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Basel bebte. 59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion hofften auf eine magische Nacht, auf das Wunder vom Rhein. Am Ende blieb es bei einem beachtlichen Kampf - und einer ebenso bitteren wie lehrreichen 2:3-Niederlage der Old Boys Basel gegen Pivara Celarevo. Die Serben ziehen damit ins Finale der Champions League ein, während die Basler das Feld erhobenen Hauptes verlassen dürfen - wenn auch mit hängenden Schultern. Schon in den ersten Minuten war klar: Celarevo hatte seine Hausaufgaben gemacht. Coach Andreas Go ließ offensiv anlaufen, aggressiv pressen - und die Old Boys wirkten, als hätten sie den Anpfiff verpasst. Bereits in der 6. Minute klingelte es: Florian Masse, der unermüdliche Mittelfeldmotor, traf nach Vorarbeit von Ediz Sargun zum frühen 0:1. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing hier sind", grinste der Torschütze später. Und Basel? Wachte kurz auf, um dann gleich wieder einen Schlag zu kassieren. In der 15. Minute kombinierte sich Pivara über die rechte Seite durch, Jan Brezinsky flankte punktgenau, Göran Nilsson nickte wuchtig ein - 0:2. Heimtrainer André Marsmann vergrub die Hände in den Taschen und murmelte laut genug, dass man es in Reihe drei noch hören konnte: "Das war so nicht der Plan." Zur Pause sah es düster aus. Der Ballbesitz war mit 48 Prozent fast ausgeglichen, aber die Serben hatten einfach mehr Biss, mehr Glaube, mehr Tore. In der Kabine muss Marsmann wohl deutliche Worte gefunden haben - oder einfach den Kaffee nachgefüllt. Denn nach dem Seitenwechsel zeigte Basel plötzlich Herz. Zunächst allerdings der nächste Tiefschlag: Nur Sekunden nach Wiederanpfiff, in der 46. Minute, nutzte Innenverteidiger Goran Kezman einen Eckball und köpfte zum 0:3. "Wenn sogar der Verteidiger trifft, weißt du, dass es läuft", lachte Celarevo-Coach Go später süffisant. Aber Basel gab nicht auf. Angetrieben vom jungen Samuel Stanton, der an diesem Abend spielte, als wolle er jeden Zweifel an seiner Zukunft vertreiben, kam das Team zurück. In der 64. Minute war es Stanton selbst, der nach feiner Vorarbeit von Hugo Moutinho das 1:3 erzielte - ein Schuss, so präzise, dass Torwart Dirk Benz nur staunen konnte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gab Benz später zu. Vier Minuten später bebte das Stadion endgültig: Albentosa, der bullige Mittelstürmer, verwertete erneut eine Hereingabe von Moutinho zum 2:3. Plötzlich roch es nach Sensation, nach Verlängerung, nach Fußballwunder. Die Fans standen, die Tribünen wogten, und Marsmann brüllte seine Männer nach vorn. Doch Celarevo verteidigte mit serbischer Gelassenheit und einer Prise Glück. Als in der 74. Minute Moutinho nach einem harten Zweikampf verletzt vom Platz musste, schien auch das Basler Momentum dahin. "Er wollte weiterspielen", sagte der Trainer später. "Aber als er beim Aufstehen in die falsche Richtung lief, war klar, dass das nichts mehr wird." Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: jeweils 12 Torschüsse, fast identischer Zweikampfwert (50,1 zu 49,9 Prozent) und ein hauchdünner Ballbesitzvorteil für Celarevo (51,8 Prozent). Doch während die Gäste ihre Chancen eiskalt nutzten, fehlte Basel das Quäntchen Präzision - und vielleicht auch das Glück, das man in solchen Spielen braucht. Nach dem Abpfiff umarmten sich die Spieler erschöpft, während die Fans der Old Boys minutenlang applaudierten. Marsmann versuchte Galgenhumor: "Wir haben drei Tore kassiert, zwei geschossen - wir sind also fast gleich gut. Nur die Mathematik sieht das anders." Für Pivara Celarevo war es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. "Wir sind noch gar nicht angekommen im Traum", sagte Torschütze Nilsson, bevor er mit einem Schaumwein-Korken fast den Journalisten hinter ihm traf. Und Basel? Sie bleiben die tragischen Helden des Abends - elegant gescheitert, kämpferisch verabschiedet, lautstark gefeiert. Vielleicht sagte es Kapitän Albentosa am treffendsten: "Wenn man verliert und trotzdem Standing Ovations bekommt, hat man nicht alles falsch gemacht." Ein Hauch von Melancholie wehte durch das Stadion, als die Lichter langsam erloschen. Und irgendwo in den Katakomben summte jemand leise: "Nächstes Jahr wieder." Nicht als Drohung - sondern als Versprechen. 14.09.643993 14:20 |
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