El Colombiano
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Onse Taldas ringt Expresso Roho nieder - späte Erlösung nach hitziger Partie

Ein Freitagabend in Kolumbien, 29. Spieltag der 1. Liga, Flutlicht, 27.000 Zuschauer - und ein Spiel, das von Minute zu Minute mehr nach einem Drama roch. Am Ende jubelte Onse Taldas über ein 2:1 gegen die Gäste von Expresso Roho, doch der Weg dahin war alles andere als gemütlich.

Schon in der 9. Minute wurde das Stadion schockgefrostet: Expresso Rojos Rechtsverteidiger Rafael Vasquez, sonst eher für Grätschen als für Glanztore bekannt, zog nach einem Doppelpass mit Corey Robert einfach mal ab - und traf. "Ich dachte, der Ball wird sowieso geblockt", grinste Vasquez später. "Dann war er plötzlich drin. Ich schwöre, ich wollte flanken."

Onse Taldas, von Trainer Özkan Kaplan gewohnt taktisch ausgewogen eingestellt, brauchte einige Minuten, um sich zu schütteln. Die Hausherren hatten zwar den Ball, aber nicht das Glück. In den ersten 20 Minuten schoss Ireneusz Fojut, der rechte Mittelfeldmotor, gefühlt auf alles, was sich bewegte - nur eben nicht ins Tor. Dafür kassierte er in der 22. Minute eine Gelbe Karte und ein Stirnrunzeln seines Trainers: "Ich hab ihm gesagt, er soll zielstrebiger werden. Er hat mich wohl zu wörtlich genommen", witzelte Kaplan.

Doch kurz vor der Pause kam die Erlösung: In der 37. Minute war es Adrian Warzycha, der nach feinem Zuspiel von Fojut den Ball aus spitzem Winkel ins Netz drosch. Der Jubel war laut, der Trainer erleichtert, und der Pausentee schmeckte gleich doppelt so süß.

"Wir wussten, dass sie nach dem Ausgleich wackeln", meinte später Sergio Varela, der in der zweiten Halbzeit zur Hauptfigur werden sollte. Doch zunächst ließ Onse Taldas Chancen liegen - und wie! Filipe Juanez (50., 57., 87.) schoss dreimal aus bester Position, aber jedes Mal stand Expresso-Keeper Juan Pablo Mendes im Weg, manchmal auch einfach das eigene Ego.

In der 61. Minute dann die Szene, die das Spiel kippte: Expresso-Mittelfeldmann Jorge Ramiro kam gegen Dylan Giles zu spät, holte sich glatt Rot ab. "Ich habe nur den Rasen getroffen", beteuerte Ramiro - was stimmte, nur eben mit offener Sohle. Danach spielte Expresso mit zehn Mann, während Trainer Kaplan an der Seitenlinie die Hände rieb.

Onse Taldas schnürte die Gäste hinten ein, der Ballbesitz sprach Bände - 57 zu 43 Prozent, 16:6 Torschüsse. Trotzdem dauerte es bis zur 85. Minute, ehe der Ball endlich wieder im Netz zappelte. Sergio Varela, bisher unauffällig, schlich sich nach vorn, bekam einen cleveren Pass von Dylan Giles und traf trocken links unten. "Ich hab einfach mal nicht nachgedacht", sagte Varela. "Vielleicht sollte ich das öfter probieren."

Das Stadion bebte, die Fans sangen, und Trainer Kaplan brüllte seine Freude fast in die Flutlichtmasten. "Wir haben heute Charakter gezeigt", erklärte er später auf der Pressekonferenz. "Und ja, vielleicht auch ein bisschen Glück - aber das gehört zum Plan."

Expresso Roho versuchte in den Schlussminuten noch einmal alles. Xavier de la Sota prüfte in der 90. Minute Torwart Ryan Stack mit einem Distanzschuss, doch der Keeper war auf dem Posten. Danach nur noch Frust bei den Gästen - und eine letzte Gelbe, diesmal für Reece Douglas (72.), der offenbar vergessen hatte, dass Fußball kein Kampfsport ist.

Nach Schlusspfiff klatschten die Spieler von Onse Taldas ihre Fans ab, während bei Expresso Roho die Köpfe hingen. "Wir haben uns selbst geschlagen", murmelte Kapitän Damian Aguas, der schon in der 31. Minute Gelb gesehen hatte. "Erst schenken wir ihnen den Ausgleich, dann holen wir uns Rot - das ist wie ein schlechter Witz."

Ein schlechter Witz vielleicht, aber einer, über den sich die 27.000 im Stadion königlich amüsierten. Onse Taldas bleibt mit diesem Sieg weiter oben dran, während Expresso Roho in der Tabelle langsam aber sicher den Espresso verschüttet.

Und irgendwo in der Kabine, so erzählt man sich, soll Trainer Kaplan noch einmal laut gelacht haben: "Ich hab’s ja gesagt - manchmal reicht ein bisschen Geduld… und ein Mittelfeldspieler mit Schusslaune."

Fazit: Fußball kann grausam sein - oder, wenn man Onse Taldas heißt, einfach wunderbar gerecht.

20.12.643987 17:40
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack
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