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So mancher Zuschauer auf den Tribünen des kleinen Bückeburger Stadions hatte wohl schon den Autoschlüssel in der Hand, als das Spiel in die Nachspielzeit ging. 0:0, ein Punkt für den VfL Bückeburg, immerhin gegen den offensivstarken FK Pirmasens - das wäre doch was gewesen. Doch wer in der 91. Minute schon Richtung Parkplatz schielte, verpasste das Drama: Müjdat Öztürk, der eingewechselte Flügelflitzer aus Pirmasens, hatte offensichtlich keine Lust auf Punkteteilung. In nur vier Minuten traf er zweimal und verwandelte das zähe Oberliga-Duell in einen späten Triumph für die Gäste. Endstand: 0:2 (0:0). Dabei hatte das Spiel alles andere als nach Toren geschrien. Pirmasens zeigte sich von Beginn an überlegen - offensiv, ballsicher, mit 55 Prozent Ballbesitz und einem wahren Feuerwerk an Chancen. Zwanzig Torschüsse verzeichneten die Gäste laut Statistik, Bückeburg ganze zwei. "Wir hätten auch zwanzig Tore schießen können", grinste Pirmasens-Coach Gudrun Schweitzer nach der Partie, "aber wir wollten’s wohl spannend halten." Ihre Mannschaft drückte von Anfang an, doch ob Alexander Satchmore (1., 33., 34., 69., 88.) oder Alex Coviello (2., 11., 22., 63.) - die Kugel wollte einfach nicht rein. Bückeburg dagegen verteidigte tapfer, manchmal heldenhaft, manchmal einfach nur mit Glück. Torhüter Heinrich Wolter wuchs zwischen den Pfosten über sich hinaus, warf sich in alles, was nach Leder aussah, und hielt seine Mannschaft lange im Spiel. "Ich hatte das Gefühl, die Pirmasenser schießen aus Prinzip auf mich", schnaufte er später und grinste schief. "Aber hey, ist ja auch nett, wenn man mal im Mittelpunkt steht." Kurz vor der Pause sorgte Noah Schüler auf Bückeburger Seite für den lautesten Moment der ersten Halbzeit - allerdings mit einer gelben Karte in der 43. Minute, nachdem er sich lautstark über eine Einwurfentscheidung beschwert hatte. Trainer Jakob Sorglos ("der Name ist Programm", wie ein Fan mit bitterem Lächeln anmerkte) nahm’s gelassen: "Noah hat Emotionen gezeigt, das ist doch schön. Irgendwer muss ja wach sein." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Pirmasens blieb offensiv, Bückeburg blieb hinten drin. Schweitzer brachte in der 46. Minute den späteren Matchwinner Öztürk, und der gab dem Spiel tatsächlich eine neue Note: Tempo, Drang, freche Dribblings. Der 24-Jährige prüfte Wolter in der 51. und 57. Minute, verfehlte knapp oder scheiterte am Keeper. Auch Youngster Stefan Keller, gerade mal 17, durfte ab der 72. Minute ran - ein mutiger Wechsel, der sich auszahlte, denn er war in die Schlussphase aktiv eingebunden. Dann kam die Nachspielzeit. 91. Minute: Ein schneller Angriff über die Mitte, Kornej Babinow steckt durch, Öztürk bleibt cool und schiebt ins lange Eck. 0:1. Jubel auf der Gästebank, ungläubiges Schweigen bei den 3459 Zuschauern. Bückeburg taumelte, suchte verzweifelt nach einem letzten Angriff, fand aber nur noch den nächsten Gegentreffer. 95. Minute: Archie MacAlister legt quer, Öztürk erneut eiskalt. 0:2. Und als Jonas Walther kurz darauf verletzt liegen blieb und ersetzt werden musste, war der Abend für den VfL endgültig gelaufen. "Das ist bitter, so spät zwei Dinger zu kriegen", murmelte Trainer Sorglos nach der Partie, während er sich die Mütze vom Kopf zog. "Aber wir haben uns heute alles abverlangt. Vielleicht zu früh mit dem Feiern angefangen." Pirmasens dagegen feierte ausgelassen. "Wir wussten, dass die Tore kommen", sagte Doppel-Torschütze Öztürk, der nach Abpfiff noch lange mit den Fans klatschte. "Manchmal musst du einfach dran glauben - und ein bisschen frech sein." Aus neutraler Sicht bleibt festzuhalten: Ein verdienter Sieg für den FK Pirmasens, auch wenn der Weg dahin unnötig spannend war. Bückeburg hielt wacker dagegen, verteidigte mit Herz, aber ohne Entlastung. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sind in der Oberliga einfach zu wenig, um Punkte mitzunehmen. Und so endete ein kalter Februarabend in Bückeburg mit einer Lektion in Geduld und Effizienz. Während die Heimfans frustriert in die Nacht stapften, verabschiedeten sich die Gäste mit breitem Grinsen und zwei späten Toren im Gepäck. Oder wie ein älterer Zuschauer hinter der Haupttribüne lakonisch meinte: "Wenn du nach 90 Minuten noch denkst, das war’s - dann kommt halt der Öztürk." 27.01.643991 23:53 |
Sprücheklopfer
Grundsätzlich muss man sich überlegen, ob man dann weitermacht. Aber ich lasse mir da Zeit, ich denke da kurzfristig.
Rudi Völler nach dem 1:5 gegen England