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Es gibt Spiele, die sind nach 90 Minuten vorbei. Und dann gibt es Spiele wie dieses - nach 90 Minuten war Champagne AC heilfroh, dass es keine Verlängerung gab. 27.000 Zuschauer im Stade de la Rivière erlebten am Montagabend eine Demütigung in Reinform: Paris St. Michel spielte, als hätte man ihnen den Ball mit Sekundenkleber an die Füße gebunden - und gewann mit 7:0 (3:0). Schon nach sechs Minuten war klar, dass der Abend für die Gastgeber kein prickelnder werden würde - was angesichts des Vereinsnamens fast schon Ironie pur war. Adrian Lundqvist, der eiskalte Schwede im Pariser Sturm, ließ den ersten Schuss auf das Tor gleich im Netz zappeln. "Ich dachte, wir wollten erstmal den Ball laufen lassen", grinste sein Trainer Franz Huber später, "aber Adrian hatte wohl andere Pläne." Lundqvist hatte tatsächlich Großes vor: In der 21. Minute traf er erneut, wieder nach Vorlage des unermüdlichen Pierre Dubois. Champagne AC wirkte zu diesem Zeitpunkt wie eine Mannschaft, die ihre Einladung zum eigenen Untergang selbst verschickt hatte. Die Abwehr stand so offen wie eine französische Bäckerei am Sonntagmorgen. Maurice Lavoie, der Routinier im Pariser Sturmzentrum, wollte da nicht zurückstehen und erzielte in der 34. Minute das 3:0. Ramon Duran, der Dirigent im Mittelfeld, hatte ihm den Ball mustergültig serviert - und die Gastgeber wirkten, als hätten sie gerade erfahren, dass der Strom abgestellt wird. Zur Pause schien Trainer Franz Huber seine Mannschaft gebeten zu haben, das Ganze "seriös zu Ende zu bringen". Doch was folgte, war eher eine Gala-Vorstellung. Louis Barré, der 23-jährige Wirbelwind auf links, erhöhte in der 52. Minute auf 4:0 und legte in der 63. gleich noch einen nach. Wieder war Duran der Vorlagengeber - der Mann hätte wohl auch aus der eigenen Hälfte noch einen Assist geschafft. Eine Minute später durfte dann auch Eric Tremblay jubeln, der nach Durans dritter Vorlage des Abends per Distanzschuss das halbe Stadion in Staunen versetzte. 5:0, 6:0 - man verlor fast den Überblick über das Pariser Feuerwerk. In der 81. Minute schließlich machte Barré seinen Hattrick perfekt, diesmal nach Zuspiel von Tremblay - und das 7:0 war endgültig die höchste Heimniederlage in der Vereinsgeschichte von Champagne AC. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", gab der junge Torhüter Laurent Couture (18) ehrlich zu. "Ich dachte, vielleicht pfeift der Schiedsrichter früher ab, aus Mitleid." Tat er nicht. Stattdessen zückte er in der 20. Minute eine Gelbe Karte für Jerôme Bisson, der verzweifelt versucht hatte, Lundqvist zu stoppen - per beherztem Griff ans Trikot. Statistisch gesehen war das Spiel nicht ganz so einseitig, wie das Ergebnis vermuten lässt - zumindest, wenn man sehr genau hinschaut. Champagne hatte immerhin vier Torschüsse, Paris deren fünfzehn. Der Ballbesitz: 46 zu 54 Prozent. Aber was nützt Ballbesitz, wenn der Gegner mit jedem Angriff so präzise trifft, als spiele er Dart? Trainer Franz Huber lobte seine Mannschaft gewohnt trocken: "Wir haben heute unser Pflichtpensum erfüllt. Vielleicht ein bisschen übererfüllt." Sein Gegenüber - der sichtlich gezeichnete Coach von Champagne AC, der sich nach dem Spiel lieber hinter seiner Wasserflasche versteckte - murmelte nur: "Manchmal ist Fußball einfach grausam." Eine Szene kurz vor Schluss fasste den Abend perfekt zusammen: Nach einem Pariser Angriff rollte der Ball an die Eckfahne, Barré sprintete hin, stoppte ihn - und grinste in Richtung der Heimfans. "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", sagte er später, "aber dann dachte ich: Ach, ich mach lieber noch ein Tor." Gesagt, getan - das 7:0 fiel Sekunden später. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Pariser Spieler höflich, fast entschuldigend. Es war kein Sieg, es war eine Lehrstunde. Champagne AC wird sich fragen müssen, ob sie wirklich "offensiv" spielen wollten, wie es ihre taktische Ausrichtung vermuten ließ - oder ob das einfach ein sehr schlechter Scherz des Statistikers war. Zumindest eines bleibt sicher: Franz Hubers Mannschaft ist in dieser Form ein Meisterschaftsanwärter, der keine Gnade kennt. Und in Reims wird man sich wohl noch lange an diesen Abend erinnern - als den Tag, an dem der Champagner schal schmeckte und die Pariser die Gläser hoben. 25.05.2026 21:48 |
Sprücheklopfer
Ich gratuliere die Bayern.
Berti Vogts