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Parmas Pech, Rodengos Glück: Ein 0:1, das keiner verstand

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob der Ball heimlich gegen die Heimmannschaft wettet. Der Mittwochabend im Stadio Ennio Tardini gehörte zweifellos dazu. AC Parma dominierte nach Belieben, schoss vierzehn Mal aufs Tor, hatte fast 58 Prozent Ballbesitz - und verlor trotzdem mit 0:1 gegen den tapfer verteidigenden Außenseiter Rodengo Saiano.

Für die 16.000 Zuschauer war es eine Mischung aus Theater, Tragödie und absurdem Humor. Schon in den ersten Minuten rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Luigi Nicola. Ralf Herrmann, Parmas quirliger Linksaußen, prüfte den Keeper gleich dreimal in den ersten 15 Minuten. "Ich dachte, irgendwann muss doch einer reingehen", knurrte Herrmann später, "aber der Ball wollte einfach nicht mitspielen."

Rodengo Saiano hingegen schien zunächst mit elf Verteidigern und einem Gebet auf dem Platz zu stehen. Trainer Jan Beyer hatte seine Elf tief gestaffelt, diszipliniert - und mit der klaren Devise: "Wenn wir schon nicht schön spielen, dann wenigstens effektiv." In der ersten Halbzeit verteidigten sie mit dem Mut der Verzweiflung, kassierten aber kaum klare Chancen gegen sich, obwohl Parma wie ein Presslufthammer auf das Bollwerk einschlug.

Der Halbzeitpfiff kam für Rodengo wie ein Lottogewinn, für Parma wie eine unerklärliche Naturkatastrophe. "Wir hätten 3:0 führen müssen", murmelte Parmas Kapitän Simone Motta beim Gang in die Kabine, "aber irgendjemand da oben hat wohl einen anderen Drehbuchplan."

Dann kam die 58. Minute - und mit ihr der Moment, der die Logik des Spiels endgültig aus den Angeln hob. Rodengo konterte über die linke Seite, Lorenzo Montegiordano zog an, flankte scharf in den Rückraum, wo der 18-jährige Domenico Roggiano lauerte. Einmal kurz angetäuscht, dann trocken ins rechte Eck - 0:1. Der erste wirkliche Torschuss der Gäste, der zweite zählte als Tor. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Roggiano nach dem Spiel, "und dann war’s drin. Vielleicht sollte ich das öfter machen."

Parma reagierte wütend. In den nächsten Minuten folgten Schüsse von Torre di Ruggiero, Aubin und Cropalati, die alle das gleiche Schicksal ereilte: sie fanden Nicola, den Mann mit den Magnetfingern. Der Torwart wuchs über sich hinaus, hechtete, faustete, blockte. Trainer Beyer lachte später: "Ich glaube, Luigi hat heute beschlossen, eine Wand zu sein."

Dann der nächste Rückschlag für Parma: In der 81. Minute sah der junge Innenverteidiger Manuel Castrovillari nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. "Er hat einfach zu sehr gewollt", meinte sein Trainer nüchtern. Zehn Minuten in Unterzahl - und trotzdem weiter Anrennen gegen die Wand.

In der Nachspielzeit versuchte Dario Cropalati noch einmal sein Glück aus der Distanz, Jean-Pierre Aubin in der 96. Minute ebenso. Nichts. Vielleicht war der Ball mittlerweile so müde vom vielen Fliegen, dass er einfach keine Lust mehr hatte, ins Tor zu gehen.

Rodengo verteidigte den knappen Vorsprung mit allem, was Beine hatte. Selbst Beyer stand zeitweise an der Seitenlinie im Abwehrmodus, Arme verschränkt, Blick gen Himmel. "Ich hab’s selbst nicht verstanden", gestand er später, "aber manchmal muss man das auch gar nicht. Drei Punkte sind drei Punkte."

Für Parma bleibt die Erkenntnis, dass Statistiken keine Tore schießen. 14:3 Schüsse, fast 60 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - und am Ende steht die Null. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, nur das Ergebnis ist schlecht", fasste Motta zusammen, "das ist Fußball in seiner grausamsten Form."

Rodengo hingegen feierte, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. Der 18-jährige Matchwinner Roggiano tanzte mit den Ersatzspielern über den Rasen, während der Trainer noch immer ungläubig auf die Anzeigetafel starrte.

Ein Abend, der zeigt: Talent, Taktik und Technik sind schön - aber manchmal reicht auch jugendlicher Leichtsinn und ein bisschen Glück. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne seufzte: "Wenn Parma so weiterspielt, gewinnt es vielleicht das Schönspielen, aber nicht die Spiele."

Und irgendwo lächelte der Fußballgott, weil er wieder einmal bewiesen hatte, dass er ein eigenwilliger Humorist ist.

27.11.643987 14:45
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Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler
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