Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Nullnummer mit Unterhaltungswert - White Rock und Montreal teilen sich die Punkte

Ein torloses Unentschieden kann vieles sein: langweilig, nervenaufreibend, taktisch brillant - oder, wie am Freitagabend in White Rock, ein bisschen von allem. 22.795 Zuschauer sahen beim 14. Spieltag der 1. Liga Kanada, wie White Rock United und Montreal Power 90 Minuten lang alles versuchten, außer den Ball ins Tor zu schießen. Am Ende stand ein 0:0, das sich trotz aller Zahlen und Chancen erstaunlich lebendig anfühlte.

Beide Teams starteten mit nahezu identischer taktischer DNA - "balanced" in jeder Kategorie, als hätte jemand im Videospiel einfach die Standardtaktik geladen. Trainer Rock Mini von White Rock United grinste nach dem Abpfiff: "Wir wollten heute ausgewogen sein - und das hat ja wunderbar funktioniert. Niemand hat gewonnen, niemand verloren, das ist Balance pur."

Das Spiel begann flott. Schon in der 9. Minute prüfte Montreals junger Linksaußen Mario Mandzukic den Keeper Dario Riva, der sich mit der linken Faust in Szene setzte. Zwei Minuten später folgte Kamil Zytko mit einem Schuss, der mehr Stadionbier als Torluft streifte. White Rock antwortete prompt: Tamas Weisz, der sich offenbar vorgenommen hatte, die Netzspannung eigenhändig zu testen, schoss in der 20., 24., 32., 39. und 57. Minute - allesamt knapp vorbei oder sicher gehalten. "Ich hatte heute fünf gute Chancen", lächelte Weisz später. "Leider war der Ball rund, sonst wär’s leichter gewesen."

Zur Halbzeit stand es 0:0 - und das völlig verdient. Beide Teams hatten jeweils rund 50 Prozent Ballbesitz (49,9 % zu 50,1 %), zehn Torschüsse auf Seiten der Hausherren, neun bei den Gästen. Die Tacklingquote? Ein fast philosophisches Gleichgewicht: 49,66 % zu 50,34 %. Man hätte fast glauben können, das Spiel sei vom Statistikamt vorbereitet worden.

In der zweiten Halbzeit nahm das Duell an Würze zu - zumindest auf dem Papier. In der 48. Minute sah Montreals rechter Verteidiger Oscar Caviness Gelb, nachdem er den flinken Duarte Sousa eher in eine Tanzschule als in den Strafraum befördert hatte. Drei Minuten später revanchierte sich White Rocks 17-jähriger Rene Morin mit einem übermotivierten Einsteigen und erhielt ebenfalls Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", sagte Morin schulterzuckend. "Vielleicht ein bisschen zu sehr." Kurz darauf erwischte es auch Montreals Innenverteidiger Vincent Longfellow - ebenfalls Gelb.

Trotz der Karten blieb das Spiel fair, aber unentschlossen. Montreal Power, gecoacht von Cristiano Ronaldo, zeigte im Angriff viel Bewegung, aber wenig Zielwasser. Der 18-jährige Laurent Deschanel prüfte Riva in der 71. und 73. Minute doppelt, doch der Torhüter von White Rock war aufmerksam - und wahrscheinlich dankbar für die Abwechslung. "Ich hatte endlich was zu tun", sagte Riva später lachend. "Bis dahin war’s eher ein Yoga-Abend."

White Rock drängte in der Schlussphase, angetrieben vom Publikum, das trotz Kälte und Torarmut lautstark blieb. Patrick Mayhew, ebenfalls erst 18, zog in der 81. Minute aus der Distanz ab - knapp drüber. Montreal antwortete durch Mandzukic (84.) und Reece Gage (88.), doch das Netz blieb jungfräulich.

Nach dem Spiel suchte man in den Gesichtern der Spieler vergeblich nach Enttäuschung. Trainer Mini fasste es trocken zusammen: "Manchmal ist ein 0:0 ehrlicher als ein 3:2. Wir wollten stabil stehen - und das haben wir getan." Sein Gegenüber Ronaldo nahm es sportlich: "Meine Jungs sind jung, sie lernen. Heute haben sie gelernt, dass man fürs Toreschießen auch treffen muss."

So endet ein Abend, an dem die Defensive glänzte, die Statistik jubelte und das Publikum immerhin ein unterhaltsames Schauspiel bekam - inklusive Gelber Karten, jugendlichem Übermut und einer Prise Ironie.

Fazit? Wenn Fußball ein Spiegel des Lebens ist, dann war dieses 0:0 ein Lehrstück über Ausgeglichenheit. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "War gar nicht so schlecht - nur das Tor hat gefehlt."

White Rock United und Montreal Power gehen mit je einem Punkt nach Hause, aber mit der Gewissheit, dass ein torloses Spiel manchmal mehr Geschichten erzählt als ein Kantersieg. Und wer weiß - vielleicht trifft Tamas Weisz nächste Woche ja endlich, wenn der Ball mal eckig ist.

27.10.643990 11:50
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