// Startseite
| World Soccer |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Wenn 59.000 Menschen an einem kalten Januarabend im Piratenstadion von Bristol ihre Schals schwenken, dann weiß man: Heute wird Geschichte geschrieben - oder mindestens ein Tor. Genau genommen drei, und alle für die Hausherren. Die Bristol Pirates gewannen ihr Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel gegen Gela mit 3:1 (1:1) und legten damit den Grundstein für den Einzug ins Viertelfinale. Dabei begann der Abend alles andere als verheißungsvoll. Kaum waren zehn Minuten gespielt, da stand es schon 0:1. Gelas quirliger Linksaußen Javier Vazques nutzte eine Lücke in der Abwehr, die so groß war, dass man fast einen Mannschaftsbus hätte hindurchfahren können, und schob eiskalt ein. "Wir waren noch nicht auf Betriebstemperatur", knurrte Pirate-Coach Phi Ung später, "vielleicht lag’s am englischen Wetter - oder am italienischen Espresso der Gäste." Doch die Pirates wären keine echten Freibeuter, wenn sie nicht zurückschlagen könnten. In der 21. Minute zog Reece Claude nach einem herrlichen Zuspiel von Taylan Karaman ab - ein Strahl, links oben, 1:1! "Taylan hat mir den Ball serviert, als wäre er ein Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant", grinste Claude hinterher. Das Stadion tobte, und von da an war klar: Hier segelt nur noch ein Schiff Richtung Sieg. Bristol übernahm das Kommando, ließ den Ball mit 58 Prozent Ballbesitz zirkulieren und brachte elf Torschüsse aufs Gehäuse von Gelas Torhüter Pattrick Gabriel. Der hatte einen arbeitsreichen Abend, sah aber beim zweiten Treffer chancenlos aus. In der 52. Minute bediente Ragip Gürsoy mustergültig Markus Tolsa, der den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. 2:1 - der Jubel hallte bis in die Hafenkneipen. Und als wollte das Drehbuch noch ein Happy End liefern, krönte Roman Salenko in der 82. Minute den Abend: Rechtsverteidiger Julio Costa stürmte die Linie hinunter, flankte präzise, Salenko nahm den Ball volley - 3:1! "Ich hatte eigentlich nur gehofft, ihn zu treffen", gab der Torschütze grinsend zu. "Aber wenn’s dann so einschlägt, darf man ruhig mal feiern." Gela versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Trainer Michael Müller stellte auf Flügelspiel um, brachte frische Kräfte - Corey Staunton und Marco Frechaut kamen -, doch es half nichts. Ihre Stürmer Pablo Tarrega und Lucas Cochran mühten sich redlich, doch an diesem Abend war Keeper Servet Kaloglu unüberwindbar. "Der hat Bälle gehalten, die man eigentlich nur mit Photoshop rausbekommt", lobte ein Zuschauer kopfschüttelnd. Natürlich blieb das Spiel nicht ohne Nicklichkeiten. Gleich vier Gelbe Karten kassierten die Pirates - Karaman (48.), Salenko (50.), Gürsoy (74.) und Costa (76.) probten die Grenzen der Fairness. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Landratten sind", scherzte Costa nach dem Spiel. Trainer Ung kommentierte das etwas ernster: "Aggressivität ja, aber bitte ohne dass der Schiedsrichter seine Karte zum Lieblingsspielzeug macht." Statistisch wirkte das Ergebnis folgerichtig: Bristol mit mehr Ballbesitz, mehr Schüssen, mehr Zweikampfquote (52,4 Prozent) - und vor allem mehr Effizienz. Gela, offensiv gestartet, verlor im zweiten Durchgang den Mut und den Ball. Dass sie am Ende mit einem einzigen Treffer nach Hause fahren, war fast schmeichelhaft. Nach dem Abpfiff standen sich beide Trainer mit Handschlag gegenüber. "Das war kein Untergang, sondern eine Sturmwarnung", sagte Müller mit einem Anflug von Trotz. Phi Ung dagegen lächelte nur: "Wir haben erst die erste Hälfte des Duells gespielt. Im Rückspiel werden wir aufpassen müssen. Aber heute? Heute haben meine Jungs gezeigt, dass sie kämpfen können - und dass sie Tore schießen wollen." Und während die Fans im Stadion noch "Yo-ho-ho" grölten und ihre Mannschaft feierten, senkte sich über Bristol ein leichter Nieselregen. Perfektes Wetter für Piraten, die wissen: Der Schatz liegt noch nicht in der Truhe - aber die Karte dorthin haben sie jetzt in der Hand. (600 Wörter) 11.10.643987 04:23 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus