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Wenn 22.328 Zuschauer an einem kühlen Februarabend ins Athener Odysseas-Stadion pilgern, dann hoffen sie auf Unterhaltung - und sie bekamen sie. Odysseas Athen zerlegte Koropi am 34. Spieltag der griechischen Superliga mit 4:0 (2:0). Es war ein Abend, an dem die Gastgeber Fußball wie aus dem Lehrbuch spielten - und die Gäste bestenfalls Statisten in einem blau-weißen Schauspiel waren. Schon nach einer Viertelstunde ahnte man, wohin die Reise ging. Koropis Innenverteidiger Evdoxios Fotilas holte sich früh Gelb ab, nachdem er Jelle Deconinck das Trikot so gründlich über den Kopf zog, dass man kurz dachte, es gäbe eine spontane Trikot-Tausch-Aktion. "Ich wollte nur zeigen, dass ich fair bin", grinste der Belgier nach dem Spiel - fair war’s vielleicht nicht, aber effektiv. In der 23. Minute durfte Deconinck selbst jubeln: Nach feiner Vorarbeit von Samuel Greenwald zog der Mittelfeldmotor aus 18 Metern ab - trocken, präzise, unhaltbar. 1:0. Und weil’s so schön war, legte er fünf Minuten später gleich noch einen drauf, diesmal nach einer Hereingabe von Duarte Alvar. Zwei Tore in fünf Minuten: Das nennt man belgische Effizienz mit griechischem Feingefühl. Trainer Otto "Rehakles" Rehakles stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, als hätte er das alles schon hundertmal geplant. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht erleiden", sagte er später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und "Ich hab’s euch doch gesagt" lag. Seine Mannschaft tat genau das: 51 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse, und das Gefühl, dass sie jederzeit hätte höher gewinnen können, wenn sie gewollt hätte. Koropi hingegen? Ein Torschuss. Einer. In 90 Minuten. Wenn man ihn nicht gesehen hätte, man hätte ihn leicht übersehen können. William Reid war’s, gleich in der ersten Minute, ein harmloser Versuch, den Marcel Besson im Athener Tor eher auffing als hielt. Danach: Funkstille. Nach dem Seitenwechsel ging das Schauspiel weiter. Keine 60 Sekunden waren gespielt, da zappelte der Ball wieder im Netz. Radovan Ctyroky war zur Stelle, nach Pass von - natürlich - Duarte Alvar. 3:0. Das Publikum sang, die Ersatzspieler grinsten, und Koropi sehnte das Ende herbei. Der Rest war Schaulaufen. Athen kombinierte, als wäre es ein Trainingsspiel. Luke Cunningham prüfte den gegnerischen Keeper mehrfach, ehe er in der 88. Minute seinen verdienten Treffer machte - nach Vorlage von Linksverteidiger Vilhelm Abramson, der offenbar beschlossen hatte, dass Verteidigen an diesem Abend überbewertet sei. 4:0. Das Stadion tobte, und Otto Rehakles klatschte einmal kurz, als wollte er sagen: "So, das reicht." Koropis Trainer, der lieber ungenannt bleiben wollte, sprach nach dem Spiel von einem "Lernprozess". Man könnte auch sagen: einer Lehrstunde. "Wir wussten, dass Athen stark ist, aber das war schon beeindruckend. Oder beängstigend. Eins von beidem." Einziger Wermutstropfen für die Gastgeber: Garritt Mesick sah Gelb, weil er offenbar vergaß, dass Grätschen von hinten im 21. Jahrhundert nicht mehr en vogue ist. "Ich wollte nur den Ball", meinte er - was Schiedsrichter und Gegner allerdings anders sahen. In der 70. Minute gönnte Rehakles seinen Helden eine Pause: Greenwald und Benado runter, Solana und der junge Espen Berthelsen rein. Der Teenager Tortosa durfte in der 90. sogar noch für Torwart Besson ran - wohl mehr als symbolischer Applausmoment denn taktische Notwendigkeit. Statistisch gesehen war’s eine klare Sache: 58,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 18:1 Torschüsse, 4:0 Tore. Doch Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Es war diese Eleganz im Passspiel, dieses mühelose Verschieben, das Koropi alt aussehen ließ. "Wir haben gespielt, als würden wir tanzen", sagte Torschütze Ctyroky. "Nur dass keiner die Musik gehört hat außer uns." Am Ende blieb das Gefühl, dass Odysseas Athen auf dem Weg zu Größerem ist - und Koropi froh sein darf, dass Tore nicht nach Schönheit bewertet werden. Oder wie ein fanatischer Zuschauer beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn das griechische Tragödie war, dann will ich mehr davon!" Und vielleicht war’s das tatsächlich - eine Tragödie für Koropi, aber eine Ode für den Fußball. 25.04.643990 10:05 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale