El Colombiano
+++ Sportzeitung für Kolumbien +++

Onse Taldas fliegt über die Flügel - Barranquilla bleibt am Boden

Ein lauer Abend in Barranquilla, 20.000 Zuschauer, karibisches Flutlicht und die Hoffnung auf einen Heimsieg - doch am Ende blieb nur das Summen der Ventilatoren und ein enttäuschtes Murmeln auf den Rängen. UD Barranquilla unterlag am 28. Spieltag der 1. Liga Kolumbien dem Gast aus Onse Taldas mit 0:2 (0:2). Und das war, um es freundlich zu formulieren, noch schmeichelhaft für die Gastgeber.

Bereits nach sieben Minuten zappelte der Ball im Netz. Filipe Juanez, der rechte Flügelstürmer der Gäste, nutzte eine der vielen Lücken in Barranquillas Hintermannschaft und verwandelte nach einem feinen Querpass von Maurice Duchesne eiskalt. "Ich hab gesehen, dass der Keeper zu früh runterging - da war das Ding eigentlich schon drin, bevor ich schoss", grinste Juanez hinterher.

Barranquilla wirkte überrascht, fast überfordert. Zwar versuchte Silvestre Calvente kurz darauf mit einem beherzten Schuss von rechts, ein Zeichen zu setzen (5. Minute), doch der Ball war mehr Mahnung als Gefahr. Danach rollte Angriff um Angriff auf Torwart Tomasz Link zu. Onse Taldas spielte wie aus einem Guss, mit kurzen Pässen über die Flügel, energischem, aber nicht überhartem Pressing - die Statistik sprach Bände: 18 Torschüsse zu einem einzigen der Hausherren, 52 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe.

Das Publikum reagierte zunächst mit Anfeuerung, später mit Ironie. In der 25. Minute rief ein Fan lautstark: "Vielleicht kriegen wir ja in der zweiten Halbzeit den Ball!" - woraufhin ein anderer trocken zurückgab: "Welchen Ball?"

In der 31. Minute durfte Juanez erneut jubeln. Nach einem präzisen Zuspiel von Mittelstürmer Isaac Hoskins netzte der flinke Flügelmann erneut ein - wieder rechts, wieder unhaltbar. Trainer Özkan Kaplan von Onse Taldas hob nur kurz die Faust, blieb ansonsten stoisch. "Wir haben das trainiert. Filipe weiß, wann er gehen muss. Das war kein Zufall", erklärte Kaplan später mit einem zufriedenen Lächeln.

Barranquilla dagegen suchte nach Antworten - und fand keine. Coach und Taktik blieben trotz Rückstand offensiv ausgerichtet, doch das Spiel nach vorn blieb zäh wie Zuckerrohrsirup. José Barbosa im Mittelfeld kämpfte tapfer, aber seine Pässe fanden selten Abnehmer. Rechtsverteidiger Isidoro Ze Castro winkte mehrfach verzweifelt nach vorne, doch niemand startete. "Wir wollten mutig bleiben", sagte er nach dem Spiel, "aber irgendwann merkst du: Mut ohne Ball bringt dich auch nicht weit."

In der zweiten Hälfte tat Onse Taldas, was kluge Mannschaften tun: Sie kontrollierten das Spiel, ohne sich zu verausgaben. Fabio Ibanez, Maurice Duchesne und Isaac Hoskins schossen gefühlt im Fünf-Minuten-Takt aufs Tor - mal knapp vorbei, mal in die Arme von Link. Der Keeper Barranquillas hatte einen dieser Abende, an denen man trotz Gegentoren Lob verdient. Ohne ihn wäre das Ergebnis wohl zweistellig geworden.

Die einzige nennenswerte Szene der Gastgeber nach der Pause bestand in einer Gelben Karte: Innenverteidiger Caio Pelayo sah sie in der 85. Minute nach einem rustikalen Rempler. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", kommentierte er halb scherzend, halb resigniert.

Als Schiedsrichter Hernández das Spiel abpfiff, applaudierten die mitgereisten Fans von Onse Taldas, während die Heimkurve in höflichen Applaus und müdes Schweigen verfiel. Filipe Juanez wurde folgerichtig zum Mann des Abends gekürt. "Zwei Tore sind schön", meinte er, "aber ehrlich gesagt: Wir hätten fünf machen müssen."

Trainer Kaplan nickte zustimmend. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber vorne waren wir manchmal zu verspielt. Trotzdem: Ein Auswärtssieg in Barranquilla ist immer besonders."

Ganz anders die Stimmung beim Heimteam: Die Spieler schlichen vom Platz, Coach (dessen Name an diesem Abend lieber ungenannt bleiben möchte) starrte minutenlang auf den Rasen. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz ohne Ideen nichts wert ist", murmelte er.

Fazit: Onse Taldas war an diesem Abend schlicht eine Klasse besser - schneller, präziser, wacher. UD Barranquilla dagegen wirkte wie ein Orchester, das zwar die Instrumente, aber nicht die Partitur kannte. Und so blieb den Zuschauern nur der Trost, dass selbst eine 0:2-Niederlage im warmen Abendwind von Barranquilla irgendwie leichter zu ertragen ist.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Wir haben wenigstens das schönere Trikot." Manchmal ist das eben auch eine Form von Sieg.

09.12.643987 01:57
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