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Es war ein lauer Abend im Maracanã, 50.950 Zuschauer schwenkten rot-schwarze Fahnen, als CF Flamengo zum vierten Spieltag der 1. Liga Brasilien Indio de Manaus empfing. Was nach einem gemütlichen Heimspiel aussah, wurde zu einem Wechselbad zwischen Samba und Schweißausbruch. Am Ende stand ein 2:1, das den Tabellenstand rettet, aber nicht unbedingt die Nerven der Fans. Die ersten Minuten verliefen, als hätte Trainer Dino Ma seinen Jungs eine doppelte Portion Espresso serviert. Alessio Romeo prüfte in der dritten Minute Gästetorwart Michele Miglierina mit einem wuchtigen Schuss. "Ich wollte ihn einfach mal wachrütteln", grinste Romeo später. Der Keeper war’s, der danach hellwach blieb - bis zur 33. Minute. Da kam Pedro Veloso, 22 Jahre jung, rechte Außenbahn, flinke Füße und ein Selbstbewusstsein, das in jede Favela passt. Nach einem feinen Doppelpass mit Olgun Balkan zog er aus spitzem Winkel ab - 1:0 Flamengo. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Trainer Ma klatschte so heftig, dass selbst der vierte Offizielle kurz zusammenzuckte. Nur zehn Minuten später dasselbe Bild: Veloso, diesmal bedient von Afanasi Tscherepanow, wieder rechts, wieder präzise - 2:0. "Ich hab einfach gemacht, was Dino mir gesagt hat: Laufen, bis der Rasen glüht", sagte Veloso später mit einem Grinsen, das fast so breit war wie der Mittelkreis. In der Pause schien Indio-Trainer Karel Aschenberger seine Männer ordentlich wachgerüttelt zu haben. "Ich hab ihnen gesagt, dass Fußball keine Sightseeing-Tour ist", knurrte der Österreicher nach dem Spiel. Und tatsächlich: In der 47. Minute war es der 18-jährige Lionel Caneira, der nach Vorarbeit von Nicolaas Westerveldt eiskalt zum 2:1 einschob. Der Youngster rannte jubelnd zur Ersatzbank, während Flamengo-Keeper Marco Barbosa sich die Handschuhe ansah, als hätten sie ihn verraten. Von da an kippte die Partie. Flamengo hatte zwar insgesamt mehr Torschüsse (10 zu 7), doch Manaus hielt den Ball länger - 52,6 Prozent Ballbesitz, und das auswärts! "Wir wollten zeigen, dass wir auch kicken können, nicht nur kontern", so Caneira mit jugendlicher Unschuld. Flamengo dagegen wirkte nervös. Daniel Keller vergab in der 69. und 78. Minute zwei Großchancen, während Indios Miguel Pacos in der 76. und 87. Minute gefährlich nah am Ausgleich schnupperte. Als dann noch zwei Gelbe Karten gegen die Gäste (Lundqvist 75., Zizinow 80.) fielen, schien die Partie endgültig in die Kategorie "heiß und hektisch" zu rutschen. Trainer Ma reagierte mit Defensivwechseln: In der 62. kam Noe Fernandes für Fabio Barbosa, später durfte der 17-jährige Marc Cucurella noch sein Debüt feiern. "Ich wollte das Ding einfach über die Zeit bringen", gab Ma ehrlich zu. "Manchmal muss man nicht schön gewinnen, nur gewinnen." In der Nachspielzeit hatte Benyamin Rieger noch die Chance, alles klarzumachen, doch sein Schuss in der 92. Minute landete in den Armen von Miglierina. Der Keeper schimpfte zwar noch über die Sonne, aber um 21:55 Uhr war’s dunkel genug, um Ausreden zu erkennen. Nach dem Schlusspfiff atmete das Maracanã hörbar auf. Flamengo bleibt mit diesem 2:1 im oberen Tabellendrittel, doch die Fans wissen: Das war kein Spaziergang. "Wenn wir so weiterspielen, krieg ich graue Haare", witzelte ein Anhänger auf der Tribüne, während sein Sohn mit einem Veloso-Trikot jubelte. Statistisch betrachtet war’s ein knappes Ding: Mehr Ballbesitz für Manaus, leicht bessere Zweikampfquote für Flamengo (51,7 %), und ein Pedro Veloso, der mit zwei Toren zum Mann des Abends wurde. "Er ist jung, frech und macht Tore - was will man mehr?", sagte Ma, während er sich schon den Schweiß von der Stirn wischte. Aschenberger hingegen verschwand mit einem ironischen Lächeln in den Katakomben: "Wenn wir in der ersten Hälfte schon Fußball gespielt hätten, wäre das anders ausgegangen." Recht hat er - aber Fußball kennt keine Konjunktive, nur Tore. Und so endete ein Abend, der mit Samba begann und mit Nervenflattern schloss. Flamengo gewinnt 2:1, dank eines blendend aufgelegten Veloso - und trotz eines tapferen Indio de Manaus, das zeigte, dass auch im Amazonas guter Fußball wächst. Am nächsten Spieltag darf Flamengo also weiter träumen - und Dino Ma vielleicht wieder ruhig schlafen. Zumindest bis zur nächsten 80. Minute, wenn der Puls in Rio traditionell wieder steigt. 22.02.643987 17:42 |
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Man sollte die Presse nicht wichtiger machen, wie sie wichtig gemacht wird.
Lothar Matthäus