// Startseite
| El Colombiano |
| +++ Sportzeitung für Kolumbien +++ |
|
|
|
Ein Abend der frühen Tore, späten Gelben und bittersüßen Ironie Real Pereira hatte sich viel vorgenommen für diesen 30. Spieltag der 1. Liga Kolumbien. 12.500 Zuschauer strömten ins heimische Estadio Pereira, die Sonne war schon untergegangen, die Trommeln dröhnten, der Grillgeruch lag in der Luft - beste Voraussetzungen für einen Fußballabend. Nur: Onse Taldas hatte andere Pläne. Und die setzten sie mit chirurgischer Präzision um. Schon nach fünf Minuten war es passiert. Knud Foerster, der blonde Wirbelwind auf der linken Seite, zog nach innen, bekam den Ball von Adrian Warzycha - und hämmerte ihn humorlos ins rechte Eck. 1:0. Der Heimtorwart Jose Enrique Semedo sah dem Ball nur hinterher, als wäre er gerade Zeuge einer Naturgewalt geworden. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", flüsterte er später mit einem gequälten Lächeln. Wer glaubte, Real Pereira würde danach aufwachen, irrte. Nur sieben Minuten später zog Onse Taldas den nächsten Streich. Sergio Varela, ein Mittelfeldmann mit der Ruhe eines Uhrmachers, nahm die Hereingabe des linken Verteidigers Ivica Jestrovic direkt aus der zweiten Reihe - und traf flach ins Eck. 2:0 nach zwölf Minuten. Auf der Bank von Real Pereira griff Trainerassistent Marcos nur an seine Stirn: "Das ist kein Albtraum, das ist Montagabend." Dabei hatte Pereira gar nicht so schlecht mitgespielt. 51 Prozent Ballbesitz, viel Laufarbeit, ein paar ordentliche Kombinationen - aber vorne war einfach nichts los. Fünf Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, meist harmlose Versuche von Rui Diaz oder dem jungen Marc Caneira. Der Ballbesitz war so fruchtlos wie ein Kaktus im Winter. Onse Taldas hingegen spielte, als hätten sie Espresso in den Adern. 15 Schüsse aufs Tor, unermüdliche Läufe, und trotz einiger rustikaler Einlagen (drei Gelbe, eine Gelb-Rote) stets gefährlich. Besonders Adrian Warzycha fiel auf - zunächst als Vorlagengeber, später als Torschütze und schließlich als wandelnde Gelb-Gefahr. In der 70. Minute sah er Gelb, vier Minuten zuvor hatte sein Teamkollege Kian Warriner nach Gelb-Rot schon den Weg in die Kabine angetreten. Warriners Abgang war eine Szene für die Galerie: Nach einem übermotivierten Tackling stellte der Schiedsrichter ohne Zögern auf Gelb-Rot. Warriner hob die Hände, als wolle er sagen: "Ich wollte doch nur den Ball streicheln." Trainer Özkan Kaplan kommentierte später trocken: "Unsere Jungs sind leidenschaftlich. Manchmal zu leidenschaftlich. Aber lieber so als schläfrig." Kaplan konnte sich solche Bonmots leisten, denn sein Team führte souverän. Selbst in Unterzahl ließ Onse Taldas kaum etwas zu. In der Nachspielzeit krönten sie ihre Leistung mit dem 3:0 - wieder war Warzycha beteiligt, diesmal als Vollstrecker. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Ireneusz Scherfke nahm er den Ball elegant mit der Brust an, ließ einen Gegenspieler aussteigen und schloss ab, als wäre das alles ein Trainingsspiel. "Das war die Kirsche auf dem Kuchen", grinste Warzycha anschließend. "Nur dass unser Kuchen heute aus Beton war - da kam keiner durch." Real Pereira-Trainer, der nach dem Spiel wortkarg blieb, murmelte lediglich: "Wenn du in den ersten zwölf Minuten zwei fängst, kannst du auch gleich Lotto spielen." Seine Mannschaft blieb ideenlos, taktisch zwar "ausgewogen", wie die Statistiker später notierten, aber das half wenig. Kein Pressing, wenig Risiko, und immer einen Schritt zu spät. Während Onse Taldas offensiv eingestellt begann und die Partie praktisch in der Anfangsphase entschied, blieb Pereira brav in der "Balanced"-Zone - fast schon meditativ. Vielleicht zu sehr. Die Zuschauer quittierten die Darbietung mit einer Mischung aus Pfeifen und höflichem Applaus - man kennt das in Pereira: Man liebt den Klub, auch wenn er einen manchmal zur Verzweiflung treibt. Ein älterer Fan im gelben Trikot fasste es beim Verlassen des Stadions zusammen: "Wir hatten mehr Ballbesitz, ja. Aber was bringt’s, wenn der Ball nie dahin geht, wo’s weh tut?" Am Ende bleibt ein klares Resultat: 0:3 (0:2) aus Sicht von Real Pereira. Drei Tore, drei verschiedene Geschichten - ein verdienter Sieg für Onse Taldas, die sich in dieser Form wohl auch gegen stärkere Gegner nicht verstecken müssen. Und Real Pereira? Die müssen sich fragen, ob sie künftig mehr Mut zeigen wollen - oder weiter darauf hoffen, dass Ballbesitz irgendwann Tore schießt. Ein sarkastischer Gedanke zum Schluss: Vielleicht sollte Pereira die nächste Partie einfach mit einem Torschuss beginnen. Dann wären sie wenigstens mal zur Abwechslung früh dran. 22.08.643993 14:15 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: