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Wenn 33.071 Zuschauer im Estadio Guanare gleichzeitig aufspringen, weiß man: Es ist wieder einer dieser Abende, an denen Fußball zur Oper wird - mit Drama, Pathos und einem Helden in der Hauptrolle. Diesmal hieß der Held Martin Panero, der mit seinem zweiten Treffer in der 90. Minute Lladeros Guanare zum 2:1-Sieg über CF Maracaibo schoss. Dabei hatte es lange nicht nach einem Happy End ausgesehen. Maracaibo begann druckvoll, angetrieben vom wieselflinken James Robinson, der schon nach zwei Minuten den ersten Warnschuss abgab. "Wir wollten ihnen gleich zeigen, dass wir gekommen sind, um zu gewinnen", erklärte Robinson später - und fügte mit einem schiefen Grinsen hinzu: "Naja, das hat dann wohl nur zehn Minuten funktioniert." Denn in der zehnten Minute war es Filippo Caloveto, der nach feiner Vorarbeit von Marius Jakobsen trocken ins lange Eck abschloss. 1:0 für die Gäste - und Guanare wirkte zunächst konsterniert. Trainer Stephan Magiera stapfte an der Seitenlinie auf und ab, brüllte irgendetwas, das wohl als "mehr Mut!" gemeint war, aber klang wie ein Fluch in drei Sprachen. Seine Elf reagierte - langsam, aber spürbar. Fynn Kirchner übernahm das Kommando im Mittelfeld, stopfte Lücken, und in der 25. Minute zahlte sich die Geduld aus: Kirchner setzte sich über rechts durch, flankte punktgenau - und Panero köpfte zum 1:1 ein. Das Stadion atmete auf, Magiera umarmte den nächstbesten Co-Trainer, und selbst der Ordner an Tor 3 klatschte lässig mit. Bis zur Pause blieb es beim Unentschieden, auch weil Maracaibo mit 19 Torschüssen einfach nicht treffen wollte. "Wir hätten drei Spiele gewinnen können mit den Chancen", schnaubte Gästecoach Sprego Boss. "Aber wenn du das Tor nicht triffst, dann trifft dich das Schicksal." Das Schicksal trug in diesem Fall ein weiß-grünes Guanare-Trikot. Die zweite Halbzeit glich einem Abnutzungskampf. Guanare hatte etwas mehr vom Ball (55 Prozent Ballbesitz), Maracaibo aber die klareren Gelegenheiten. Torwart Marvin Stefan hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar schien. In der 66. Minute rettete er spektakulär gegen Caloveto, während der Trainer der Gäste schon den Jubelarm hob. Dann kam die Schlussphase, jene zehn Minuten, in denen Fußballromantik und Wahnsinn Hand in Hand gehen. Zunächst Gelb für Robinson (78.) nach einem rustikalen Einsteigen, das eher an Rugby erinnerte, dann Gelb für Innenverteidiger Cloutier (88.), der offenbar zu sehr an Paneros Trikot hing. "Ich wollte nur wissen, aus welchem Stoff das ist", verteidigte sich Cloutier später grinsend. Und dann - 90. Minute. Arto Peltonen, bislang unauffällig, schlich sich über links durch, passte flach in den Strafraum, wo Panero lauerte wie eine Raubkatze im hohen Gras. Ein kurzer Blick, ein Schuss, ein Tor. Guanare 2, Maracaibo 1. Der Rest war Jubel, Rauch, und ein Stadion, das bebte wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. "Das war pure Leidenschaft", sagte Doppeltorschütze Panero, noch mit Grasflecken auf dem Trikot. "Ich dachte, der Ball würde nie kommen - und dann war er plötzlich da. Ich musste ihn nur noch reinwehen." Trainer Magiera umarmte ihn mit der Inbrunst eines Mannes, der weiß, dass seine Taktik - defensiv, aber wachsam auf Konter - am Ende aufgegangen ist. Maracaibo hingegen verließ den Platz mit hängenden Köpfen. Ihre offensive Ausrichtung - viel Konter, viel Risiko - blieb unbelohnt. Boss versuchte es mit Galgenhumor: "Wir hatten mehr Schüsse, mehr Chancen, mehr Ärger. Aber sie hatten Panero." Die Statistik unterstreicht den bitteren Witz: 19 Schüsse der Gäste, 11 der Hausherren. Doch Effektivität schlägt Quantität, und so bleibt der Sieg in Guanare. Am Ende standen sie da, die Helden in Grün, und ließen sich feiern. Einer rief ins Mikrofon: "Zuhause verlieren wir nicht!" - und das Publikum glaubte es ihm. Vielleicht, weil Fußball manchmal genau das ist: ein Spiel, das man nicht immer versteht, aber umso mehr fühlt. Ein sarkastischer Kollege murmelte auf der Pressetribüne: "Magiera defensiv? Vielleicht. Aber im Jubeln ist er offensiv genug." Treffender kann man diesen Abend kaum zusammenfassen. 11.07.643987 18:22 |
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Mario Basler