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Ein kalter Januarabend in Ptolemaida, 12.500 Zuschauer, Flutlicht, ein Hauch von Hoffnung in Grün-Gelb. Eordaikos wollte am 15. Spieltag der 1. Liga Griechenlands endlich wieder jubeln. Am Ende jubelte aber nur einer - und der kam aus der Hauptstadt: Odysseas Athen gewann verdient mit 2:0 (1:0) und ließ den Heimfans nur die Erkenntnis, dass Ballbesitz zwar schön, Tore aber schöner sind. Trainer Otto "Rehakles" Rehakles - ja, der Name verpflichtet - stand nach Abpfiff mit seiner gewohnten Mischung aus Ironie und Zufriedenheit am Spielfeldrand. "Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn ihr schon wie Griechen spielt, dann wenigstens mit Mythos!", grinste er. Mythologisch wurde es tatsächlich, denn Odysseas’ Reise führte zielstrebig zum Sieg. Bereits in der 14. Minute eröffnete Ricardo Pena den Reigen. Nach einem scharfen Pass von Radovan Ctyroky zimmerte der rechte Mittelfeldspieler den Ball aus gut 18 Metern in die linke Ecke. Torwart Maor Tartman flog, streckte sich, sah gut aus - aber der Ball war drin. 0:1, und das Stadion verstummte kurz, bevor die Eordaikos-Fans trotzig anstimmten: "Wir drehen das!" Nun ja. Dabei hatte Eordaikos gar nicht schlecht begonnen. Olaf Held prüfte Athener Keeper Tamir Ben früh mit einem satten Schuss (7.), und Linksaußen Corey Ross tänzelte mehrfach gefährlich in den Strafraum. 52 Prozent Ballbesitz und acht Torschüsse unterstreichen: Der Wille war da. Nur der Ball wollte nicht rein. Oder, wie Held später seufzte: "Manchmal ist das Tor kleiner, wenn du hinten liegst. Ich schwör’s." Odysseas Athen hingegen spielte ökonomisch wie ein Steuerberater: Weniger Ballbesitz, aber mehr Wirkung. 17 Torschüsse, druckvoll über die Flügel, aggressiv im Zweikampf (Tacklingquote 54 Prozent). Ktesias Giannopoulos, der rechte Flügelflitzer, war ständig unterwegs - manchmal zu schnell für sich selbst. In der 38. Minute sah er Gelb, nachdem er Eordaikos’ Konstantinidis beinahe mit in die Werbebande befördert hatte. "War nur ein kleiner Anschubser mit Liebe", grinste Ktesias später in der Mixed Zone. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Eordaikos rannte, Odysseas lauerte. Dimosthenis Katranas prüfte in der 59. Minute noch einmal Tamir Ben - der Keeper hielt sicher und riss danach beide Fäuste in den Nachthimmel. Rehakles an der Seitenlinie blieb stoisch, kaute auf seinem Kaugummi und ließ sein Team weiter "balanced" agieren - die Taktikdaten sagen’s, der Augenschein bestätigte es. In der 70. Minute kam dann frisches Blut: Nicola Rovito raus, Connor Millington rein - ein erfahrener Stratege, der sofort Ruhe ins Spiel brachte. "Connor ist wie ein Glas Rotwein: Je später am Abend, desto besser", flachste Rehakles danach. Die Gastgeber hingegen wirkten müde, ideenlos, fast resigniert. Kurz vor Schluss - die Nachspielzeit lief schon - machte dann der 18-jährige Rafael Martins alles klar. Gerade erst eingewechselt (90.), nutzte er in der 91. Minute eine Vorlage von Duarte Varela und schob eiskalt zum 0:2 ein. Ein Teenager, der den alten Hasen zeigte, wie’s geht. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", lachte Rafael später, "aber alle sind auf mich gesprungen - da dachte ich, wird schon passen." Als Schiedsrichter Nikolaidis abpfiff, sank Eordaikos’ Kapitän Aristidis Kaklamanis auf die Knie. Der Frust war greifbar. Trainerkommentare? Fehlanzeige - der Coach verschwand wortlos im Kabinentrakt. Nur Verteidiger Konstantinidis hatte noch Humor: "Wir hatten mehr Ballbesitz. Vielleicht gibt’s dafür ja halbe Punkte?" Für Odysseas Athen war es ein Sieg der Reife, für Eordaikos eine bittere Lehrstunde in Effizienz. Die Athener sind nun endgültig oben dran, während Eordaikos weiter im Tabellenmittelfeld herumdümpelt - mit der Erkenntnis, dass schöne Statistik keinen Punkt bringt. Rehakles verabschiedete sich schließlich mit einem Augenzwinkern: "Ich mag Spiele, bei denen wir nicht viel laufen müssen, aber zweimal jubeln dürfen." Und während seine Spieler lachend in den Bus stiegen, blieb das Flutlicht noch ein paar Minuten länger an - als wollte es den Eordaikos-Fans sagen: Kopf hoch, vielleicht klappt’s ja nächste Woche. Denn eines ist sicher: Fußballgötter haben Humor. Und an diesem Abend lachten sie mit Odysseas Athen. 30.06.643987 07:42 |
Sprücheklopfer
Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.
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