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| L’Equipe |
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53100 Zuschauer im ehrwürdigen Stade Saint-Michel konnten kaum glauben, was sie da sahen: Der haushohe Favorit Paris St. Michel scheitert im Pokal-Viertelfinale mit 0:1 an AS Yzeure - einem Klub, dessen gesamter Jahresetat vermutlich nicht einmal den linken Schuh des Pariser Starstürmers bezahlt. Und doch, nach 90 intensiven Minuten stand auf der Anzeigetafel ein Ergebnis, das in der Hauptstadt für kollektives Kopfschütteln sorgen dürfte. Das Spiel begann eigentlich so, wie man es erwarten konnte: Paris mit Ball, Yzeure mit Nerven. Doch während die Hausherren den Ballbesitz (50,8 Prozent) wie eine Trophäe behandelten, behandelte Yzeure ihn wie ein Werkzeug - präzise, zielstrebig, gefährlich. Schon nach sechs Minuten prüfte Philippe Gauthier den Pariser Keeper Joseph Deschanel mit einem satten Schuss. Ein Warnschuss, wie sich herausstellen sollte. In der 17. Minute dann der Moment, der das Spiel auf den Kopf stellte: Daniel Bataillard, gerade einmal 21 Jahre jung, traf nach einem klugen Pass von Philippe Gagnon zum 1:0 für Yzeure. Ein trockener Abschluss ins rechte Eck, Deschanel streckte sich vergeblich. Der Gästeblock explodierte, und Bataillard verschwand irgendwo unter einem Haufen jubelnder Mitspieler. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Torschütze später, "und plötzlich war alles still - außer unser Trainer, der geschrien hat, ich soll wieder zurücklaufen." Paris reagierte mit wütenden Angriffen, doch die Präzision fehlte. Gerard Lessard und Louis Barre tauchten mehrfach gefährlich auf, aber AS-Torwart Vincent La Barre parierte, als hätte er Spiderman-Gene. "Ich hab heute einfach den Ball geliebt", sagte La Barre nach dem Spiel lachend. "Und wer liebt, lässt nicht los." Trainer Franz Huber von Paris St. Michel rang nach Abpfiff um Fassung. "Wir hatten 15 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - aber das eine Tor zählt, das wir nicht gemacht haben." Dann fügte er trocken an: "Wir wollten auf Konter spielen. Leider haben wir vergessen, dass man dafür auch führen muss." Die Szene des Abends ereignete sich in der 65. Minute, als Verteidiger Bernard Baillon nach einem unglücklichen Zusammenprall verletzt ausgewechselt werden musste. Ignacio Serna kam für ihn - und holte sich nur fünf Minuten später prompt die Gelbe Karte. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich da bin", rechtfertigte sich Serna später mit einem Schulterzucken. Yzeure verteidigte danach mit allem, was Beine hat. Philippe Gauthier konterte in der 87. Minute beinahe zum 2:0, doch Deschanel hielt Paris mit einer Glanzparade im Spiel. Im Gegenzug schoss Pierre Dubois den Ball in der 89. Minute eher in den Nachthimmel als aufs Tor - und der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Der Satellit wird in ein paar Minuten Paris überqueren." Als der Schlusspfiff ertönte, lagen die Spieler von AS Yzeure auf dem Rasen - nicht aus Erschöpfung, sondern aus Unglauben. "Das ist unser größter Sieg", jubelte Trainer Alain Morel, der nach Abpfiff beinahe im Spielertunnel verschwand, weil ihn seine Spieler auf den Schultern Richtung Kabine trugen. Die Statistik erzählt ein knappes Spiel: 15 zu 11 Torschüsse, fast ausgeglichener Ballbesitz - aber Yzeure war in den entscheidenden Momenten einfach klüger. Sie spielten mit einer erstaunlichen Ruhe, als hätten sie nichts zu verlieren. Und vielleicht war genau das ihr größter Vorteil: Während Paris seine eigene Überlegenheit verwalten wollte, spielte Yzeure einfach Fußball. Nach dem Spiel kam es noch zu einer kleinen Szene im Presseraum. Ein Reporter fragte Bataillard, was er als Erstes tun werde. Der junge Mann grinste: "Ich rufe meine Mutter an. Sie glaubt mir sonst nie." So endet das Märchen von Saint-Michel - und beginnt das von Yzeure. Ein Pokalabend, der beweist, dass Geld keine Tore schießt und Mut manchmal reicht, um Giganten zu stürzen. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions brummte: "Früher hieß es, Paris sei immer eine Reise wert. Heute eher: nur, wenn man als Außenseiter kommt." 23.06.2026 20:17 |
Sprücheklopfer
Bedanken möchten wir uns auch bei den Fans, auf denen wir uns immer verlassen konnten.
Andreas Brehme