Noticiero VeneVision
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Petare dominiert, Aragua punktet - ein 1:1, das niemand so richtig versteht

Ein lauer Abend in Caracas, 55.884 Zuschauer, die Sonne sinkt, die Trommeln dröhnen: Sporting Petare gegen Aragua FC, 24. Spieltag der 1. Liga Venezuela. Auf dem Papier ein Heimspiel für die Petareños, in Wahrheit aber ein Geduldsspiel der besonderen Art. Am Ende stand ein 1:1, das sich für die Gastgeber nach gefühlten 90 Minuten Dauerangriff wie eine Niederlage anfühlte - und für Aragua wie ein kleiner Raubzug.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass Petare heute den Ton angeben wollte. Trainer Marcel Skupzig hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, das Pressing griff, der Ball lief. In der 5. Minute prüfte Archie Rushton erstmals Gästekeeper Silvestre Herrero - ein Schuss, der so laut knallte, dass selbst der Linienrichter kurz zusammenzuckte. "Ich dachte, das Tornetz ist gerissen", grinste Rushton später.

19 Schüsse auf das Tor, 55 Prozent Ballbesitz - Petare spielte, Aragua hielt dagegen. In der 24. Minute dann der verdiente Lohn: Sergi Capucho, quirlig wie ein Kolibri auf Koffein, verwertete eine Hereingabe von David Marchand zum 1:0. Ein technisch feines Tor, das die Fans auf den Rängen jubeln ließ. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Capucho bescheiden - und grinste so breit, dass man ihm kein Wort glaubte.

Danach wogte das Spiel zwischen Angriffslust und Verzweiflung. Jose Verdasco, der Routinier im Sturmzentrum, vergab gleich drei Großchancen zwischen Minute 29 und 31 - alle knapp, alle spektakulär daneben. "Er wollte wohl das Tornetz schonen", murmelte ein Fan hinter mir, während Trainer Skupzig an der Seitenlinie verzweifelt mit den Armen ruderte.

Aragua FC, von Trainerin Claire Werk in ein mutig-offensives 4-3-3 geschickt, fand in der ersten Halbzeit kaum statt. Doch Werk blieb ruhig. "Wir wussten, Petare kann nicht ewig so rennen", sagte sie später mit einem Lächeln, das zwischen Ironie und Prophezeiung schwankte.

Und tatsächlich: Nach der Pause veränderte sich die Dynamik. Aragua presste höher, der junge Javi Yague brachte über links frischen Wind, und Jason Adam - bis dahin unauffällig - begann, die Defensive der Gastgeber zu beschäftigen. In der 69. Minute versuchte es Radu Cocis aus der Distanz, wenig später scheiterte Yague knapp. Petare wirkte plötzlich nervös, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Dann die 80. Minute: ein langer Ball, ein kurzer Moment der Unordnung in Petarés Abwehr - Jason Adam taucht frei vor Torhüter Caio Maniche auf und schiebt cool ein. 1:1. Das Stadion verstummt kurz, dann murmelt es, als wollte keiner so recht glauben, was da passiert war. "Das war kein Zufall", sagte Adam später, "wir haben auf unsere Chance gewartet."

Skupzig reagierte mit Wechseln - Monroe und Karlson kamen für die müde wirkenden Außenverteidiger, später Caloveto für Marchand. Doch der letzte Punch fehlte. Capucho versuchte es noch zweimal (59. und 67.), David Marchand hämmerte in Minute 79 aus spitzem Winkel vorbei, und Innenverteidiger Oscar Stack köpfte in der 86. Minute knapp drüber.

"Wir haben’s hergeschenkt", knurrte Skupzig nach Abpfiff. "Wenn du 19 Torschüsse hast und nur einmal triffst, musst du dich nicht wundern." Seine Spieler nickten betreten. Auf der anderen Seite feierten die Aragua-Profis das Remis, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Trainerin Werk herzte ihre Jungs, hob die Hände und rief in Richtung Tribüne: "So spielt man mit Herz!"

Zwei Gelbe Karten (Gontan in der 39., Hiliard in der 82.) blieben die einzigen Verfehlungen in einem ansonsten fairen Spiel. Taktisch gesehen war es ein Duell zweier offensiv denkender Teams - nur dass das eine 90 Minuten lang nach vorne spielte und das andere im richtigen Moment zuschlug.

"Das war Fußball mit allen Facetten", sagte Petare-Kapitän Verdasco zum Abschluss. "Schöne Tore, vergebene Chancen, Frust, Jubel - nur leider kein Sieg."

Ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst: weil es zeigt, dass Dominanz allein nichts zählt, wenn der Gegner das Timing beherrscht. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions seufzte: "Petare hat getanzt - aber Aragua hat die Musik gespielt."

Und irgendwie hatte er recht.

23.10.643987 20:25
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Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
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