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Es war alles angerichtet für einen gemütlichen Fußballabend an der Adria: 14.509 Zuschauer, Flutlicht, ein laues Januar-Lüftchen und Olympia Trogir, das nach dem frühen Führungstreffer durch Pedro Couto in der 5. Minute bereits vom nächsten Heimsieg träumte. Doch was danach geschah, erinnerte weniger an mediterrane Leichtigkeit als an einen schweren kroatischen Wintereinbruch. Medimurje Cakovec drehte nach der Pause auf und fegte den Gastgeber mit 4:1 aus dem eigenen Stadion - ein Ergebnis, das Trogir-Trainer und Fans gleichermaßen sprachlos zurückließ. Dabei hatte alles so gut begonnen. Schon der erste ernsthafte Angriff brachte Erfolg: Javi Viqueira flankte präzise von links, und Pedro Couto schob lässig zum 1:0 ein. "Ich dachte, das wird ein ruhiger Abend", murmelte Couto später, während er sich die gelbe Karte aus der 85. Minute noch selbst nicht so recht erklären konnte. Seine Körpersprache sagte: alles gegeben, aber irgendwie auch alles verloren. Olympia kontrollierte das Spiel zunächst mit 55 Prozent Ballbesitz, ließ den Ball gefällig laufen und schien die Gäste aus Cakovec im Griff zu haben. Doch Medimurje wartete geduldig, lauerte auf Konter - ganz nach Lehrbuch ihres Trainers Rocky Pet. "Wir sind keine Ballbesitzromantiker", grinste Pet nach dem Spiel. "Wir sind Realisten. Und Realisten schießen vier Tore." Der Wendepunkt kam unmittelbar nach dem Wiederanpfiff. In der 46. Minute schlug Cesc Navarro zu - nach einem feinen Zuspiel von Marc Dominguez. Kaum hatten sich die Zuschauer wieder gesetzt, zappelte der Ball im Netz. Olympia wankte, Cakovec roch Blut. Nur acht Minuten später war es wieder Navarro, diesmal nach Vorlage von Luke Giles. Zwei Schüsse, zwei Tore - Effizienz in Reinform. "Ich habe einfach geschossen", erklärte Navarro lakonisch. "Manchmal hilft das." Noch ehe Trogir sich sortieren konnte, schlug Humberto Carvalho in der 56. Minute zu. Der linke Verteidiger, sonst kein Torjäger, zog aus spitzem Winkel ab - 3:1. Auf der Tribüne fragte ein älterer Fan ungläubig: "Carvalho? Hat der überhaupt einen linken Fuß?" - er hatte, und wie. Olympia versuchte zu reagieren, doch die Angriffsbemühungen verpufften. Alen Labak rackerte, Nelson Quevedo zirkelte, Pedro Couto biss - aber der Ball wollte nicht mehr rein. 13 Torschüsse, kein weiterer Treffer. Stattdessen sorgte ausgerechnet ein 17-jähriger Debütant für den Schlusspunkt: Georgi Donkow, frisch eingewechselt, traf in der 86. Minute zum 4:1. Passgeber: der ebenfalls jugendliche Antonio Garcia, 18 Jahre jung. "Ich hab ihm einfach gesagt: Lauf, Junge!", lachte Garcia nach dem Abpfiff. Rocky Pet konnte sich das Grinsen kaum verkneifen. "Das nennt man dann wohl Nachwuchsförderung in Echtzeit", meinte er. Auf der anderen Seite stand ein konsternierter Olympia-Coach, dessen Name sich in den offiziellen Unterlagen wohlweislich nicht fand - vielleicht besser so. Cakovec spielte mit offenem Visier, offensiv eingestellt, mit langen Pässen und Konterfokus - und es funktionierte perfekt. Olympia dagegen blieb in seiner ausgewogenen, fast vorsichtigen Taktik stecken. Kein Pressing, keine Überraschung, kein Aufbäumen. "Wir wollten ruhig bleiben", verteidigte sich Abwehrchef Ferenc Kovrig. "Vielleicht waren wir zu ruhig." Auch die Statistik erzählt eine klare Geschichte: Mehr Ballbesitz für Trogir, mehr Schüsse für Cakovec (16 zu 13), eine etwas bessere Zweikampfquote für die Gäste. Und vor allem: vier Tore aus vier Momenten eiskalter Entschlossenheit. Am Ende applaudierten selbst einige der Heimfans höflich - vermutlich aus Respekt, vielleicht auch aus Erleichterung, dass es endlich vorbei war. "Das Ergebnis klingt hart, aber es ist verdient", resümierte Olympia-Kapitän Nelson Quevedo. "Wir haben nach dem 1:1 aufgehört, an uns zu glauben. Und Cakovec hat einfach weitergespielt - als wäre das hier ihr Heimstadion." Ein bisschen war es das auch. Denn wer so unerschrocken auftritt, als hätte man nichts zu verlieren, der gewinnt am Ende oft alles. Und so zog Cakovec in der Tabelle weiter nach oben, während Olympia Trogir wohl noch eine Weile über diesen Abend reden wird. Vielleicht als Mahnung, dass 45 gute Minuten manchmal einfach nicht reichen. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Schön war’s - zumindest bis zur Pause." 18.06.643987 17:32 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack