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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob nicht vielleicht irgendwo in der Kreisliga mehr Tore fallen. Doch wer am Dienstagabend mit 7.127 anderen Unentwegten in der Velberter IMS Arena stand, bekam immerhin ein kampfbetontes, taktisch diszipliniertes und stellenweise amüsant chaotisches 0:0 zwischen der SSVg Velbert und dem SV Meppen geboten. Schon vor dem Anpfiff war klar: Beide Trainer - Klaus Bock auf Velberter Seite und Daniel Borgmann bei Meppen - hatten sich auf "offensiv" eingeschworen. Jedenfalls stand das so in den taktischen Papieren. Auf dem Platz jedoch wirkte es phasenweise eher wie "kontrolliertes Risiko mit Handbremse". Bereits in der zweiten Minute prüfte Meppens junger Linksaußen Niko Michel den Velberter Keeper Marco Ackermann aus der Distanz - ein Wachmacher für alle, die noch am Bier nippten. Kurz darauf legte der 18-jährige Stefan Grossmann nach, ebenfalls erfolglos. Velberts Antwort ließ bis zur achten Minute auf sich warten, als Einar Villadsen mit einem satten Schuss aus 20 Metern knapp das Ziel verfehlte. Was folgte, war ein Spiel, das sich in Zahlen durchaus ausgeglichen las - 50,1 Prozent Ballbesitz für Velbert, 49,9 für Meppen -, auf dem Rasen aber den Gästen gehörte. Zwölf Torschüsse verzeichneten die Emsländer, doppelt so viele wie die Hausherren. Immer wieder versuchte sich der eifrige Pascal Otto im Sturmzentrum, zwischen der 49. und 53. Minute gar im Dreierpack. Doch egal, ob aus der Drehung oder per Kopf - Ackermann im Velberter Tor hatte einen dieser Tage, an denen Torhüter plötzlich alles fangen. "Ich hab einfach mal die Hände da hingetan, wo der Ball war", grinste der 19-Jährige später in die Mikrofone. Die Heimelf kämpfte sich über den Einsatz ins Spiel. Kapitän Christo Boschinow rackerte auf der linken Seite unermüdlich, flankte, rief, schimpfte - und drosch in der 59. Minute einen Freistoß haarscharf am Pfosten vorbei. Neben ihm ackerten Villadsen und der spielfreudige Gianluigi Perrone, doch zwingend wurde es selten. "Uns hat ein bisschen der letzte Pass gefehlt - und vielleicht auch ein bisschen Glück, das darf man ja mal sagen", meinte Trainer Klaus Bock mit einem gequälten Lächeln. Der Schiedsrichter hatte ebenfalls gut zu tun. Meppens Linksverteidiger Berndt Marx sah in der 60. Minute Gelb, nachdem er Perrone rustikal vom Ball trennte. "Ich hab den Ball gespielt", behauptete Marx, während der Ball in dem Moment vermutlich irgendwo in der Seitenlinie lag. Achtzehn Minuten später erwischte es Velberts Rechtsverteidiger Essi Tihinen, der beim Versuch, einen Konter zu stoppen, ebenfalls Gelb kassierte. "War’s wert", brummte er später, "sonst wär der durch gewesen." Borgmann versuchte, frische Impulse zu setzen: In der 62. Minute kam der 18-jährige Jürgen Frei für Phillipp Keller, später ersetzte Marko Kluge den blassen Lukas Rieger. Doch auch die Jugend konnte das Meppener Offensivglück nicht erzwingen. "Wir haben’s probiert, aber manchmal will der Ball einfach nicht rein", seufzte Borgmann. "Vielleicht liegt das an der Luft hier in Velbert." In den Schlussminuten drückte Meppen, stellte das Pressing auf "Ja, unbedingt!", wie es später in der Taktikanalyse hieß. Otto scheiterte noch einmal in der 74. Minute, während Velbert sich mit langen Bällen befreite. Die Zuschauer quittierten jeden gewonnenen Zweikampf mit Applaus - vielleicht auch, um sich warm zu halten. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel niemand in Verzweiflung. Beide Teams nahmen einen Punkt mit, Meppen eher frustriert, Velbert eher erleichtert. Statistisch gesehen ein gerechtes Remis, gefühlt aber ein kleines Erfolgserlebnis für die Gastgeber, deren Torhüter Ackermann zum Held des Abends avancierte. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon keinen treffen, dann soll wenigstens keiner bei uns treffen", sagte Bock und klopfte seinem Keeper auf die Schulter. Borgmann, etwas säuerlich: "Das war kein 0:0-Spiel. Aber Fußball ist manchmal wie Lotto - nur dass man hier nicht mal einen Schein ausfüllen darf." So endete ein torloses, aber keineswegs langweiliges Spiel. Die Fans gingen heim, einige murmelnd, andere grinsend. Einer rief beim Hinausgehen: "Na, wenigstens hat keiner verloren!" - worauf ein anderer trocken antwortete: "Doch, wir alle - 90 Minuten Zeit." Ein bisschen Wahrheit steckt wohl in beidem. 25.06.643993 17:25 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler