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Paris St. Michel dreht das Spiel - und das Stadion tobt

56.000 Pariser im Prinzenpark hatten sich noch gar nicht richtig hingesetzt, da war schon klar: Das wird kein gemütlicher Europapokalabend. Paris St. Michel empfing PVC Eindhoven zum fünften Gruppenspiel der Europaliga - und lieferte ein 2:1 ab, das in seiner Dramaturgie fast schon französisches Theater war: laut, leicht überzogen, aber am Ende mit Happy End.

Von Beginn an schien Trainer Jakub Jakubov sein Team auf Attacke getrimmt zu haben. "Wir wollten zeigen, dass wir auch ohne Champagner-Fußball Tore schießen können", grinste der Taktiker nach dem Spiel. Seine Pariser legten los wie der TGV nach Marseille: In den ersten 20 Minuten hagelte es Schüsse - Barbosa, Jean-Pierre, Lavoie, Pernet - alles, was eine Wade hatte, prüfte den niederländischen Keeper Samuel Poe. Ganze 14 Torschüsse standen am Ende auf dem Konto der Hausherren, während Eindhoven auf magere fünf kam.

Doch Tore schießen, das ist bekanntlich eine komplizierte Wissenschaft. Und so nutzte ausgerechnet der Gast die erste klare Chance: In der 36. Minute schlich sich Giuseppe Romagnoli in den Rücken der Abwehr, nahm eine Kopfballverlängerung von Vidar Thomassen dankbar an und netzte trocken zum 0:1 ein. Das Pariser Publikum murmelte, der Gästeblock tanzte, und Jakubov gestikulierte wild an der Seitenlinie.

Vier Minuten später explodierte das Stadion allerdings: Leandro Barbosa, der bis dahin mehr Rasen als Ball getroffen hatte, zog von links nach innen und hämmerte das Leder nach Vorlage von Innenverteidiger Christian Bouchard unter die Latte - 1:1! "Ich hab einfach mal draufgehalten. Manchmal muss man die Schönheit des Zufalls würdigen", lachte Barbosa später in die Mikrofone.

Mit diesem Ergebnis ging’s in die Kabinen. Eindhoven, das bis dahin auf Konter und lange Bälle gesetzt hatte, wirkte zufrieden. Trainer Markus Frey brummte in der Pause angeblich: "Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir das noch mit Glück." Nun, Glück hatte er keins.

Kurz nach Wiederanpfiff folgte die Szene des Abends. Eric Tremblay, der Mittelfeldmotor der Pariser, steckte den Ball perfekt in die Gasse, und Maurice Lavoie, der bullige Mittelstürmer, schob überlegt an Poe vorbei - 2:1 (54.). Jubel, Pyro, französische Chansons aus der Kurve. Danach war es, als hätte jemand den Stecker gezogen: Paris verwaltete, Eindhoven rannte.

Frey reagierte mit drei Wechseln, brachte frischen Wind durch Van Buren, Males und Cure, doch gegen die solide Pariser Defensive war kein Durchkommen. "Wir haben ihnen den Ball gegeben, sie wussten nur nichts damit anzufangen", spottete Innenverteidiger Bouchard nach dem Abpfiff. Die Gäste suchten in der Schlussphase ihr Heil in langen Bällen - und fanden nur die Köpfe der Pariser Abwehr.

In der 88. Minute kam noch der junge Louis Barre für Barbosa und hätte beinahe das 3:1 erzielt - sein Schlenzer strich knapp am Pfosten vorbei. Trainer Jakubov klatschte trotzdem: "Wenn der Junge so weitermacht, darf er bald den Rasen länger betreten als seine Frisur hält."

Die letzten Minuten waren dann pure Nervensache. Gelb für Franck Morin in der Nachspielzeit, ein letzter verzweifelter Schuss von Azmi Ramon in der 91. - und dann der erlösende Pfiff. Paris St. Michel hatte den Abend, Eindhoven die Statistik auf dem Rückflug.

"Wir haben alles versucht, aber Paris war abgeklärter", gab Frey hinterher zu. Sein Gesicht sprach Bände, sein Händedruck mit Jakubov war sportlich, aber frostig.

Unterm Strich war es ein verdienter Sieg für Paris, das mit 50,5 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnenen Zweikämpfen (54,6 Prozent) und eben jener kleinen Portion Leidenschaft überzeugte, die an Europapokalnächten den Unterschied macht.

Und während die Fans in Blau und Rot noch "Allez Paris" skandierten, stand Jakubov bereits mit Notizblock am Spielfeldrand. "Wir müssen ruhiger werden, wenn wir führen", murmelte er. Dann grinste er breit und fügte hinzu: "Aber ehrlich, ein bisschen Drama gehört hier einfach dazu."

Ein bisschen Drama - das fasst diesen Abend wohl perfekt zusammen. Paris St. Michel bleibt auf Kurs Richtung K.o.-Runde, Eindhoven dagegen braucht im letzten Gruppenspiel ein Fußballwunder. Doch wenn man ehrlich ist: Heute war das größte Wunder, dass das Tornetz nach Barbo­sas Wuchtkanone überhaupt noch hängt.

30.06.643987 07:42
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Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler
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