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Piraten plündern Southampton - Costinha trifft doppelt beim 3:2-Auswärtssieg

Wenn 51.355 Zuschauer im St. Mary’s Stadium ein Fußballspiel erleben, das zwischen Slapstick und Spektakel pendelt, dann war vermutlich wieder der FC Southampton beteiligt. Am 16. Spieltag der 1. Liga England verloren die "Saints" gegen die Bristol Pirates mit 2:3 - ein Ergebnis, das die Statistik bereits nach wenigen Minuten erahnen ließ: 19 Torschüsse für die Gäste, nur sechs für die Hausherren.

Und doch begann alles so verheißungsvoll für Southampton. In der 11. Minute schickte Innenverteidiger Kai Peter einen jener Bälle in die Tiefe, die aussehen, als hätte er sie aus Versehen getroffen - doch Bailey Kendall verstand die Kunst des Zufalls. Mit einem satten Schuss aus halbrechter Position traf der 30-Jährige zum 1:0. Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Trainer Michael Böning rief seinem Assistenten zu: "Wenn wir so weitermachen, wird das heute ein Spaziergang."

Leider hatte er recht - allerdings aus Sicht der Gäste.

Bristol reagierte nämlich nicht mit Panik, sondern mit Präzision. Taylan Karaman, quirliger Rechtsaußen, stellte in der 27. Minute auf 1:1. Nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Josip Ljubicic schlenzte er den Ball ins lange Eck, als hätte er die Szene vorher in Zeitlupe geübt. "Ich hab nur getroffen, weil der Ball so schön aussah", grinste Karaman später in der Mixed Zone.

Southampton wankte, Bristol witterte Blut. Und kurz vor der Pause war es der bullige Mittelstürmer Javier Costinha, der die Partie kippte: In der 42. Minute verwertete er eine Vorlage von Markus Tolsa zum 1:2. Das war kein filigraner Treffer, sondern ein Tor aus der Rubrik "Ich und der Ball, wir müssen da jetzt rein". Costinha rammte das Leder samt Torwart über die Linie.

"Da war mehr Wille als Technik", sagte Bristol-Trainer Phi Ung hinterher - und meinte das als Kompliment. Seine Mannschaft spielte schnörkellos, druckvoll, und die 57 Prozent Ballbesitz schienen eher 70 zu sein. Southampton dagegen verlor nach der Pause nicht nur den Faden, sondern gleich das ganze Nähset.

Böning versuchte zu reagieren, brachte zur zweiten Halbzeit den 19-jährigen Liam Allington, später auch den quirligen Sebastiano Carlucci und schließlich Stürmer-Rookie Riley Stanton. Allington brachte tatsächlich etwas Leben ins Mittelfeld - und eine Gelbe Karte für Rechtsverteidiger Leo Broderick in der 76. Minute, nachdem der die Flügelzange der Pirates nur noch per beherztem Trikotgriff stoppen konnte.

Bristol blieb indes gefährlich. Costinha prüfte Keeper Mancuso im Minutentakt, und als die Uhr die 86. Minute zeigte, war es erneut der Portugiese, der zuschlug. Nach Pass von Anselm Uggla traf er zum 1:3 - sein zweiter Treffer, sein Moment des Triumphes. "Ich wollte eigentlich flanken", witzelte Uggla anschließend, "aber Javier hat mir den Assist einfach geklaut."

Das Spiel schien entschieden, doch Southampton hatte noch einen letzten Aufschrei übrig. In der 88. Minute bediente der junge Allington den ebenso jungen Riley Stanton, der den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. 2:3 - und plötzlich glaubte das Stadion wieder an das Gute im Fußball.

Die letzten Minuten waren ein einziger Angriffsrausch der "Saints", ein Versuch, den eigenen Fehlpassrekord noch zu brechen. Torwart Mancuso rannte bei einer Ecke mit nach vorne, stolperte beinahe über den Ball, und Böning fasste sich an die Stirn. Nach dem Abpfiff sagte er: "Wir haben Herz gezeigt, aber Herz allein gewinnt keine Spiele. Manchmal braucht man auch einen Fuß am Ball."

Phi Ung, der Trainer der siegreichen Pirates, nahm den Sieg gelassen. "Wir sind keine Mannschaft, die glänzt, wir sind eine, die sticht", meinte er - ein Satz, der vermutlich noch in einigen Kabinenwänden eingeritzt wird.

Am Ende blieb Southampton der Trost, immerhin zwei Tore erzielt zu haben. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht, weil man in dieser Stadt gelernt hat, Tragödien mit Stil zu ertragen.

Und so segelten die Bristol Pirates mit drei Punkten und einem doppelt strahlenden Costinha zurück nach Westen, während Southampton in den Abendhimmel starrte und sich fragte: Wie kann man eigentlich 42 Prozent Ballbesitz so lautlos verspielen?

Vielleicht ist das die neue Kunst des Scheiterns. Oder einfach nur ein weiterer Freitagabend in der Premier League.

11.07.643987 18:25
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Bevor wir für einen Torwart 15 bis 20 Millionen Mark bezahlen, stelle ich mich selbst ins Tor.
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