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Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, ob der Ball vielleicht von einem Magnetfeld abgehalten wird, die Torlinie zu überqueren. Das 0:0 zwischen dem TuS Jöllenbeck und dem FC Cuxhaven am 4. Spieltag der Verbandsliga C war genau so ein Fall. 1821 Zuschauer erlebten am frostigen Februarabend ein torloses Spektakel - ja, das gibt es tatsächlich - bei dem 26 Torschüsse zwar für Bewegung sorgten, aber kein einziger den Weg ins Netz fand. Schon in der zweiten Minute donnerte Callum Ashton den Ball aus dem Nichts aufs Tor - und prompt in die Hände von Cuxhavens Keeper Ernst Neumann. "Ich dachte, der Ball sei drin", grinste Ashton später, "aber der Torwart hat wohl Magnetfinger." Die Antwort kam vier Minuten später von Cuxhavens Innenverteidiger Niklas Jürgens, der offenbar beschlossen hatte, selbst mal Stürmer zu spielen. Sein Schuss aus 25 Metern verfehlte das Ziel um knappe zwei Meter - immerhin ein Weckruf für alle, die noch am Glühwein nippten. Die erste Hälfte war ein munteres Hin und Her mit leichtem Übergewicht für die Gäste, die am Ende 53 Prozent Ballbesitz verbuchten. Jöllenbeck, offensiv ausgerichtet und stets auf den Konter lauernd, kam über den agilen Morgan Hannigan und den quirlig-ungestümen Wilhelm Hildebrandt mehrfach gefährlich vor das Tor. In der 25. und 26. Minute versuchte Hildebrandt es gleich doppelt - beide Male entschärfte Neumann mit einer Mischung aus Glück und Reflex. "Ich hab einfach nicht hingeschaut, dann klappt’s meistens", witzelte der junge Keeper nach dem Spiel. Auf der anderen Seite zeigte sich Cuxhaven ballsicher, aber wenig zwingend. Tomas Freitag prüfte Jöllenbecks Schlussmann Oleg Sytschow gleich dreimal (11., 63. und 90. Minute) - und der russische Keeper parierte jedes Mal stoisch wie ein Schachgroßmeister. Trainer Peer Chamier lobte ihn später: "Oleg war heute unser Turm in der Brandung. Nur schade, dass vorne keiner die Brandung in Wellen umwandeln konnte." Ein bisschen Drama gab’s dann doch: In der 17. Minute sah Cuxhavens Horst Menard Gelb, nachdem er Robin Keil etwas zu deutlich gezeigt hatte, wie man in Cuxhaven den Ball erobert. Später revanchierte sich Jöllenbecks Linksverteidiger Pekcan Catkic mit einer ebenso verdienten Verwarnung (66.), nachdem er Jason Hecht unsanft in die Bande begleitet hatte. Der Schiedsrichter hatte also genug zu tun, ohne gleich den Platzverweis zücken zu müssen. Der zweite Durchgang begann wie der erste aufgehört hatte: mit Chancen, die keine Tore werden wollten. In der 52. Minute hatte Kai Fritz die wohl größte Gelegenheit der Partie - frei vor Sytschow, doch statt des erlösenden Treffers flog der Ball in eine Umlaufbahn, die vermutlich noch über Bielefeld nach Cuxhaven zurückkehrt. "Ich wollte zu viel", gab Fritz hinterher zu, "der Ball war einfach zu leicht." Jöllenbeck wechselte in der 70. Minute Detlev Keller aus, Herbert Großmann kam. Ein Wechsel, der neuen Schwung brachte - zumindest laut Trainer Chamier: "Herbert hat uns Stabilität gegeben." Wobei man anmerken muss: Stabilität in einem 0:0 kann vieles heißen - im Zweifel einfach, dass niemand mehr umfällt. Auch Cuxhaven reagierte und brachte Alex Melendo (73.) für den müden Uwe Thomas. Doch weder frische Beine noch taktische Kniffe - Jöllenbeck blieb offensiv, Cuxhaven defensiv, und beide blieben unzufrieden. In der Schlussphase warf Jöllenbeck noch einmal alles nach vorn: Ashton (82.) traf das Außennetz, Hannigan (77.) scheiterte an Neumann, Keil (68.) zirkelte den Ball knapp vorbei. Peer Chamier raufte sich die Haare, während Rio Alf an der Seitenlinie stoisch blieb. "Das war kein schönes Spiel", sagte Alf trocken, "aber immerhin hat’s keiner verloren." Statistisch betrachtet war es ein Duell auf Augenhöhe: Beide Teams mit 13 Torschüssen, Cuxhaven mit hauchdünn besserer Zweikampfquote (50,0016 zu 49,9984 Prozent - ja, genau so knapp), und beide mit dem gleichen Problem - der Ball wollte einfach nicht rein. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Zuschauer trotzdem. Vielleicht aus Dankbarkeit, dass ihre Finger bei minus drei Grad endlich wieder in Bewegung kamen. Oder weil sie wussten: Manchmal ist ein 0:0 spannender als so manches 4:3. "Das war kein langweiliges Unentschieden, das war Fußballarbeit", fasste Jöllenbecks Jean Demers zusammen. Und vielleicht hatte er recht. Denn selten wurde so viel geschossen, gerannt, geflucht - und gleichzeitig so wenig gezählt. Zum Schluss meinte Stadionsprecherin Anja Trost augenzwinkernd: "Das war kein torloses Spiel, nur ein torloses Ergebnis." Recht hat sie. Fußball ist manchmal eben wie das Leben - viel Einsatz, viel Hoffnung, aber kein Happy End. Heute jedenfalls nicht. 03.07.643990 15:30 |
Sprücheklopfer
Als wir die Kampagne vor vier Jahren begonnen haben, standen wir bei Null Komma Null Point Null Prozent.
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