// Startseite
| A Bola |
| +++ Sportzeitung für Portugal +++ |
|
|
|
Segunda Liga | 17. Spieltag | 21.07.26 | Pacos de Ferreira - FC Marco 1:1 Denn was als Start nach Maß begann, endete in einem zähen 1:1‑Remis gegen den FC Marco, das beide Seiten irgendwie unzufrieden zurückließ. Ferreira dominierte anfangs mit leichtem Ballbesitzvorteil (52 %) und dem sicheren Gefühl, das Spiel im Griff zu haben. Doch Trainer Marco van Basten - ja, tatsächlich, der van Basten - hatte seine Jungs vom FC Marco offenbar gut eingestellt: "Wir wussten, dass wir Geduld brauchen. Und dass man manchmal in Portugal eben erst nach der Pause anfängt zu spielen." Diese Geduld zahlte sich direkt nach Wiederanpfiff aus. Kaum hatte der Schiedsrichter zur zweiten Halbzeit geblasen, nutzte Olivier DeBrosse eine Unachtsamkeit in der Ferreira‑Abwehr und traf in der 46. Minute zum Ausgleich. Der Pass kam vom erst 17‑jährigen Vitor Costa, der keine zehn Minuten zuvor eingewechselt worden war. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich hier hingehöre", sagte der Teenager, sichtlich stolz und mit leicht zittriger Stimme. Von da an kippte das Spiel. Marco drängte, Ferreira konterte, und das Publikum schwankte zwischen Begeisterung und Nervenzusammenbruch. Insgesamt kamen die Gäste auf 16 Torschüsse, die Gastgeber auf 12 - Zahlen, die deutlich machen, dass hier niemand den Bus geparkt hat. In der 57. Minute donnerte Adriano Varela einen Schuss aus zwölf Metern knapp über das Tor. Ein Fan hinter mir stöhnte: "Der Ball hatte mehr Drall als meine Waschmaschine." Keine Übertreibung. Auf der anderen Seite prüfte der junge Dusan Krejci den Ferreira‑Keeper Adam Dreszer gleich mehrfach - in der 22., der 28., der 49. und der 69. Minute. Der 18‑jährige Tscheche schien sich vorgenommen zu haben, den Ball so lange aufs Tor zu feuern, bis einer durchrutscht. Tat er aber nicht. Dreszer, sonst eher ein Mann der ruhigen Worte, rief nach einer Parade: "Heute kriegt mich keiner klein!" - laut genug, dass selbst die Ersatzbank schmunzeln musste. Das Spiel blieb intensiv, aber fair - bis zur 77. Minute, als Vitorino Ferreira (FC Marco) sich eine Gelbe Karte abholte, weil er glaubte, mit ausgestrecktem Bein den Ball zu treffen. Tat er nicht. Zehn Minuten später traf es Gaetano Nicola, ebenfalls Gelb, ebenfalls wegen übertriebener Begeisterung. Und dann, kurz vor Schluss, die Szene, über die noch gesprochen werden wird: Francesco Lattarico, der altgediente Mittelfeldmann von Pacos, sah Rot in der 89. Minute nach einem rustikalen Einsteigen. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er später, "aber der Ball war halt schon weg." Nach 90 Minuten stand ein 1:1, das sich wie ein verpasster Sieg für die Hausherren und wie eine kleine Auferstehung für die Gäste anfühlte. Van Basten fasste es trocken zusammen: "Wir sind jung, wir lernen - und heute haben wir gelernt, dass man in der Pause manchmal Gold findet." Sein Gegenüber, der nicht namentlich genannte Trainer von Ferreira, wollte das nicht so stehen lassen: "Wir haben’s hergeschenkt. Wir waren zu brav nach der Führung. Vielleicht hätten wir auch mal etwas holländische Frechheit gebraucht." Auf den Tribünen applaudierten die Heimfans trotzdem, vielleicht aus Dankbarkeit für einen heißen Abend mit viel Drama und viel Luft nach oben. Und irgendwo in der Ferne sah man Julian Vaz noch immer kopfschüttelnd Richtung Kabine gehen. "Ein Tor nach vier Minuten", murmelte er, "und am Ende fühlt’s sich an wie eine Niederlage." Vielleicht war es das - zumindest emotional. Auf dem Papier steht aber: Pacos de Ferreira - FC Marco 1:1 (1:0). Und in der Segunda Liga geht der Tanz weiter, mit 16 000 Zuschauern, die wissen, dass auch ein Unentschieden manchmal mehr erzählt als ein Sieg. Schlusswort? Nun, wenn Fußball ein Roman wäre, dann war das hier das Kapitel, in dem der Held zu früh jubelt - und der Lehrling ihm das Happy End stiehlt. 21.07.2026 21:14 |
Sprücheklopfer
Das ist das Problem in Frankfurt: Hier muss einer nur dreimal mit dem Hintern wackeln, und schon ist er ein guter Spieler.
Jupp Heynckes