfschüttelnd in die Kabine stapfte. Pirates-Coach Phi Ung war nach dem Schlusspfiff hin- und hergerissen. "Wir haben alles gegeben, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht sollten wir morgen Zielwasser statt Kaffee trinken." Sein Gegenüber Böning dagegen wirkte erleichtert: "Ein Punkt hier ist wie ein Sieg. Wir haben mit Herz verteidigt - und mit etwas Glück überlebt." Am Ende bleibt ein Spiel, das alles bot - außer einem Sieger. Bristol mit mehr Ballbesitz (56,8 Prozent), mehr Schüssen, mehr Leidenschaft, aber eben nur einem Tor. Southampton mit weniger von allem, dafür mit einer roten Karte und einem Punkt, der sich anfühlt wie ein kleiner Raubzug. "Fußball kann grausam sein", murmelte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions. Und vielleicht hat er recht. Aber auch wenn die Pirates den Sieg verpassten - unterhaltsam war’s allemal. Und wenn sie so weitermachen, bricht irgendwann auch die härteste Abwehr. Bis dahin bleibt Bristol ein Hafen voller Hoffnung - und Southampton ein Klub, der weiß, wie man im Sturm segelt. 31.01.643994 12:57 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack