// Startseite
| Außenseiter |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein kalter Februarabend, Flutlicht in Pinneberg, 3539 Zuschauer mit dicken Schals und noch dickeren Hoffnungen - und am Ende ein 0:4, das so klar war wie der Himmel über der Nordheide. FK Pirmasens zeigte am 19. Spieltag der Oberliga C, was Offensivfußball bedeutet, während Pinneberg eher den "bitte nicht so doll"-Modus aktiviert hatte. Schon nach wenigen Minuten war klar: Das wird eine lange Nacht für den Gastgeber. Pirmasens stand hoch, kombinierte kurz und präzise, als hätten sie das Spielfeld mit Kreide vermessen. Hugo Alves, quirlig wie ein Espresso zu viel, prüfte früh die Reflexe des Pinneberger Keepers Helmut Kolb. Der durfte sich warmwerfen - und das war auch das Beste, was an diesem Abend für ihn passierte. In der 21. Minute dann das logische 0:1: Rechtsverteidiger Ulf Eriksen, der an diesem Abend offenbar auf Speed-Level "Dauersprint" gestellt war, flankt butterweich in den Strafraum, Alves steigt hoch, köpft ein - und bedankt sich artig beim Vorlagengeber. "Ulf hat gesagt, er will mal sehen, ob ich wirklich köpfen kann", lachte Alves später. "Jetzt weiß er’s." Pinneberg versuchte, das Spiel zu beruhigen, aber Pirmasens spielte weiter, als wäre es ein Trainingsspiel mit zusätzlichem Spaßfaktor. Kurz vor der Pause dann der nächste Schlag: Wieder Eriksen über rechts, wieder eine präzise Flanke, diesmal auf Dani Tabenkin, der den Ball gefühlvoll in den Winkel legt. 0:2 zur Halbzeit - und das war noch schmeichelhaft. Trainerin Gudrun Schweitzer von Pirmasens zeigte sich in der Pause gewohnt unaufgeregt: "Wir waren noch nicht ganz zufrieden mit der Chancenverwertung", sagte sie trocken, während Pinnebergs Coach, dessen Name in den Unterlagen erstaunlicherweise fehlt, nur murmelte: "Vielleicht sollten wir einfach mal den Ball behalten." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Pirmasens blieb offensiv, Pinneberg blieb bemüht - und das war’s auch schon. 57. Minute: Kornej Babinow, der junge Spielmacher mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, zieht von der Strafraumkante ab. Wieder Eriksen als Vorlagengeber. Wieder drin. 0:3. Wer jetzt noch an ein Comeback glaubte, hatte vermutlich auch noch die Hoffnung, dass der Osterhase Flanken schlägt. Pinneberg kam immerhin zu einer Torchance - in Minute 69, Jannick Schwarz probierte es aus 20 Metern. Der Ball flog, die Fans sprangen auf - und dann flog er weiter, in die dunkle Februar-Nacht. "Das war symbolisch für unser Spiel", sagte Kapitän Jörg Schuster später mit einem bitteren Lächeln. Den Schlusspunkt setzte dann ein Mann, der normalerweise hinten die Bälle wegköpft: Tiago Gomes. Nach einer Ecke von Nikolai Dotschew stieg der Innenverteidiger am höchsten und köpfte das 0:4 (75.). Es war das erste Tor seiner Saison - und das schönste Kompliment an die Überlegenheit der Gäste. Statistisch war das Ganze eindeutig: 15 Torschüsse der Pirmasenser gegenüber einem einzigen der Pinneberger, knapp 57 Prozent Ballbesitz für die Gäste und eine Zweikampfquote, die so aussah, als hätten die Hausherren lieber höflich gebeten als beherzt gegrätscht. "Wir haben heute sehr erwachsen gespielt", freute sich Schweitzer nach dem Spiel. "Und wir hatten Spaß - das sieht man ja am Ergebnis." Bei Pinneberg dagegen herrschte betretenes Schweigen. Nur Torwart Kolb fand noch etwas Galgenhumor: "Vier Dinger sind zu viel, klar. Aber wenigstens habe ich jetzt wieder Gefühl in den Handschuhen." So rauschte FK Pirmasens souverän durch den 19. Spieltag, während Pinneberg weiter im Tabellenmittelfeld herumdümpelt. Wenn man etwas Positives suchen möchte: Die Bratwürste im Stadion waren heiß, der Glühwein stark - und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ehrlich ist, sowieso. Vielleicht, ganz vielleicht, wird Pinneberg in der nächsten Woche ja wieder wach. Denn schlechter als dieses 0:4 kann man kaum auftreten - oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Das war doch nett von euch, dass ihr Pirmasens habt üben lassen!" Ein Abend zum Vergessen - außer man kommt aus Pirmasens. 16.01.643991 05:52 |
Sprücheklopfer
Man wusste bei mir immer, wo ich dran war.
Günter Netzer über seine rhetorischen Fähigkeiten