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An einem lauen Januarabend in Florida, Spieltag 13 der 1. Liga USA, sahen 43.500 Zuschauer in Miami ein Fußballspiel, das zwar kein Offensivfeuerwerk war, dafür aber alles bot, was ein Reporterherz höherschlagen lässt: Gelbe Karten, Gelb-Rote Karten, rote Gesichter - und schließlich ein spätes, erlösendes Tor durch Reece Pelletier, das Inter Miami einen 1:0-Heimsieg gegen die unangenehm zupackenden Atlanta Gorillas bescherte. Dabei begann alles recht harmlos. Schon in der zweiten Minute prüfte Rafael Vidigal den Gästekeeper Alois Zemlik mit einem satten Schuss, der das Tornetz allerdings nur von außen streichelte. Trainer Gavin Knipp rieb sich kurz die Schläfen, wohl ahnend, dass seine Offensivreihe an diesem Abend einiges versuchen, aber wenig treffen würde. Vierzehn Torschüsse später sollte er damit recht behalten - bis auf den einen. Atlanta spielte derweil, wie man es von einem Team mit dem Beinamen "Gorillas" erwarten darf: körperlich, laut und wenig zimperlich. "Wir wollten einfach zeigen, dass wir da sind", erklärte Verteidiger Sean Cumming später, kurz bevor er in der 89. Minute mit Gelb-Rot vom Platz geschickt wurde. Zwei Verwarnungen in sieben Minuten - auch das eine Art, sich in Erinnerung zu bringen. Sein Trainer Anja Meister kommentierte das trocken: "Sean hat das Herz am rechten Fleck - leider auch manchmal den Fuß." Schon zuvor hatte Inter-Verteidiger Corey O’Leary für die erste Gelbe gesorgt (16.), um später mit einer Gelb-Roten in der 80. Minute den Gleichstand in der Disziplinarkategorie herzustellen. "Ich schwöre, ich hab nur laut geatmet", verteidigte sich O’Leary nach dem Spiel lachend, während er seinem Trainer aus sicherer Entfernung zunickte. Taktisch war das Duell ein Lehrbuchbeispiel für Geduld gegen Pragmatismus. Miami mit 55 Prozent Ballbesitz und feinerem Passspiel suchte die Lücken, Atlanta setzte auf lange Bälle und robuste Zweikämpfe. Besonders auffällig: Diego Rielo, der rechte Flügelstürmer der Gorillas, der gleich viermal gefährlich vor dem Tor auftauchte, jedoch stets an Torwart Adam MacIntyre scheiterte - der zur Pause für den jungen Srdan Jertec gekommen war und sich als sichere Bank erwies. "Adam war heute unser Fels in der Brandung", lobte Knipp nach der Partie. "Und Reece unser goldenes Händchen - im wahrsten Sinne." Denn eben jener Reece Pelletier war es, der in der 45. Minute eingewechselt wurde, um das Offensivspiel zu beleben. 36 Minuten später stand er goldrichtig: Nach einem feinen Steilpass des 19-jährigen Jake Urquhart lupfte Pelletier den Ball über den herauseilenden Zemlik hinweg - 1:0 (81.). Ein Tor, das das Stadion erzittern ließ und die Gorillas endgültig in Rage versetzte. Die letzten zehn Minuten wurden dann mehr Boxkampf als Fußballspiel. Viktor Klimowitsch holte sich in der 85. noch eine Verwarnung ab, Atlanta antwortete mit Wilhelm Krämers Gelb in der 90. Minute - wohl eher aus Solidarität mit den Kollegen. "Es war ein intensives Spiel", meinte Gästetrainerin Meister nach Schlusspfiff mit einem gequälten Lächeln. "Aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir nicht aus Zucker sind." Statistisch gesehen war Miami das aktivere Team: 14 Torschüsse zu 9, etwas mehr Ballbesitz, und trotz zweier Platzverweise die bessere Körpersprache bis zum Schluss. Die Gorillas rannten an, verzettelten sich aber oft in langen Bällen und verloren am Ende nicht nur das Spiel, sondern auch die Nerven. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", bilanzierte Knipp, der kurz vor Mitternacht noch mit einem Eistee in der Hand durch die Mixed Zone schlenderte. "Und immerhin hat keiner versucht, den Schiedsrichter zu umarmen - das ist ja auch schon was." Atlanta hingegen trat die Heimreise mit hängenden Köpfen an, aber nicht ohne Selbstironie. "Wir hätten vielleicht weniger gebrüllt und mehr gespielt", gab Stürmer Alessio Sosti zu, dessen drei Abschlüsse allesamt knapp vorbeigingen. So endet ein Spiel, das in keinem Highlight-Video für technische Finesse auftauchen wird, aber wohl in Erinnerung bleibt - als jener Abend, an dem ein 31-jähriger Joker namens Reece Pelletier die 43.500 Fans von Miami wieder an den Fußball glauben ließ. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Fan gerufen haben: "Endlich wieder ein Sieg ohne Elfmeter!" - worauf sein Nachbar trocken antwortete: "Aber mit allem anderen, was das Regelbuch hergibt." 16.06.643987 18:28 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts